Brotvermehrungskirche nach Anschlag eingeweiht

Ort des Paradieses

Jüdische Extremisten zerstören 2015 den Anbau der Brotvermehrungskirche in Israel. Nun ist das Atrium wieder eröffnet worden. Für die dort lebenden Mönche hat der Ort seinen friedvollen Zauber nicht verloren.

Autor/in:
Stefanie Järkel
Pater Basilius Schiel im Atrium der Brotvermehrungskirche / © Corinna Kern (dpa)
Pater Basilius Schiel im Atrium der Brotvermehrungskirche / © Corinna Kern ( dpa )

Ein Olivenbaum wölbt sich mit seinen kleinen grünen Blättern im Atrium, dem Kreuzgang zur Brotvermehrungskirche. In einem kleinen Teich schwimmen dicke goldene und orangene Fische. Die Steine des Gebäudes leuchten an diesem Sonntag beige, die Dachziegel rot. Frieden scheint wieder eingekehrt in der Kirche am Ufer des Sees Genezareth im Norden Israels.

Kardinal Woelki feiert Messe

"Gott, am heutigen Tag haben wir allen Grund, dir zu danken", sagt der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bei der Messe zur Neueinweihung des Atriums. Die Kirche steht laut Überlieferung aus der Bibel an dem Ort, an dem Jesus Christus einst 5.000 Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen satt gemacht haben soll.

Es ist nichts mehr zu sehen von dem Brandanschlag, mit dem 2015 jüdische Extremisten das Atrium in weiten Teilen in Schutt und Asche legten. Die Kirche selbst blieb unbeschädigt, auch weil ein Mönch des angrenzenden Klosters Tabgha selbst zum Wasserschlauch griff.

Die Täter legten auf dem Gelände mehrere Feuer. Sie schrieben mit roter Farbe an eine Mauer des Klosters: "Falsche Götter werden zerstört". 30 Minuten wütete der Brand. Auch die Eingangstür des Klosters wurde beschädigt - ebenso wie das Sicherheitsgefühl der Benediktinermönche.

Ort des Paradieses

"Tabgha galt vielen als Ort des Paradieses", sagt der Leiter des Klosters, Pater Basilius Schiel. Das Thema Sicherheit habe keine große Rolle gespielt. "Alle konnten kommen und haben sich gut und frei und sicher gefühlt. Dass an diesem Ort religiös motivierte Gewalt ausbricht, war eine Enttäuschung, eine Ernüchterung."

Die Kirche liegt am Nordostufer des Sees. Der schlichte Bau mit seinen faszinierenden Bodenmosaiken zieht etwa an Ostern täglich Tausende Besucher und Pilger an, sagt Pater Basilius. Allerdings seien die Zahlen aufgrund der allgemeinen Sicherheitslage zurückgegangen. 2016 kamen laut Tourismusministerium rund 2,9 Millionen Touristen nach Israel - davon gut die Hälfte Christen.

Die Polizei nahm nach dem Anschlag fünf junge Menschen fest, die einer radikalen Siedlerbewegung angehören. Zwei von ihnen wurden angeklagt. "Das war auch ein Lernprozess", sagt Pater Basilius. "Das sind nicht nur dumme Jungen, die mal ein Feuer legen. Da gibt es eine gewisse gesellschaftliche Haltung." Für manche Juden aus dem national-religiösen Spektrum gelten Christen als Götzendiener, weil sie neben Gott auch Jesus Christus verehren.

"Das hat uns Brüdern, glaube ich, noch einmal deutlich gemacht, in welchem Land wir hier leben", sagt der 41 Jahre alte Mönch aus dem Hunsrück. Es gebe eine großes Potenzial an Konflikten. Und: "Die Fundamentalisierung, die man auf der ganzen Welt beobachtet, geht am Heiligen Land sicher nicht spurlos vorbei." Zuvor hatte es bereits einen Brandanschlag auf die Dormitio Abtei in Jerusalem gegeben, Autoreifen waren zerstochen, Graffiti an die Wände des Tabgha übergeordneten Klosters geschmiert worden.

Christen bilden in Israel mit rund zwei Prozent der Bevölkerung eine Minderheit. Nach Angaben des Zentralen Israelischen Statistikbüros gibt es rund 166 000 Christen.

Präsident Rivlin zu Besuch

Der Schaden in Tabgha belief sich auf rund 1,3 Millionen Euro. Acht Monate dauerten die Renovierungsarbeiten. 370 000 Euro zahlte der Staat Israel. Der Eigentümer der Kirche, der Deutsche Verein vom Heiligen Lande, kritisierte in einer Mitteilung, die Regierung habe zunächst mehr versprochen. Der Rest seien Spenden und Geld von Diözesen gewesen.

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin kam direkt nach dem Anschlag - und ist auch an diesem Tag da. "Das letzte Mal, als ich hier war, standen wir zusammen und haben auf die verbrannten Mauern und das schreckliche Graffito geschaut", sagt er im Atrium. "Heute bin ich wieder hier zu Besuch und sehe die Erneuerung dieses historischen, besonderen und heiligen Ortes."

Pater Basilius fühlt sich sicher in seinem Kloster, wie er sagt. "Ich bin gerne in Tabgha, und meine Brüder sind es auch. Es ist einfach ein Ort, an dem man gut sein kann."


Israels Präsident Reuven Rivlin trägt sich in das Gästebuch von Tabgha ein / © Corinna Kern (dpa)
Israels Präsident Reuven Rivlin trägt sich in das Gästebuch von Tabgha ein / © Corinna Kern ( dpa )

Brotvermehrungskirche in Tabgha / © Corinna Kern (dpa)
Brotvermehrungskirche in Tabgha / © Corinna Kern ( dpa )

Pater Nikodemus Schnabel vor einer Tür zum Atrium der Brotvermehrungskirche, die noch Brandspuren aufweist / © Corinna Kern (dpa)
Pater Nikodemus Schnabel vor einer Tür zum Atrium der Brotvermehrungskirche, die noch Brandspuren aufweist / © Corinna Kern ( dpa )
Quelle:
dpa