Den Blick nach vorne wagen
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Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken
Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken
BONI-Bus in Dresden
BONI-Bus in Dresden

03.08.2019

170 Jahre Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken "Guckt nicht so sehr auf die Zahlen. Habt Mut!"

Seit 170 Jahren unterstützt das Bonifatiuswerk Katholiken dort, wo es kaum welche gibt. Generalsekretär Msgr. Georg Austen blickt dabei auch auf Deutschland – und sieht ermutigende Impulse für die Kirche. 

DOMRADIO.DE: Bonifatius war ein großer Missionar. Was würde er zu den hohen Austrittszahlen der katholischen Kirche sagen?

Msgr. Georg Austen (Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken): Ich denke, Bonifatius würde erst einmal sehr mutig zu den Menschen gehen. Das war sein Auftrag: das Evangelium den Menschen zu bringen. Aber auch die Frage: Wie kann man die Gestalt und die Gemeinschaft der Kirche mitaufbauen? 

Er würde wahrscheinlich sagen: "Guckt nicht so sehr auf die Zahlen. Sondern schaut auch, wie ihr heute den Menschen das Evangelium verkünden könnt und wie heute die Kirche lebendig sein kann. Was braucht sie, um einladend zu sein? Habt Mut dazu, selbst wenn es manchmal entmutigend sein kann!" Bonifatius war ja auch schon etwas älter. Es geht darum, nicht aufzugeben, sondern im Geiste des Evangeliums weiterzugehen.

DOMRADIO.DE: Sie unterstützen Katholikinnen und Katholiken in der Diaspora. Was brauchen die denn?

Austen: Diaspora hat heute sehr unterschiedliche Sichtweisen. Das eine ist die zahlenmäßige Diaspora: Wenn ich nach Nordeuropa schaue, dann haben wir zwischen ein und drei Prozent der Menschen, die dort zur katholischen Kirche gehören, aber sehr stark im Aufbruch begriffen sind. Es ist eine materiell arme, aber sehr internationale junge Kirche. Die brauchen viel Solidarität, Unterstützung und Ermutigung.

Wenn ich auf der anderen Seite als Bonifatiuswerk in die ostdeutschen Diözesen schaue, wo fast 80 Prozent keiner christlichen Konfession mehr angehören, braucht es dort erst einmal die Begegnung mit Menschen, die aus dem Glauben leben. Wo können Glaubensstifter sein? Was sind die Inhalte des Glaubens? Wo können wir etwas vom Evangelium erfahren und erleben? Durch kirchliche Einrichtungen, durch Menschen, die für die Kirche leben. Wo geben sie Glaubenszeugnis?

Wenn ich in andere Gebiete, auch in Deutschland, schaue, in denen wir in einer Glaubensdiaspora leben: Wo erlebe ich andere, die auch noch zur Kirche gehen und die das mit uns tun? Dieses "noch", das müssen wir eigentlich aus unserem Sprachschatz streichen. Wir müssen uns fragen: Wo erleben wir ermutigende Aufbrüche und Möglichkeiten, sich zu begegnen?

DOMRADIO.DE: Wenn Sie von einer Glaubens-Diaspora sprechen – was kann da ermutigend sein?

Austen: Wir haben gerade zum Beispiel viele Begegnungen im Zoo gehabt, unter dem Motto "Tiere der Bibel". Wie kann ich über die Tiere der Bibel auch Kinder und Jugendliche an die Bibel, an die Botschaft des Glaubens heranführen? Ich erlebe in vielen Projekten – ob das im Kinderhospizdiensten ist, ob das in religiösen religiösen Kinderwochen ist, ob es in Gottesdiensten ist, ob es in Klöstern ist – wie viele Menschen auf der Suche sind. Das ist für mich schon sehr ermutigend, das wahrzunehmen und sich dort mit Menschen aufzumachen.

In unseren Lebensknotenpunkten, bei der Taufe, an den Grenzsituationen, dabei, wie ich Menschen zum Tod begleite: Wir haben schon viele Antworten, bei denen wir sagen können, dass uns das Evangelium die Möglichkeiten gibt, uns nicht zu verstecken sondern zu sehen, was die Welt heute an Heilung in der Zerrissenheit des Lebens braucht.

DOMRADIO.DE: Oftmals sind große Entfernungen ein Problem. Die Amazonas-Synode im Oktober will genau das ansprechen. Was kann man tun, wenn der Priester nicht mehr zur Gemeinde kommen kann?

Austen: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel hat das Bonifatiuswerk die BONI-Busse. Etwa 600 dieser die mobilen Glaubenshelfer fahren in Deutschland. Wie kann ich große Entfernungen überbrücken? Wir haben in Island eine Gemeinde, die hat im Durchmesser 700 Kilometer. Wo können wir auch mobile Glaubenshilfen geben, sodass Glaubensgemeinschaft erfahren wir? Wie kann ich Menschen darin bestätigen oder ausbilden, dass im Lebensraum Gottesdienst gefeiert wird und Rituale gefeiert werden.

Wie können wir auch Eucharistie miteinander feiern? Auf welchen Wegen? So, wie das Domradio es tut oder via Skype zum Beispiel. Es werden oft auch Möglichkeiten gegeben, durch neue technischen Dinge an der Glaubensgemeinschaft teilzunehmen. Das eine ist: Was kann ich persönlich vor Ort erfahren? Aber auch: Wie können wir auch neue Techniken in großen Glaubensentfernungen nutzen?

Das finde ich ganz wichtig: Die Menschen, die oft alleine ihren Glauben leben oder erfahren darin zu bestärken, dass sie zur Weltkirche gehören. Damit stärkt man ihnen den Rücken. Ich erlebe ganz oft, ganz oft dass sie sich bei uns bedanken, bei den Spendern für Projekte oder andere Dinge. Ganz häufig sagen sie: Wir sind nicht allein. Im Bonifatiuswerk sage wir: Keiner soll alleine glauben. Dafür sind wir da.

DOMRADIO.DE: Können Sie die Forderungen nachvollziehen, dass auch nicht geweihte Menschen Gottesdienste halten sollen?

Austen: Das passiert ja an vielen Stellen schon, wo Menschen Wortgottesdienste feiern. Ich erlebe das in manchen Orten: Wenn Menschen gestorben sind, wird das Totengebet gehalten. Oder auch in anderen Formen, wo sie sagen: "Wir feiern Wortgottesdienst. Wir sind dafür ausgebildet, werden wertgeschätzt und sind beauftragt. Das sind Formen, die heute in vielen Bereichen unserer Kirche schon gelebt werden und auch gelebt werden müssen. Das ist etwas, was gerade in einer Diasporasituation notwendig ist.

DOMRADIO.DE: 170 Jahre Bonifatiuswerk – was wünschen Sie dem Bonifatiuswerk für die nächsten 170 Jahre?

Austen: Ich wünsche dem Bonifatiuswerk den Segen Gottes, dass wir weiterhin segensreich wirken können, zusammen mit den Menschen die uns unterstützen. Das ist das, was ein Spenderhilfswerk braucht. Wir können nur durch diese Möglichkeiten noch andere Projekte unterstützen. Ich wünsche dem Bonifatiuswerk den Blick dafür: Was ist heute notwendig? Welche Gestalt von Kirche können wir heute für eine Kirche von morgen fördern? Wie können wir den Menschen das Evangelium als frohe Botschaft nahebringen? Wo können wir Glaubensgemeinschaften bilden, damit man auch in Zukunft spürt: Keiner muss alleine Glauben.

Das Interview führte Beatrice Steineke.

(DR)

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