Kardinal Woelki bei der 70-Jahres-Feier für NRW
Kardinal Woelki bei der 70-Jahres-Feier für NRW
Kardinal Woelki beim NRW-Gottesdienst
Kardinal Woelki beim NRW-Gottesdienst

27.08.2016

Kölner Erzbischof beim Gottesdienst zum NRW-Tag "Christen sollen Gesellschaft mitgestalten "

Klare Worte zum 70. Geburtstag des Landes Nordrhein-Westfalen: Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hat die Christen dazu aufgerufen, an der Gestaltung von Politik und Gesellschaft mitzuwirken.

"Wir müssen dazu beitragen, dass die Spaltung zwischen denen, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen, und denen, die im Schatten sind, nicht größer wird", sagte Woelki am Samstag in einem Gottesdienst zum 70-jährigen Bestehen des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Notwendig sei ein Engagement unter anderem gegen Alters- und Kinderarmut sowie für Bildungsgerechtigkeit und die Integration von Flüchtlingen.

Im Rückblick auf die Gründung des Bundeslandes NRW vor 70 Jahren hob der Kölner Kardinal die Religionsfreiheit als wichtige Errungenschaft hervor. "Wo Religion, die sich dem Grundgesetz verpflichtet weiß, frei ausgeübt werden kann, ohne dass Menschen Diskriminierung und Repressionen erfahren - da lebt es sich für Menschen in all ihrer religiösen Vielfalt so, wie es Gott gefällt: aufrecht und frei."

Freude über jüdische Kultusgemeinden

70 Jahre nach der Gründung Nordrhein-Westfalens sei es heute "beglückend, dass jüdische Kultusgemeinden nach der Katastrophe der Shoah in Deutschland und in NRW zu Hause sind", betonte der Kardinal. Mit Münster habe NRW zudem ein Zentrum für islamische Theologie zur Ausbildung von Religionslehrern.

In den Zeiten des Nationalsozialismus war es nach den Worten Woelkis noch unvorstellbar, dass die Kirchen ohne Zensur öffentlich ihre Stimme erheben durften. Beglückend sei es, dass nach der Schoah die jüdischen Kultusgemeinden wieder in der Bundesrepublik und NRW zu Hause seien. Weiter lobte der Kardinal das Zentrum für muslimische Theologie in Münster, das Lehrer für den islamischen Religionsunterricht ausbildet. An dem Gottesdienst nahmen auch der rheinische Präses Manfred Rekowski und der griechisch-orthodoxe Metropolit von Deutschland, Augoustinos, teil.

Zudem erinnerte Woelki auch an die schwierigen Stunden des Bundeslandes, wie etwa das Sterben der Zechen im Ruhrgebiet, die Love-Parade-Katatrophe mut vielen Toten, den Absturz einer Germanwings-Maschine und die Übergriffe an der Silvesternacht in Köln.

Eine Million Gäste erwartet

Der Gottesdienst, an dem auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und die Mitglieder der Landesregierung teilnahmen, markierte den Auftakt zum zweiten Tag des dreitägigen Bürgerfestes zum 70. Geburtstag des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Beim NRW-Tag in der Landeshauptstadt werden insgesamt eine Million Gäste auf der Festmeile erwartet.

In der Düsseldorfer Innenstadt und der Altstadt sorgen 800 Musiker, Schauspieler und Künstler auf insgesamt 16 Bühnen für Unterhaltung. An über 500 Zeltständen und Aktionsbereichen auf der Festmeile präsentieren sich neben Landtag und Ministerien auch Institutionen, Vereine, Verbände, Kirchen und Kultureinrichtungen aus ganz NRW. Eine Gourmetmeile gibt es ebenso wie Angebote für Kinder und Jugendliche oder Sportaktionen.

Feier seit Dienstag

Bereits am Dienstagabend hatte NRW mit einem Festakt an die Gründung des Bundeslandes am 23. August 1946 durch die britische Militärregierung erinnert. Das Land Nordrhein-Westfalen entstand durch die sogenannten "Operation Marriage" (Operation Hochzeit), mit der die britische Militärregierung die bisherigen Provinzen Rheinland und Westfalen verschmolz. Die am 23. August 1946 veröffentlichte Verordnung bestimmte auch Düsseldorf als Landeshauptstadt. Am 21. Januar 1947 wurde schließlich noch das Land Lippe eingegliedert.

 

 

(epd, DR, KNA)