Kardinal Woelki in Fulda
Kardinal Woelki in Fulda

27.09.2018

Kardinal Woelki zu den nächsten Schritten bei der Aufarbeitung von Missbrauch "Es sind sicherlich auch Akten vernichtet worden"

Ein Ergebnis der Missbrauchsstudie lautet: In deutschen Bistümern wurden anscheinend belastende Akten vernichtet oder nicht korrekt geführt. Kardinal Woelki erläutert im Interview, worauf es bei der Aufarbeitung nun ankommt.

DOMRADIO.DE: Wie bewerten Sie die Ergebnisse der MHG-Studie?

Rainer Maria Kardinal Woelki (Erzbischof von Köln): Zunächst einmal bin ich dankbar, dass es diese Studie gibt, und dass wir jetzt noch einmal Klarheit haben über all das, was in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in unserer Kirche passiert ist. Das ist wirklich etwas, was uns mit großer Scham zu erfüllen hat. Aber es heißt jetzt, dies nicht einfach nur zur Kenntnis zu nehmen. Es geht jetzt auch nicht mehr darum, nur eine Betroffenheitslyrik weiter zu pflegen. Es müssen Taten folgen.

DOMRADIO.DE: Sie haben für das Erzbistum Köln gesagt: Es geht jetzt auch an die Aufarbeitung. Das kann gegebenenfalls auch ein dunkles Kapitel werden.

Woelki: Ja, das kann so sein. Aufarbeitung ist ein vielschichtiger Begriff. Da wird sicherlich noch einmal geklärt werden müssen, was alles dazugehört. Aber es wird gewiss dazugehören, dass wir zunächst einmal unsere eigene Schuld anerkennen, dass wir ganz speziell auch nochmal auf die Täter schauen, und dass wir auch darauf schauen, wo ein institutionelles Versagen vorgelegen hat. Wir werden bestimmt auch schauen müssen, wie sich zukünftig die Priesterausbildung zu gestalten hat.

DOMRADIO: Wenn das System versagt hat, wie die Wissenschaftler gesagt haben, und es nicht Einzeltaten von Wenigen sind, müsste man dann nicht auch ein Zeichen setzen für übernommene Verantwortung?

Woelki: Es sind zunächst einmal natürlich Taten von bestimmten Tätern. Das darf man jetzt nicht irgendwie nivellieren. Diejenigen, die solches getan haben, müssen auch dafür die Verantwortung übernehmen.

Aber in der Tat hat natürlich auch das System versagt. Zumindest aus unserer heutigen Sicht heraus. Man muss sicherlich die jeweiligen Zeitumstände mit berücksichtigen. Aber es ist sicher so gewesen, dass etwa Versetzungen erfolgt sind, die so nicht in Ordnung waren, weil Personen vor Ort nicht informiert gewesen sind, mit wem sie es auf einmal als Priester zu tun hatten.

Es sind sicherlich auch Akten vernichtet worden, sie sind zum Teil nicht korrekt geführt worden. Das sind Dinge, die dringend abgestellt werden müssen. Und das gehört ja auch zu den Empfehlungen der Wissenschaftler, die in dieser Studie zum Beispiel eine sehr genaue und gute Aufarbeitung der Akten ans Herz gelegt haben. Dem wollen wir uns gerade als Bischöfe stellen, auch im Erzbistum Köln, ich kann ja nur für unser Bistum sprechen.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen.

(DR)

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