Rainer Maria Kardinal Woelki
Rainer Maria Kardinal Woelki

08.09.2017

Kardinal Woelki prangert Flüchtlingspolitik und Türkei-Pakt an "Eine Schande für Europa"

Dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki ist die aktuelle Flüchtlingspolitik ein Dorn im Auge. Unmenschliche Zustände in afrikanischen Flüchtlingscamps seien ein zu hoher Preis für die Senkung der Migrantenzahl, betont er.

"Eine Politik zu loben, die die Zahlen an Migranten senkt um den Preis, dass diese in Lagern an der afrikanischen Küste unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten werden, kann nur als zynisch bezeichnet werden", sagte Woelki am Donnerstagabend in Köln.

Auch Wegsehen sei eine Schuld, zitierte er die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan. Zugleich übte der Erzbischof Kritik am Flüchtlingspakt mit der Türkei. Es sei eine "Schande für Europa, dass wir mit einem solchen Land Abkommen schließen" um weiter in einer geschlossenen Gesellschaft "unserem Wohlstand frönen" zu können, so Woelki. Auf solch einem Zynismus könne kann jedoch keinen Wohlstand aufbauen. 

Das EU-Türkei-Abkommen vom März 2016 sieht vor, dass alle Bootsflüchtlinge, die über die Ägäis nach Europa kommen, in die Türkei zurückgeschickt werden. Im Gegenzug erhält die Regierung in Ankara Finanzhilfen, außerdem soll für jeden aus Griechenland zurückgeschickten Asylsuchenden ein syrischer Bürgerkriegsflüchtling in die EU geholt werden.

Gegen eine "Festung Europa"

Woelki äußerte sich bei einem Medienempfang des Erzbistums zum Thema "Heimat und Identität". Er wandte sich dagegen, sich gegen heimatlos gewordene Menschen abzuschotten und Europa zu einer Festung auszubauen. Angesichts von Krieg und Terror "würden wir uns genauso auf einen neuen Weg machen in eine neue Heimat", sagte der Erzbischof. In einer Gesellschaft, die Schutzbedürftigen keine Heimat bietet, könne auch er keine Heimat finden. 

Mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl kritisierte der Erzbischof, als Christ müsse man sich für manches schämen, das bestimmte Politiker gegenwärtig von sich geben. 

Nach den Worten Woelkis ergeben sich für die Migranten wie für die aufnehmenden Menschen Veränderungen. Damit stelle sich die Frage nach verbindlichen Maßstäben und Grundsätzen. Mit Blick auf Warnungen vor einer "Islamisierung des Abendlandes" sagte er, Kern der christlichen Tradition und Kultur seien die Werte Freiheit, Würde der Person und freie Religionsausübung.

"Vielfalt der Kulturen anerkennen"

Der Erzbischof rief dazu auf, die eigene kulturelle Prägung ebenso zu schätzen wie die Vielfalt der übrigen Kulturen anzuerkennen. Auch im anders geprägten Gegenüber könne Gleiches erkannt und wertgeschätzt werden. Das Verbindende zwischen den Geschöpfen solle stärker sein als das Trennende. Es gelte, die Welt vom eigenen sicheren Standpunkt aus zu erschließen - in Offenheit, Wertschätzung und im Blick auf das allen Gemeinsame.

Angesichts der Tatsache, dass die Relevanz der Kirche in der heutigen Gesellschaft immer mehr hinterfragt wird, verwies der Erzbischof darauf, dass das Erzbistum täglich ca. 2.5 Millionen Euro in Bildungseinrichtungen und Sozialeinrichtungen für die Menschen investiere. Die Kirche dürfte sich damit aber nicht begnügen. Auch die Rolle als moralischer Kompass und Stichwortgeber in Fällen gesellschaftlicher Verwerfungen reiche nicht aus, so Woelki. Die Kirche müsse vielmehr Antworten auf die existentiellen Fragen der Menschen geben: "Wer bist du, woher kommst du, wofür würdest du in deinem Leben einstehen, wem verdankst du eigentlich dein Leben und was passiert nach dem Tod." 

(KNA, epd, dr)

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