Rainer Maria Kardinal Woelki
Rainer Maria Kardinal Woelki

19.11.2018 - 00:00

Rainer Maria Kardinal Woelki zur Tagung des Diözesanpastoralrates "Nicht nur eine Schokoladenveranstaltung"

Zwei Tage lang haben Kardinal Woelki, Weihbischöfe, Generalvikar, Stadt- und Kreisdechanten und weitere Mitglieder des Diözesanpastoralrats über seelsorgerliche Fragen gesprochen. Auch unbequeme Themen wurden diskutiert.

Erzbistum Köln: Was werden Sie aus den Beratungen des Diözesanpastoralrates mitnehmen?

Rainer Maria Kardinal Woelki (Erzbischof von Köln): Zunächst einmal die gute Atmosphäre, das gute Miteinander, den guten Austausch, die offene, faire Kultur und das sachliche Gespräch. Ich bin wirklich froh für dieses Gremium und das ist ein großer Unterschied zu dem Arbeiten des Diözesanpastoralrats in früheren Perioden. Das ist hier wirklich ein mir sehr lieb gewordenes, wichtiges Beratungsgremium.

Erzbistum Köln: Es wurden auch kontroverse Themen angesprochen: Kommunionempfang für evangelische Ehepartner, die Erkenntnisse zum Thema Missbrauch.

Woelki: Das ist hier natürlich nicht nur eine Schokoladenveranstaltung. Wir müssen uns den Herausforderungen und den Themen stellen, die gerade innerkirchlich aktuell sind und diskutiert werden. Und das ist sicherlich zum einen eben die Frage nach der Kommunion in konfessionsverschiedenen Ehen gewesen, aber auch der Missbrauch. Wir haben uns dieser Thematik in beiden Fällen gestellt. Wir haben durchaus auch kontrovers gesprochen, wir haben auf einem hohen theologischen Niveau gesprochen und miteinander gerungen. Ich habe dankbarerweise viele Hinweise bekommen, wie wir gerade auch mit Blick auf den sexuellen Missbrauch und die Bewältigung dessen, was damit verbunden ist, für uns als Diözese und wo wir auch als Institution und als Kirche uns nicht gut und korrekt verhalten haben, wo wir Schuld auf uns geladen haben, uns bewegen können. Da habe ich ganz viele und wichtige Hinweise bekommen. Die werden wir und die werde ich dankbar aufnehmen.

Und sage deshalb auch noch einmal, dass wir hier auf gar keinen Fall tolerieren können, dass solche Straftaten im Rahmen der Kirche, im Raum der Kirche einen Platz haben. Wir werden dem weiterhin nachgehen. Wir werden das aufarbeiten, so wie ich das auch gestern zugesichert habe. Und diejenigen, die Verantwortung dafür getragen haben, müssen sich auch dieser Verantwortung stellen.

Erzbistum Köln: Es war der erste Aufschlag der sogenannten "aktuellen Etappe des Pastoralen Zukunftswegs". Welche Ergebnisse können Sie uns schon verraten?

Woelki: Das ist vielleicht noch ein bisschen zu früh. Die Arbeitsgruppen haben sich getroffen und ich bin total überrascht und wahnsinnig dankbar, was die geleistet haben in den vergangenen Wochen – oder zwei Monate sind es, also im Grunde genommen acht Wochen. Die haben sich fast jede Woche getroffen, neben ihrer normalen Arbeit. Da sind einige aus den Gemeinden gekommen, die haben sich jede Woche 2,5 bis 3 Stunden Zeit genommen, um diese Fragen anzugehen. Ich finde, dass jetzt ganz wichtige erste Schritte gemacht worden sind, die helfen, die Themen in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern zu sehen, zu erkennen, zu spezifizieren und auch erste Überlegungen angestellt wurden, die aus der Analysephase, in der wir uns gegenwärtig befinden, in dieser zweiten Etappe helfen sollen in die Beteiligung hineinzukommen.

Erzbistum Köln: Worin unterscheidet sich dieser Prozess bislang von anderen Veränderungsprozessen?

Woelki: Das kann ich im Letzten jetzt nicht sagen, weil wir im Letzten in allen Diözesen natürlich darum ringen, wie sich Kirche zukunftsfähig aufstellen kann. Mir ist es für unser Bistum ein Anliegen und ich denke, dass das aber auch in den anderen Bistümern und überall der Fall ist. Wir wollen eine attraktive Kirche sein, wir wollen weiterhin eine Kirche für die Menschen sein. Und ich bin davon überzeugt, dass wir als Kirche Antworten geben können, die für alle Menschen von Relevanz sind: Woher kommst Du? Wohin gehst Du? Wer bist Du? Was macht Dein Leben aus? Wie kann man glücklich werden? Was ist das Leben? Und da finde ich, dass wir Antworten drauf geben müssen.

Deshalb versuchen wir auf jeden Fall, unseren Prozess nicht nur als einen reinen Strukturprozess zu gestalten, sondern wir möchten einen Prozess machen, der ein geistlicher Prozess ist und der immer wieder auch in die Beziehung zu Christus tritt und dass wir uns von ihm her sagen lassen, wie wir die Herausforderungen und die Zeichen der Zeit erkennen und wie wir die geistlich vom Evangelium her deuten können und dann auch entsprechende Lösungsschritte angehen können.

Erzbistum Köln: Was werden die nächsten Schritte sein?

Woelki: Ich sagte ja, heute ist eine Diskussion mit Blick auf das, was in der Analysephase in den Arbeitsgruppen herausgegangen ist und das nächste wird jetzt tatsächlich sein, dass wir versuchen werden im kommenden Jahr in die Breite zu gehen und eine möglichst breite Beteiligung und Diskussion in der Diözese über die verschiedenen Arbeitsfelder, also über eine Veränderung der Kultur, des Miteinanders, wie Vertrauen gewonnen werden kann, über Fragen, wie die Kirche vor Ort zu organisieren ist, wie sie zu leben ist, wie der Glaube vor Ort wieder verstärkt in den Blick gehoben werden kann, wie Kommunikation in einem Zeitalter 4.0, also im Rahmen der Digitalisierung, erfolgen kann und wie natürlich auch Strukturen effizienter, nachhaltiger und effektiver gestaltet werden können.

Das wollen wir nicht einfach nur innerhalb des Generalvikariates und mit den dortigen Mitarbeitern diskutieren. Die sind ganz wichtig, und die gehören dazu. Wir werden deren Expertise abfragen, selbstverständlich, aber wir wollen natürlich auch von den Menschen her denken und wir wollen auch von denen hören, die in der Kirche engagiert sind und auch von denen hören, die zu uns gehören, die aber nicht regelmäßig zum Beispiel zum Gottesdienst kommen, was sie eigentlich von uns als Kirche erwarten und erhoffen. Deshalb eine breite Beteiligung im nächsten Jahr, die angestrebt ist. Und ich lade heute schon alle dazu ein und ich wünsche mir, dass möglichst viele mitmachen und sich auch dort Gehör verschaffen und ihre Sicht mit hineinbringen, damit es uns gelingt, heute Kirche Jesu Christi zu sein.´

Das Interview wurde geführt von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Erzbistum Köln.