Kardinal Woelki und Ingo Brüggenjürgen
Kardinal Woelki und Ingo Brüggenjürgen

11.07.2019

Kardinal Woelki vor fünf Jahren zum Kölner Erzbischof ernannt "Er läuft nicht dem Zeitgeist hinterher"

Genau vor fünf Jahren kam die Meldung: Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki kommt zurück in seine Heimstadt Köln und wird Nachfolger von Kardinal Meisner als Erzbischof von Köln. Eine Zwischenbilanz unseres Chefredakteurs.

DOMRADIO.DE: Das war die Meldung des Jahres am 11. Juli 2014: "Papst Franziskus hat den Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki zum neuen Erzbischof in Köln ernannt. Dies teilten der Vatikan und das Erzbistum zeitgleich am Freitag mit. In Köln läutete um 12.00 Uhr der "Decke Pitter" und die anderen Domglocken. Der 57-Jährige Woelki folgt auf Kardinal Joachim Meisner, der die Erzdiözese bis Ende Februar 25 Jahre lang geleitet hatte".

War das damals eine Überraschung?

Ingo Brüggenjürgen (Chefredakteur DOMRADO.DE): Das war eine echte Überraschung! Kardinal Woelki war ja nur drei Jahre in Berlin. Damit hatte niemand gerechnet, dass diese Zeit so schnell für Kardinal Woelki vorbei sein würde. Die Folge war dann auch ein großes Stühlerücken, weil natürlich das Erzbistum Berlin auch wieder besetzt werden musste.

Es hatte also niemand mit dieser Entscheidung gerechnet. Aber der Papst und das Domkapitel werden schon gewusst haben, warum. Und wie man so hört - obwohl diese Sitzungen und die Wahl des Kölner Domkapitels natürlich geheim sind - hat man den damaligen Erzbischof von Berlin mit überwältigender Mehrheit gewählt. Auch dadurch herrschte eine riesige Erwartungshaltung.

DOMRADIO.DE: Wie waren denn die Reaktionen damals im Erzbistum Köln?

Brüggenjürgen: Nicht nur im Erzbistum sondern in ganz Köln und weit darüber hinaus waren die Gläubigen elektrisiert! Man war begeistert, weil man Woelki von früher kannte. Es ist ja ein gebürtiger Kölner. Er hatte hier in unserem Erzbistum seine Jahre als Kaplan und als Direktor des Priesterseminars Collegium Albertinum. Er hat an der Seite von Kardinal Meisner als dessen Sekretär gewirkt und dann acht Jahre als Weihbischof. Da wusste man, wer da kam. Man war in froher Erwartungshaltung. Man freute sich auf einen großen Hoffnungsträger. Nach 25 Jahren Kardinal Meisner freute man sich auf einen Neuanfang.

DOMRADIO.DE: Wie war denn Kardinal Woelki in diesen Tagen?

Brüggenjürgen: Der war total gut drauf und wunderbar schlagfertig. Ich erinnere mich noch gut daran. Er hat vom ersten Tag an Akzente gesetzt. Damals lief gerade die Fußball-Weltmeisterschaft. Und er sagte: Natürlich spielen wir jetzt wie Deutschland gegen Brasilien - 7:1! Wir setzen voll auf Angriff, vorne wird gewonnen. Er war frisch, er war beweglich, jung und dynamisch. Er hat damals wirklich viele Herzen - nicht nur der Kölner Katholiken - im Sturm erobert. Es gab ein großes Volksfest auf dem Roncalliplatz mit Tausenden von Gläubigen, die ihn als neuen Erzbischof begrüßt und gefeiert haben.

DOMRADIO.DE: Kann man jetzt nach fünf Jahren schon eine Art Zwischenbilanz ziehen? Hat Woelki die hohen Erwartungen erfüllt?

Brüggenjürgen: Es waren wirklich sehr große Erwartungen – vergleichbar vielleicht mit den Erwartungen an Papst Franziskus. Das sind dann Hoffnungen, die ein Mensch vielleicht gar nicht alle erfüllen kann. So ist es bei Franziskus und so ist es auch bei Kardinal Woelki. Er hat teilweise geliefert, teilweise auch nicht. Das hängt natürlich jeweils mit der Betrachtungsweise zusammen. Das Kirchenschiff war in diesen Jahren - und ist es ja immer noch - in sehr schwerem Fahrwasser. Da ist es für jeden Steuermann nicht einfach, das Schiff auf Kurs zu halten. Fakt ist: Woelki ist unangepasst. Er orientiert sich nicht unbedingt an der Mehrheitsmeinung. Er läuft nicht dem Zeitgeist hinterher. Man kann von einem katholischen Kardinal der Weltkirche auch nicht unbedingt erwarten, dass er jetzt das Weiheamt für Frauen fordert oder den Zölibat auflöst.  

Aber Kardinal Woelki hat in diesen fünf Jahren viele andere Dinge auf den Weg gebracht. Sein "Pastoraler Zukunftsweg" läuft ja noch, da müssen wir noch abwarten. Das war auf jeden Fall ein wichtiges Signal. Mir gefällt besonders seine ganz klare Position gegen Populismus. Dafür erhält er bundesweit Anerkennung. Und seine ganz klaren Worte und sein bewundernswertes Engagement für Flüchtlinge hat es sogar bis in die Washington Post geschafft! Wir erinnern uns da an den Fronleichnamsgottesdienst mit dem Flüchtlingsboot als Altar. Das sind Dinge, die bleiben. Er ist immer an der Seite der Niedrigen, der Armen. Und er ist vor allem ein ganz großer Mann des Gebetes, er ist ein frommer Kardinal. Ich weiß, er verbringt viele Stunden des Tages in seiner Kapelle und im Gebet.

Das Interview führte Carsten Döpp.

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