Eine Frau hat sich ein weißes Laken umgebunden bei einer Mahnwache der Initiative "Maria 2.0"
Eine Frau hat sich ein weißes Laken umgebunden bei einer Mahnwache der Initiative "Maria 2.0"
Der Würzburger Bischof Franz Jung im Gespräch
Der Würzburger Bischof Franz Jung im Gespräch

16.05.2019

"Maria 2.0": Würzburger Frauenbund hält Mahnwache "Wir lassen uns nicht mehr abspeisen"

Es sollte eine kleine Aktion für die Rechte der Frauen in der Kirche werden, doch dann kam sogar Bischof Franz Jung zur Mahnwache am Würzburger Dom. Das freut den Frauenbund in Würzburg. Aber hinter der Aktion steckt auch eine Warnung.

DOMRADIO.DE: Sie haben sich am Donnerstagabend zu einer Mahnwache vor dem Neumünster in Würzburg getroffen. Was fordern Sie? Wie sieht die Kirche aus, die Sie wollen?

Edeltraud Hann (Diözesanvorsitzende KDFB Diözesanverband Würzburg e. V.): Wir fordern eine gleichberechtigte Kirche, in der auch unsere Kinder und Enkel wieder eine Heimat finden können. Partnerschaftlich muss sie auf jeden Fall sein, eine Kirche, in der die Liebe Gottes wieder sichtbar wird.

DOMRADIO.DE: Woher kommen die Frauen, die das genauso sehen – die bei der Mahnwache waren?

Hann: Es waren viele Frauen aus unserem Frauenbund dabei. In der Diözese haben wir 13.000 Mitglieder! Aber es waren auch ganz viele Männer da, die uns hier unterstützen und die Plakate mitgebracht haben. Der Bischof war da, es waren einige Priester da. Es kamen fast 200 Menschen vor die Kirche. Es war eine überwältigende Aktion.

DOMRADIO.DE: Wie ist Bischof Franz Jung auf Sie zugegangen?

Hann: Er hat gesagt, die Frauenfrage in der Kirche müsse entschieden werden – in welche Richtung hat er nicht gesagt. Aber er hat gesagt, dass zu dem Synodalen Weg, zu dem sich die Bischofskonferenz durchgerungen hat, auch die Frauenfrage auf jeden Fall gehöre. Er wird weiter auf die Frauen zugehen und er weiß auch – das hat er ganz klar gesagt –, dass die Frauenfrage in der Kirche die entscheidende Frage für die Zukunft ist.

DOMRADIO.DE: Ist das für Sie bedeutend, dass er gekommen ist und dass er die Dringlichkeit dieser Frage auch zugegeben hat?

Hann: Ja, wir waren total begeistert. Wir haben es gestern erst erfahren, dass sich der Bischof zu Wort gemeldet hat und dass er kommt. Wir hatten bewusst niemanden eingeladen. Es sollte eine ganz kleine Aktion mit drei Frauen vom Vorstand sein, die sich da einfach als Mahnwache hinstellen. Das hat dann aber über Facebook ganz andere Ausmaße angenommen und wir sind sehr froh gewesen, dass der Bischof und einige Priester da waren und das auch mit unterstützen.

Bei uns ist im Bistum Würzburg ist ja letzte Woche der ehemalige emeritierte Bischof Scheele gestorben. Die Aktion war aber jetzt geplant, wir konnten die nicht mehr verlegen. Und ich denke, der Bischof hat uns wohlwollend vom Himmel aus zugeschaut.

DOMRADIO.DE: Und Bischof Jung war mit dabei. Er ist nicht der Einzige, der auf "Maria 2.0" reagiert hat. Es gibt durchaus auch Kritik. Wenn der Seniorenkreis nicht stattfindet oder die Gemeindebibliothek zu bleibt, trifft das doch eigentlich die Falschen. Was sagen Sie dazu?

Hann: Aus diesem Grund läuft ja die Aktion nur eine Woche. Wenn eine Woche mal die Kirche nicht geputzt ist oder der Seniorenkreis nicht statttfindet, ist das nicht so schlimm. Die Frauen unterstützen uns ja. Ein längerer Streik ist überhaupt nicht vorgesehen. Wir wollen nicht, dass die Menschen darunter leider oder die Andachten, die vom Frauenbund gemacht werden, oder Gottesdienste auf längere Sicht wegfallen. Wir wollen Zeichen setzen. Das sieht man ja auch an den vielen Aktionen, dass das an der Zeit war.

DOMRADIO.DE: Die stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, Agnes Wuckelt, hat gesagt: "Die Kirche muss sich bewegen, sonst hat die Kirche die Frauen in Kürze verloren." Sollte sich nach Maria 2.0 nichts verändern, wie lange wird es den Diözesanverband Würzburg im Katholischen Deutschen Frauenbund wohl noch geben?

Hann: Man sagt normalerweise, dass Verbände am Aussterben sind. Aber ich denke, dass mit den momentanen Aktionen einige Mitglieder gewonnen werden. Wir haben im Frauenbund eine auf zwei Jahre angelegte Imagekampagne gestartet. Aber wir haben auch durch die Mahnwache jetzt schon einige neue Mitglieder gewonnen, die sich gemeldet haben. Die gesagt haben: Da trete ich sofort bei.

DOMRADIO.DE: Auf den Bildern von den Aktionen sieht man meist Frauen in eher fortgeschrittenem Alter. Interessiert das alles die Jugend überhaupt?

Hann: Wir hatten bei der Mahnwache ganz viele junge Frauen dabei – von der Ursulaschule, vom BDKJ, von der katholischen Hochschulgemeinde. Für die setzen wir uns ein. Ich bin 63, ich bin eigentlich zu alt dafür. Aber wenn wir Ältere uns nicht mehr einsetzen, dann geht uns die Jugend verloren.

DOMRADIO.DE: Sie wollen Zugang zu allen Weiheämtern. Es wäre wahrscheinlich unrealistisch zu denken, dass da in absehbarer Zeit etwas passiert. Ist das alles nicht vergebliche Liebesmüh?

Hann: Ich denke, das Diakonat der Frau könnte kommen. Bischof Gebhard Fürst von Rottenburg-Stuttgart hat vor drei Jahren schon gesagt: Die Zeit ist reif, Frauen zu Diakonissen zu weihen. Und er steht ja auch dazu. Da gibt's von der Bibel und vom Evangelium her gar nichts, das dagegen spricht. Priesterinnen wird es wahrscheinlich auch gegeben haben.

Aber wir wären schon mal zufrieden, wenn es Diakonissinnen gäbe. Frauen haben ja schon Kurse dazu gemacht. Die würden gerne geweiht werden und fühlen sich berufen. Es kann ja nicht sein, dass nur Männer berufen sind. Aber wenn wieder so gar nichts passiert, dann glaube ich, dass viele Frauen weg sind. Gerade die Jüngeren, die die Zukunft sind.

DOMRADIO.DE: Also sollte ihr Protest eine Warnung sein?

Hann: Auf jeden Fall. Ich denke, die Kirche nimmt das auch ernst. Wir lassen uns nicht mehr abspeisen mit seichtem Gerede. Ich sehe schon, dass jetzt etwas passieren muss. Im Synodalen Weg, den die Bischöfe in Lingen ausgemacht haben, sollte die Frauenfrage mit entscheidend sein.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

(DR)

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