Papst Paul VI. in Manila
Papst Paul VI. in Manila
Papst Paul VI. in Samoa
Papst Paul VI. in Samoa

26.11.2020

Vor 50 Jahren besuchte erstmals ein Papst Fernost und Ozeanien Bis an die Enden der Erde - und an die Grenzen Chinas

Es war die bislang weiteste Reise eines Papstes überhaupt: Am 26. November 1970 flog Paul VI. nach Fernost und Ozeanien - bis an die Grenzen der Volksrepublik China. Eine mutige und gefährliche Visite des 73-Jährigen.

Ein Papstbesuch im Iran? Oder in Hongkong? Beide Ziele wären heute schwer vorstellbar. Vor 50 Jahren standen sie auf dem Programm der neunten Auslandsreise von Paul VI. (1963-1978). In zehn Tagen besuchte der Konzilspapst im Spätherbst 1970 acht Länder, legte dabei 45.000 Kilometer zurück und stieß in West-Samoa bis an die Datumsgrenze vor.

Paul VI. hatte Ziele

Hauptziele waren die Philippinen und Australien; hinzu kamen Ostpakistan, Indonesien und Ceylon. Paul VI. wollte das Evangelium wie die Apostel bis an die Enden der Erde tragen und die Ortskirchen im Glauben, in der Verbundenheit mit dem Papst und auf der Linie des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) stärken. Zudem wollte er die Kirche auf den Kampf gegen Hunger, Krankheit und soziale Unsicherheit einschwören.

Es war keine Touristentour, wie Kritiker zuvor wegen der Kosten bemängelten, sondern eine strapaziöse Missionsreise - mit einem Schockmoment gleich zu Beginn. Auf dem Flughafen von Manila stach ein als Priester verkleideter bolivianischer Kunstmaler mit einem Malaien-Dolch zweimal auf den Papst ein. Nur durch das beherzte Eingreifen seines Privatsekretärs Pasquale Macchi konnte der Attentäter abgeblockt werden. Paul VI. erlitt Verletzungen an Hals und Brust. Wie ernst, wurde nie geklärt. Er selbst reagierte, als sei nichts geschehen - und setzte das Ankunftsprogramm fort.

Reiseprogramm trotz Attentat

Zuvor hatte der Montini-Papst bereits das Heilige Land besucht. Er war bei der UNO in New York, beim Eucharistischen Weltkongress in Bombay und zur Seligsprechung von Märtyrern in Uganda. Zentrales Ziel der Fernostreise war das Erste Symposium der Bischöfe Asiens mit 180 Teilnehmern in Manila. Von den Philippinen aus wurden die Papstreden über den Kontinentalsender Radio Veritas in vielen Sprachen ausgestrahlt.

In der Hauptstadt besuchte der Papst auch - zum Verdruss von Staatspräsident Ferdinand Marcos - das Barackenviertel Tondo. Die Bilder vom Papst, der von der Ladefläche eines LKW aus zu den Slumbewohnern sprach, die Gleichheit aller Menschen unterstrich, die Achtung der Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit forderte, gingen um die Welt - und setzten die Regierung in Manila unter Druck.

Mitgefühl und soziale Gerechtigkeit

Die päpstliche Reiseroute war auch den Reichweiten des damaligen Luftverkehrs geschuldet. Teheran, Dhaka und Colombo boten sich als Zwischenstopp zum Nachtanken an. An allen Stationen wurde der Papst vom Staatsoberhaupt und von Kirchenvertretern mit einer Begrüßungszeremonie empfangen. Beim Zwischenstopp in Teheran erschien Schah Reza Pahlewi zu einem 30-minütigen Gespräch.

Jubelnde Menschen skandierten "Viva Papa". Beim einstündigen Aufenthalt in Ostpakistan (Dhaka) sprach der Papst den zwei Wochen zuvor von einem Taifun heimgesuchten Menschen sein Mitgefühl aus. Er bat Caritas Internationalis und die Katholiken in aller Welt um Hilfe - und hinterließ einen Scheck von 200.000 Dollar. Beim Überfliegen Vietnams schickte er eine Friedensbotschaft an die Kriegsgegner, an die Präsidenten in Seoul und Hanoi.

Ökumene in Ozeanien

Von Samoa aus appellierte der Papst an die Weltkirche, die Christen Ozeaniens nicht zu vergessen und Missionare und Ordensfrauen für die Seelsorge in den gewaltigen Weiten zu entsenden. In Australien traf Paul VI. schließlich mit den Bischöfen der Ozeanischen Bischofskonferenz zusammen. Hier war die Ökumene ein Schwerpunkt seiner Reden. Die damals 36 Millionen Bewohner Ozeaniens sind zum großen Teil christlich, gehören allerdings einer großen Zahl von Kirchen und Sekten hat; die Katholiken bilden eine Minderheit.

Möglicherweise als Spätfolge des Attentats erlitt der 73-Jährige in der Kathedrale von Jakarta in Indonesien bei stickig-feuchter Hitze einen Schwächeanfall. Er wurde in die Nuntiatur gebracht, erholte sich aber rasch wieder. Am Abend feierte er eine Stadion-Messe mit rund 100.000 Teilnehmern - bevor er zur brisantesten Etappe weiterflog: nach Hongkong.

Längste und letzte Auslandsreise des Papstes

Im Vorfeld hatte es Spekulationen gegeben, der Papst könnte im Rahmen seiner Reise mit Chinas Staatschef Mao Tse-tung zusammentreffen. Genährt wurden sie durch eine zuvor vom Vatikan veröffentlichte Erklärung zum Studium des Atheismus und zum Dialog mit Nichtglaubenden.

Der Papst blieb freilich nur vier Stunden in der britischen Kronkolonie. Bei einer Messe mit chinesischen Bischöfen, 200 Priestern und 40.000 weiteren Teilnehmern im Happy Valley von Hongkong wandte er sich an alle Chinesen - und bezeichnete Christus als "Lehrer, Hirten und liebenden Erlöser auch für China". Ein direktes Wort an die Adresse Pekings vermied er. Seine längste sollte auch die letzte Auslandsreise Pauls VI. sein.

Johannes Schidelko
(KNA)

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