P. Norbert Cuypers SVD
P. Norbert Cuypers SVD

17.10.2013

Pater Cuypers über Transparenz und Vertrauensarbeit an der Basis "Kirche ist im Wandel"

Steigende Austrittszahlen, weniger Spenden für Hilfswerke – die Debatte um Limburg hat bereits Folgen. "Was können wir tun, damit wir glaubhaft sind und bleiben", fragt Pater Norbert Cuypers SVD im domradio.de-Interview.

domradio.de: Die Affäre um Bischof Tebartz-van Elst ist gerade in allen Medien. Wie erleben Sie das?

Pater Norbert Cuypers (Vizeprovinzial der deutschen Provinz der Steyler Missionare): Ich bin überrascht, dass ein einfacher Ortsbischof seit Tagen und Wochen das Thema ist und dieser jetzt so große Schlagzeilen macht. Eine gewisse Berechtigung ist da ja drin. Ich als Ordensmensch bin da persönlich sehr traurig, dass wir wieder so ein Thema in der Kirche bearbeiten müssen. Das ist aber auch eine Anfrage an uns: Wie sieht das denn bei uns selber aus in unserer Gemeinschaft, in meinem ganz persönlichen Leben? Als Ordensmensch habe ich durch das Gelübde der Armut, einen einfachen Lebensstil versprochen. Ich merke natürlich, dass auch in unserem Orden und auch in meinem eigenen Leben nicht immer alles so ist, wie es vielleicht sein sollte. Also ich sehe auch eine Herausforderung daran, an uns selbst zu denken und zu schauen, wie das bei uns aussieht. Was können wir tun, damit wir glaubhaft sind und bleiben.

domradio.de: Jetzt gehört der Orden der Steyler Missionare ja nicht unbedingt zu der Richtung, die mit Prunk und Protz zu tun hat. Aber was glauben Sie, ist diese Debatte um den Limburger Bischof vielleicht auch eine allgemeine Kritik an den Strukturen der katholischen Kirche?

Cuypers: Kirche wird zunehmend an den hohen Werten und Vorstellungen gemessen, die sie sich selber setzt. Die das Evangelium eigentlich setzt. Und das ist auch gut so. Erst einmal ist das richtig, dass man an dem gemessen wird, was man sich auf das Banner schreibt. So wie jede Partei daran gemessen wird, was im Programm steht und was tatsächlich die einzelnen Politiker tun. Insofern ist es schon berechtigt zu fragen: Lebt ihr das, was ihr verkündet? Wenn es sich da spießt, dann ist es auch gut darauf hinzuweisen. Es gibt ja auch eine konstruktive Kritik. Ich denke aber, die Wortwahl mancher Medien ist polarisierend und nicht fair, auch dem Menschen gegenüber nicht. Bei aller Kritik, die berechtigt ist und die anzuschauen ist: Kirche ist im Wandel. Davon bin ich überzeugt. Das spürt jeder, der darin arbeitet und der Kirche wohlgesonnen ist. Vieles geht zu Ende in der Kirche, viele Haltungen, Strukturen. Das ist immer schmerzhaft, wenn es Veränderungen gibt. Der Mensch ist nicht so scharf auf Veränderungen - im persönlichen Leben nicht wie auch in der Gesellschaft. Das Problem ist, dass wir noch nicht genau sehen können, wohin es geht. Wir merken vielleicht in der Kirche, dass das Alte oder viele Traditionen nicht alle mehr so greifen. Und wir müssen uns neu orientieren. Was bleibt, bei alledem, was zusammenbricht? Es ist wichtig richtigzustellen, was das Wesentliche ist. Wenn ich das mit einer Barockkirche vergleiche: Wenn ich den ganzen Stuck und Putz wegräume, dann bleibt das Fundament der Kirche ja trotzdem da, um darauf wieder neu aufzubauen. Das ist die Herausforderung der nächsten Zeit.

domradio.de: Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite haben jetzt viele Bistümer auf diese starke Kritik reagiert und ihre Finanzen offengelegt. Was glauben Sie bringt das? Ist das der richtige Weg?

Cuypers: Ich glaube, es ist ein Schritt Richtung Transparenz. Das war ja vor kurzem auch Thema in der Politik, was Politiker verdienen. Transparenz ist immer gut in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Da, wo Menschen spüren, ich verberge nichts, ich verstecke nichts, ohne mich gleich total outen zu müssen, das ist ein richtiger Weg. Wenn Menschen spüren, dass wir es ernst meinen, dass wir ehrlich sind, dann wird auf Fehler auch nicht so heftig reagiert als wenn man den Eindruck bekommt, da wird etwas vertuscht, da wird etwas verschwiegen, da wird was bewusst nicht kommuniziert. Das erzeugt immer Misstrauen und das ist nicht gut für ein gelungenes Miteinander.

domradio.de: Glauben Sie, dass die Kirche so diesen Vertrauensverlust, der entstanden ist, wieder auffangen kann?

Cuypers: Das ist das eine, das Finanzgebaren der Kirche offen zu legen, was die Bistümer ja jetzt tun. Das finde ich auch einen richtigen Schritt. Das andere ist natürlich der zwischenmenschliche Bereich, also auch an der Basis auf Menschen zuzugehen, auch in der Kommunikation im Alltagsgeschäft der Kirche offen zu sein, wahrhaftig zu sein. Das ist wahrscheinlich auch die Chance in dieser ganzen Krise, dass wir lernen auch unser ganzes Leben wahrhaftig zu gestalten. Und das spüren Menschen natürlich an der Basis und nicht unbedingt durch Tabellen und Bilanzen, die im Internet veröffentlicht werden. Das spüren sie ganz konkret in der Ortskirche, in den Heimatgemeinden; ob ein Pfarrer auf Menschen zugeht, ob er selber auch ein Mensch ist, der sichtbar macht, um was es ihm geht und wo es vielleicht auch ihm schwerfällt. Diese Schiene ist sehr wichtig!

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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