Erzbischof Rainer Kardinal Woelki
Erzbischof Woelki

06.05.2015

Woelki: Für Palliativmedizin, gegen Suizidbeihilfe "Pervertierung des Arztberufes"

Rainer Maria Kardinal Woelki wendet sich vehement gegen ärztliche Beihilfe zum Suizid. "Seit wann - so muss man entschieden fragen - haben Ärztinnen und Ärzte die Lizenz zum Töten?", sagte der Erzbischof bei einer Veranstaltung in Bonn.

"Es kommt der Pervertierung des Arztberufes gleich, wenn der, der Leben erhalten soll, es preisgibt." Woelki forderte auf einer Veranstaltung des Studium Universale und der Joseph-Höffner-Gesellschaft in Bonn die Politik auf, mehr für eine würdevolle Begleitung von Menschen auf ihrem letzten Weg zu tun, statt ihnen einen vermeintlich zeitgemäßen Tod gesetzlich zu ermöglichen. "So stirbt man nicht selbstbestimmt, sondern bestimmt von Schmerz, Einsamkeit und Verzweiflung." Notwendig seien palliativmedizinische Versorgung, intensive Begleitung und seelsorgliche Angebote. Der Bundestag wird voraussichtlich im Herbst über Gesetzentwürfe zu Sterbebegleitung und Suizidbeihilfe abstimmen.

Wie frei kann eine Entscheidung für einen herbeigeführten Tod sein?

Woelki nannte es unangebracht, Suizidbeihilfe oder Töten auf Verlangen mit der Frage der Lebensqualität zu verbinden. "Die Möglichkeiten der Selbstoptimierung verleiten Menschen zu der irrigen Annahme, dass nur ein Leben in Jugendlichkeit und Schönheit, Sportlichkeit und gewissem Auskommen lebenswert und würdig sei", so der Kardinal. Aber auch der Schwache habe Würde. Lebensqualität am Lebensende heiße, "dass man nicht allein ist, dass man sich seiner Hilfslosigkeit nicht schämen muss, dass der Schmerz erträglich gemacht wird, dass niemand - auch man selbst - einem das Gefühl gibt, eine Last zu sein".

Der Erzbischof warf die Frage auf, wie frei eine Entscheidung für einen herbeigeführten Tod sein könne in einer Gesellschaft, die das Sterben so sehr tabuisiere. Einerseits sei der Tod in den Medien permanent präsent, zugleich werde aber das persönliche Sterben öffentlich ausgeblendet. Das Sterben sei aus dem Zuhause, dem früheren Ort des Abschiednehmens, verbannt und stillos geworden. "Zwar sterben wir heute inmitten einer medizinischen Versorgungswelt, aber oft ohne menschliche Nähe und geistliche Begleitung", so der Kardinal.

(KNA)