Rainer Maria Woelki ist Nachfolger von Kardinal Georg Sterzinsky, der am 30. Juni starb
Rainer Maria Woelki ist Nachfolger von Kardinal Georg Sterzinsky, der am 30. Juni starb

25.08.2011

Amtseinführung von Bischof Woelki und Weihe von Domkapitular Ipolt Samstag in Berlin, Sonntag in Görlitz

Zwei katholische Großereignisse stehen an diesem Wochenende an: Der ehemalige Kölner Weihbischof Woelki wird am Samstag in das Amt des Berliner Erzbischofs eingeführt und nur einen Tag später nimmt er als seine "erste Amtshandlung" die Weihe von Wolfgang Ipolt zum Bischof von Görlitz mit vor. domradio.de überträgt sowohl aus Berlin als auch aus Görlitz live in Bild und Ton.

"Ich freue mich auf Berlin und denke, dass das dort ganz gut gehen wird", sagte Rainer Maria Woelki im domradio.de-Interview am Donnerstagmorgen in Köln, bevor er ins Auto stieg und mit den Umzugskisten die Hauptstadt ansteuerte.

Rund 40 Bischöfe werden in Berlin erwartet
Rund 50 hochrangige Vertreter aus Kirche und Politik haben sich zu seiner Amtseinführung angekündigt. Unter den rund 40 Bischöfen ist der Vorsitzende der Europäischen Bischofskonferenz, Kardinal Peter Erdö (Esztergom-Budapest), der Apostolische Nuntius, Erzbischof Jean-Claude Perisset, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.

Festmesse beginnt um 10 Uhr in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale
Erwartet werden auch die Kardinäle Joachim Meisner (Köln) und Reinhard Marx (München-Freising) sowie Bischöfe evangelischer und orthodoxer Kirchen. Die Festmesse beginnt um 10 Uhr in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Sie wird auf eine Großbildwand vor der Kathedrale übertragen, auf domradio.de live in Bild und Ton.

Rainer Maria Woelki (55) ist Nachfolger von Kardinal Georg Sterzinsky, der am 30. Juni starb.

Die Politik ist unter anderen vertreten durch Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse sowie Berlins Abgeordnetenhaus-Präsident Walter Momper und Bürgermeisterin Ingeborg Junge-Reyer (beide SPD). Nach dem Gottesdienst sind alle Teilnehmer zu einer "Begegnung rund um die Kathedrale" eingeladen.

"Dass unsere Begegnungen freudig verlaufen können"
"Wir wollen nach dem festlichen Gottesdienst, zu dem sich viele Kardinäle und Bischöfe und wahnsinnig viele Gläubige auch angesagt haben, rund um die Kathedrale ein großes Fest feiern", erklärte Bischof Woelki im Vorfeld. "Ich hoffe, dass das Wetter mitspielt, damit wir dann auch gut zusammenbleiben können und dass unsere Begegnungen dann wirklich herzlich und freudig verlaufen können."

Ein Ziel Woelki ist es, den Religionsunterricht wieder auf die politische Tagesordnung zu bringen. Darüber "sollte in Berlin noch nicht das letzte Wort gesprochen sein", sagte er in einem Interview der Tageszeitung "Die Welt". Das Fach eröffne mit Blick auf die Wertedebatte eine ungeheure Chance.

Woelki will neue Debatte um Reli-Unterricht anstoßen
An den staatlichen Schulen Berlins hat der konfessionelle Religionsunterricht anders in den meisten Bundesländern faktisch den Rang einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft. 2009 gab es bei einem Volksentscheid keine Mehrheit dafür, dass die Schüler Religion als Alternative des Ethikpflichtfachs wählen können.

Woelki räumte ein, dass beide große Kirchen und Senat über den Status des Religionsunterrichts weiter uneins seien. Er hob zugleich hervor, dass die evangelische Landeskirche dieses Thema in ihrem Staatsvertrag mit dem Land Berlin ausgeklammert habe. Mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sei er sich einig, dass auch Erzbistum und Land Berlin ihr "gutes Miteinander zum Wohle der Menschen" in einem Staatsvertrag neu formulieren könnten. "Ich werde mit der Landesregierung im Gespräch bleiben", kündigte Woelki an.

Schwerpunkt soll auf geistliche Themen liegen
In der Bundeshauptstadt erwarten Woelki große Aufgaben. Als neunter Bischof von Berlin wird er etwa eine Rolle als Gesprächspartner der Politik einnehmen müssen. Den Schwerpunkt will er aber auf geistliche Themen legen. Der aus einfachen Verhältnissen stammende bisherige Kölner Weihbischof versteht sich in erster Linie als Priester und Seelsorger. Eigentlich wollte er nach Wehrdienst und Studium "ganz normaler Pastor" werden und mit Jugendlichen arbeiten.

Insofern verwundert es kaum, dass Woelki Wohnung und Dienstsitz des Berliner Erzbischofs in den Problemstadtteil Wedding verlegen will.

"Wir Christen werden weniger und die Säkularisierung wird voranschreiten"
Im Berliner Erzbistum, zu dem neben der Bundeshauptstadt auch Brandenburg und Vorpommern gehören, leben 390.000 Katholiken. Im Rheinland zählte sein Pastoralbereich mehr als doppelt so viele Gläubige - auch die Minderheitssituation der Christen in Ostdeutschland ist für ihn eine neue Erfahrung.

Über die Zukunft der Volkskirche macht er sich aber auch bisher keine Illusionen: "Wir Christen werden weniger und die Säkularisierung wird voranschreiten", sagte er vor Jahresfrist nüchtern. Die Antwort müsse "ein ganz entschiedenes Christentum" sein.

Görlitzer Weihegottesdienst beginnt um 15 Uhr in der St. Jakobus-Kathedrale
Am Sonntag (28. August) wird Woelki als neuer Erzbischof von Berlin gemeinsam mit Bischof Dr. Konrad Zdarsa aus Augsburg und Bischof Dr. Joachim Wanke aus Erfurt in Görlitz Wolfgang Ipolt zum neuen Bischof des Bistums Görlitz weihen. Zur Einführung Ipolts werden unter anderem der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff und der Ministerpräsident des Freistaats Sachsen, Stanislaw Tillich erwartet. Der Weihegottesdienst beginnt um 15 Uhr in der St. Jakobus-Kathedrale in Görlitz und wird von domradio.de live in Bild und Ton gestreamt und im Hörfunkprogramm übertragen.

Ipolt will der Diözese Görlitz Mut zu sprechen, sagte er kurz nach seiner Ernennung im domradio.de-Interview: "Sie ist das zahlenmäßig kleinste Bistum, aber nicht das flächenmäßig kleinste Bistum Deutschlands. Es ist die Erwartung da, dass diese Kleinheit auch Chancen in sich birgt und dass ich das bestärken soll."
Zum Bistum Görlitz gehören 29.000 Katholiken. Ipolt wurde Mitte Juni zum neuen Bischof ernannt. Der 57-jährige Thüringer leitete zuletzt das Erfurter Priesterseminar. Er folgt auf Konrad Zdarsa, der im vergangenen Jahr das Bistum Augsburg übernahm.
Das Bistum Görlitz besteht erst seit 1994. Das Gebiet im nordöstlichen Sachsen und in der brandenburgischen Niederlausitz gehörte einst zum Erzbistum Breslau, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aber abgetrennt. Die Diözese zählt mit dem Erzbistum Berlin und dem Bistum Dresden-Meißen zur katholischen Kirchenprovinz Berlin.

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