Kardinal Woelki kommt bei den Laien gut an
20. September 2014: Rainer Maria Kardinal Woelki begrüßt die Gläubigen
Pfarrer Franz Meurer
Pfarrer Franz Meurer
Amtsübergabe: Kardinal Meisner und Kardinal Woelki
Amtsübergabe: Kardinal Meisner und Kardinal Woelki
Kardinal Woelki wird am 20.9.2014 in Köln begrüßt
Kardinal Woelki wird am 20.9.2014 in Köln begrüßt
20. September 2014: Amtseinführung von Kardinal Woelki in Köln
20. September 2014: Amtseinführung von Kardinal Woelki in Köln

20.09.2019

Pfarrer Franz Meurer zu fünf Jahren Kölner Erzbischof Woelki "Dem Rainer als Mensch verbunden"

Vor fünf Jahren hat Rainer Maria Kardinal Woelki sein Amt als Kölner Erzbischof angetreten. Pfarrer Franz Meurer kennt Woelki seit Jahrzehnten. Im Gespräch mit DOMRADIO.DE blickt er auf die vergangenen Jahre zurück - und hat einen Ratschlag parat...

20. September 2014: Impressionen der Amtseinführung

DOMRADIO.DE: Sind Sie mit Kardinal Woelki befreundet?

Meurer: Da müsste man ihn fragen. Ich bin auf jeden Fall dem Rainer als Mensch verbunden aber dem Bischof zu Gehorsam verpflichtet. Das muss man genau auseinanderhalten. Das heißt, wenn der etwas will, zum Beispiel, dass ich jetzt beim pastoralen Zukunftsweg mitarbeite, dann mache ich das. Allerdings muss ich auch sagen, wir haben die gleichen Ziele, absolut: Christus begegnen und den Menschen helfen, ihm zu begegnen. Aber wir haben natürlich teilweise auch verschiedene Standpunkte. Das ist aber urkatholisch: sowohl als auch. Das gilt auch für die Tiefe des Glaubens. Und ich glaube, der Kardinal ist froh, dass wir ab und zu verschiedene, nicht nur Meinungen, sondern Standpunkte vertreten.

DOMRADIO.DE: Fünf Jahre ist Kardinal Woelki in Köln Erzbischof. Mal ganz einfach gefragt: Was war positiv in diesen Jahren? Was hat er gut gemacht?

Meurer: Zuerst waren da ja zwei ganz wunderbare Jahre. Er schwamm auf Sympathiewellen! Seine Zuwendung zum Karneval, der Einsatz für Flüchtlinge, das Fahrradfahren im Veedel. Ein einfacher Mensch, der einfach ganz normal mit anderen Menschen umgeht. Jetzt ist die Zeit der Mühe der Ebene gekommen, das ist aber völlig normal. Wir müssen jetzt sehen und zwar gemeinsam, das betont der Kardinal ja immer wieder, dass wir das Schiff der Kirche auf Kurs bringen. Es ist ja ein bisschen am schlingern. Ich muss all die Themen nicht ansprechen, Missbrauch, Priestermangel. Aber auch die grundsätzliche Gottesfrage der Menschen: Wie finden wir Sinn? Aber da sind wir ja nicht untätig.

DOMRADIO.DE: Sie haben den pastoralen Zukunfsweg ja schon angesprochen. 

Meurer: Genau, und der läuft ja sehr gut! Er läuft vor allen Dingen fair. Ganz verschiedene Meinungen kommen zum Ausdruck. Was vielleicht wichtig ist, und ich glaube, das hat der Kardinal begriffen: Wir müssen die Demokratie in der Kirche auch hochhalten. Schon das erste Apostelkonzil war eine harte Auseinandersetzung: Petrus, Paulus, dürfen Juden Christen werden? Worauf muss man achten, wer muss auf wen Rücksicht nehmen? Das gleiche spielt sich jetzt auch bei uns ab. Keiner hat im Erzbistum und überhaupt im Rheinland, etwas dagegen, dass es einen Bischof gibt. Aber jeder will seine Meinung sagen können. Dazwischen muss man natürlich eine Position finden.

DOMRADIO.DE: Es gibt ja auch die Kritiker, die dem Kardinal vorwerfen, er sei zu konservativ. Was sagen Sie dazu?

Meurer: Es kommt doch nicht darauf an, ob man konservativ ist oder liberal! Ich bin zum Beispiel auch wertkonservativ. Es kommt darauf an, ob man fair ist. Zum Beispiel die Subsidiarität, dass also jeder Bereich seine eigene Bedeutung hat und dass man alles bei den Kleinen - also bei den Getauften, Gefirmten, bei normalen Leuten, bei den Indianern - lässt, was sie selber lösen können, ist ja nicht nur urdemokratisch, sondern zielt auch noch tiefer.

Der Kardinal ist nicht nur fromm, sondern der will auch Christus treu bleiben. Und dass man das auf verschiedene Art und Weise macht, ist völlig normal. Das Problem in der Kirche ist nicht die Aufteilung in liberal und konservativ, links oder rechts. Das Problem in der Kirche ist aus meiner Sicht, wie tief man sich engagiert - oder nicht engagiert.

DOMRADIO.DE: Zur Zeit gibt es Unstimmigkeiten in den Reihen der Bischofskonferenz. Da geht es um die Ausrichtung des synodalen Prozesses. Woelki spielt da eine wichtige Rolle, viele Bischöfe sind in wichtigen Punkten anderer Meinung. Das sind schwierige Zeiten für ihn, oder?

Meurer: Absolut schwierige Zeiten. Ich selber kann natürlich nichts dazu sagen, wie die Bischöfe miteinander umgehen. Allerdings finde ich es gut, wenn Meinungsverschiedenheiten auch auf den Tisch kommen. Mir war früher schon immer unheimlich, dass die Bischöfe nur gemeinsam sprechen. Die Einheit wird am meisten bewahrt, wenn die verschiedenen Meinungen zum Ausdruck kommen und offen besprochen werden.

Hans Urs von Balthasar, der große Theologe und Kardinal, hat gesagt: Die Wahrheit ist symphonisch. Und das verspüre ich auch bei unserem Erzbischof, wenn er sagt, alle Getauften und Gefirmten müssten mitarbeiten.

Papst Benedikt hat doch auf die Frage eines Kindes, wie viele Wege es zu Gott gebe, gesagt: "So viele wie es Menschen gibt."  Der Herrgott benutzt uns als seine Werkzeuge, um das Reich Gottes aufzubauen. Und da ist jeder ein bisschen anders drauf. Und wenn man das gemeinsam zusammenbringt, dann passiert doch das, was Kirche ist - der Leib Christi aus vielen, vielen Gliedern. Das kleinste Glied in der Kette ist das Wichtigste. Weil es die anderen vor Hoffart und Eitelkeit bewahrt. Und da kann man nur wirklich sagen, Rainer Woelki, unser Erzbischof, ist wahrhaftig nicht eitel oder gar hoffartig. Im Gegenteil, manchmal zu demütig!

DOMRADIO.DE: Am Sonntag wollen Frauen den Kölner Dom umarmen, die Kirche, in dem der Bischofsstuhl von Kardinal Woelki steht. Geben Sie unserem Bischof einen Tipp: Was sollte er am Sonntag machen, wenn die Frauen seinen Dom umarmen?

Meurer: Unsere Frauen machen natürlich auch mit. Er sollte sich ein Beispiel nehmen an Bischof Kohlgraf von Mainz. Der sagt: "Ich bin hin und hergerissen. Zum einen kann ich die Frauen verstehen. Gleiche Würde, gleiche Rechte. Zum anderen weiß ich als Bischof: Ich kann Ihnen im Moment nicht das erfüllen, was sie wünschen." Eine solche Position, dass man deutlich macht, es zerreißt einem das Herz zu sehen, was im Moment passiert, das wäre mein Tipp.

DOMRADIO.DE: Fünf Jahre ist Kardinal Woelki nun Erzbischof in Köln. Was wünschen Sie ihm für seine Zukunft?

Meurer: Ich wünsche ihm vor allem, dass er immer so fröhlich ist wie er war, als er mit den Karnevalisten nach Rom gefahren ist. Dass er strahlt, dass er vor allen Dingen auf den Heiligen Geist vertraut. Das tut er ja. Aber der Heilige Geist spricht eben in dem Kleinen, in dem Normalen. Wir müssen uns ja keine Sorgen machen, sagt er selber oft. Das Reich Gottes wird nicht untergehen, also können wir nur unseren Beitrag leisten, in verschiedener Art und Weise. Und ich sage mein kölsches Motto, das ich ihm wünsche: Nichts ist so schlecht, dass es nicht für etwas gut ist. Also ist auch eine Krise oder ein Streit im Endeffekt vielleicht genau das, was fehlt.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

Bischofswappen

Wort des Bischofs - Das Buch

Alle Impulse aus den Jahren 2017/18 jetzt auch als Buch!

Predigten von Kardinal Woelki

Predigten im Kölner Dom von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki.

Nachrichten-Video

Zum Video:
Dienstag, 15.10.2019

Video, Dienstag, 15.10.2019:Christliche Nachrichten

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.