03.09.2011

Berliner Erzbischof Woelki zu wiederverheirateten Geschiedenen "Sie haben einen Platz in der Mitte der Gemeinde verdient"

Jetzt hat sich der neue Berliner Erzbischof Woelki in die Debatte um wiederverheiratete Geschiedenen eingeschaltet: "Sie haben einen Platz in der Mitte der Gemeinde verdient", sagte Woelki laut Zeitungsinterview. Er kündigte an, über diese Fragen auch mit Benedikt XVI. sprechen zu wollen.

"Wir stehen unter dem Gebot Jesu der Unauflöslichkeit der Ehe"
Woelki rief  in einem Interview der "Schwäbischen Zeitung" (Samstag) dazu auf, deren Lebenssituation anzuerkennen und ihnen mit Verständnis und Barmherzigkeit zu begegnen. "Wir stehen aber auch unter dem Gebot Jesu der Unauflöslichkeit der Ehe", betonte Woelki.

"Wir werden über diese Frage in der Bischofskonferenz und mit dem Heiligen Vater sprechen", kündigte er an. Gemäß katholischer Lehre sind Eheleute, die nach einer Scheidung wieder heiraten, nicht zu den Sakramenten zugelassen.

Erzbischof Zollitsch hatte Debatte angestoßen
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hatte die Debatte ausgelöst, als er von einer "Frage der Barmherzigkeit" sprach und erklärte, er erwarte noch zu seinen Lebzeiten eine Änderung im Umgang mit solchen Ehepaaren. Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hob in einer Reaktion die Unauflöslichkeit der Ehe hervor.

Woelki äußerte sich auch zum Aufruf unter anderen von Abgeordneten der Linksfraktion, die Papstrede im Bundestag zu boykottieren. "Seit ich Erzbischof von Berlin bin, höre ich überall, dass Berlin eine offene, liberale, tolerante Stadt ist. Der Papst hat es verdient, dass man ihm in genau dieser Offenheit, mit Respekt und Toleranz begegnet".

Vor Papstbesuch: Woelki ruft zu Toleranz auf
Von der Ansprache erwartet der Erzbischof eine Richtungsweisung, "um Antworten zu finden in den politischen und ökonomischen Auseinandersetzungen unserer Zeit". Er betonte in diesem Zusammenhang, Europa müsse sich als Solidar- und Wertegemeinschaft begreifen. Es dürfe nicht aus ökonomischen Gründen wieder in Einzelstaaten zerfallen. Die Visionen großer Europäer von Adenauer bis Kohl dürften nicht auf dem Altar der Wirtschaftlichkeit geopfert werden.