Kardinal Woelki
Kardinal Woelki

16.09.2015

Kardinal Woelki ruft zu weiterem Engagement für Flüchtlinge auf Von der Willkommenskultur zur Integrationskultur

Rainer Maria Kardinal Woelki ruft zu weiterem Engagement für Flüchtlinge auf. "Aus der Willkommenskultur muss eine Integrationskultur werden", sagte er im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur in Köln.

"Nur warm und sicher reicht nicht aus. Und es reicht auch nicht aus, Menschen irgendwo unterzubringen", fügte Kardinal Woelki weiter an.

Warnung vor der Entstehung von Flüchtlings-Ghettos

Der seit einem Jahr amtierende Erzbischof warnte davor, dass Ghettos mit Flüchtlingen entstehen könnten. "Das würde auf Dauer sozialen Sprengstoff bergen, wie der Blick in andere europäische Länder zeigt." Zuwanderer müssten die neuen Nachbarn der Einheimischen werden, "mit ihnen und nicht neben ihnen her leben". Der Kardinal hatte zu Beginn seiner Amtszeit die "Aktion Neue Nachbarn" zur Unterstützung von Gemeinde-Initiativen für Flüchtlinge gegründet.

Allein auf Facebook hätten sich über 2.700 Menschen vernetzt, um für Spenden zu werben oder Best-Practice-Beispiele auszutauschen, so Woelki.

Flüchtlingen sollen Sprachkenntnisse vermittelt werden

Zu einer wirklichen Integrationskultur gehört für den Kardinal auch, den Flüchtlingen Sprachkenntnisse zu vermitteln, "damit sie sich hier verständigen und wirklich ankommen können". Zudem gelte es, Kinder und Jugendliche in den Schulen zu integrieren und ihnen wie auch den Eltern Zugang zum Arbeitsmarkt zu eröffnen - und damit die Teilhabe an der Gesellschaft.

Integration nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich

Woelki appellierte an die Bereitschaft, weiterhin Asylsuchende aufzunehmen. Deutschland habe nach dem Zweiten Weltkrieg zwölf Millionen Flüchtlinge integriert, "die im Übrigen dazu beigetragen haben, dass Deutschland ein wohlhabendes, reiches und sozial stabiles Land geworden ist". Das mache doch die Attraktivität Deutschlands aus. "Was sind dann die 800.000 oder eine Million Flüchtlinge, die jetzt zu uns kommen?", fragte der Kardinal. Angesichts der Überalterung der Gesellschaft, der dadurch angespannten Sozialsysteme und des Fachkräftemangels seien diese Menschen ein Gewinn für die Bundesrepublik.

Zur Verantwortung Deutschlands als wohlhabender Staat gehört es nach den Worten Woelkis aber auch, einen Beitrag in der Welt zu leisten, damit die Fluchtursachen schwinden. Die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den Herkunftsländern der Flüchtlinge müssten so gestaltet werden, dass niemand mehr aus seiner Heimat fliehen müsse.

 

(KNA)

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