Benedikt hatte in Kuba mehr Religionsfreiheit gefordert
Benedikt hatte in Kuba mehr Religionsfreiheit gefordert

28.03.2012

Fidel Castro will Papst Benedikt XVI. treffen Sozialistisches Urgestein lässt bitten

Kubas früherer Staatschef Fidel Castro will Papst Benedikt XVI. doch noch persönlich sehen: "Gerne werde ich Seine Exzellenz Papst Benedikt XVI. begrüßen", teilt der frühere Maximo Lider auf dem kubanischen Internetportal "Cubadebate" mit. domradio.de überträgt heute ab 15.50 Uhr live die Abschlussmesse aus Havanna.

Der Papst war kurz zuvor mit Fidels Bruder, dem amtierenden Präsidenten Raul Castro, zu einer persönlichen Unterredung zusammengetroffen. Medien hatten spekuliert, ob auch Fidel Castro an der Begegnung teilnehmen würde.

Fidel Castro: Unkomplizierte Kontakt angefragt
Der 85-jährige Revolutionsführer schrieb zu seinem geplanten Treffen mit Benedikt XVI., er habe sich "entschlossen, eine Minute seiner kostbaren Zeit zu beanspruchen". Er habe daher um einen "einfachen und unkomplizierten Kontakt" angefragt. Fidel Castro erinnerte auch an seine Begegnung mit Johannes Paul II., der als erster Papst vor 14 Jahren Kuba besuchte. Castro beschrieb ihn als einen "Mann, der in der Begegnung mit Kindern und einfachen Menschen aus dem Volk stets Zuneigung erweckte".

Bis zuletzt war diese Frage offen geblieben: Trifft Benedikt XVI. in Kuba mit Fidel Castro zusammen, ja oder nein? Wochenlang war immer wieder die gleiche Standardformel "bislang nicht vorgesehen, aber möglich" zu hören - sowohl von Kubas Bischöfen als auch aus dem Vatikan. Vielleicht auch deshalb beflügelte die Begegnung im Vorhinein die Fantasie der Medienleute fast mehr als alle offiziellen Programmpunkte der Papstreise. Für den blassen Nachfolger Fidels, Präsident Raul Castro, wollte sich so recht niemand interessieren.

Antipoden, Klassenfeinde und weltanschauliche Gegner
Doch das Paar Ratzinger und Castro, Benedikt XVI. und Fidel, das faszinierte. Antipoden, Klassenfeinde und weltanschauliche Gegner.

Castro, das sozialistische Urgestein, der unkonventionelle Revolutionär, die Galionsfigur der 68er- Generation, Atheist und Lebemann in Uniform aus der Karibik; Ratzinger, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche aus Karl Marx" Heimatland, einstiger Hüter der reinen katholischen Lehre und unnachgiebiger Gegner aller sozialistischen Anwandlungen in der Theologie.

Zwischen den Lebenswegen der beiden liegen Welten. Vom Alter her trennt sie jedoch nicht mal ein Jahr, Fidel Castro feierte am 13. August vergangenen Jahres seinen 85. Geburtstag, Benedikt XVI. folgt am 16 April. Wie es dem Papst geht, weiß man - er kann noch nach Kuba reisen; über Fidels Gesundheitszustand hingegen gibt es keine zuverlässigen Informationen. Sein letzter öffentlicher Auftritt liegt schon einige Zeit zurück. Möglicherweise geht es ihm so schlecht, dass er um seinen Mythos fürchtet, wenn er sich noch einmal in der Öffentlichkeit zeigen würde.

1998: Johannes Paul trifft mit Fidel Castro zusammen
Bei dem bislang einzigen Papstbesuch in Kuba 1998 hatte sich der damalige Präsident Fidel Castro 50 Minuten lang unter vier Augen mit Johannes Paul II. unterhalten. Dank der guten Spanischkenntnisse des Papstes benötigten die beiden keinen Dolmetscher. Inhalte der Unterredung wurden nicht bekannt. Johannes Paul II. traf damals auch mit vier von Castros Geschwistern zusammen, darunter der heutige Präsident Raul.

Castro selbst bezeichnet sich als Atheist. Doch immerhin: Der uneheliche Sohn eines spanischen Zuckerrohrplantagenbesitzers wurde getauft und besuchte eine Jesuitenschule. Auch die Bibel zitierte er für einen strammen Sozialisten ungewöhnlich oft. Und Castro zählt auch nicht zu jenen Vertretern der reinen marxistisch-leninistischen Doktrin, die Religion partout als Opium für das Volk betrachten. Von ihm stammt der Satz, dass Jesus, wenn er heute auf die Welt käme, Revolutionär geworden wäre.

Spekulationen über Exkommunikation
Immer wieder war jedoch von einer möglicherweise erfolgten Exkommunikation Fidel Castros zu lesen. Johannes XXIII. habe den Revolutionsführer aus der heiligen römischen Kirche ausgeschlossen, weil er 130 Priester ausgewiesen und alle katholischen Schulen verstaatlicht habe, heißt es bisweilen. Passiert sein soll dies am 3. Januar 1962. Einen schlagenden Beleg gibt es jedoch nicht. Denkbar wäre auch, dass Castro sich durch sein kirchenfeindliches Handeln automatisch selbst exkommuniziert hat. Wie dem auch sei: Der Papst könnte ihn in jedem Fall wieder in den Schoß der Kirche aufnehmen, sofern er sich tatsächlich die Exkommunikation zugezogen haben sollte - Castro müsste es nur wollen.

Benedikt XVI. hält sich seit Dienstag in Havanna auf. Während einer gut 40-minütigen persönlichen Unterredung  am ersten Tag seines Kuba-Besuches mit dem amtierenden Präsidenten Raul Castro äußerte der Papst nach vatikanischen Angaben den Wunsch für die Kirche, sich in der kubanischen Gesellschaft mehr engagieren zu können.

Vatikan-Delegation spricht über politische Gefangene
Das Thema der politischen Gefangenen in Kuba blieb laut Vatikansprecher Federico Lombardi ausgeklammert. Mit humanitären Interventionen zugunsteten inhaftierter Oppositioneller hätten sich die Delegationen befasst. Raul Castro und der Papst hätten jedoch die Lage der kubanischen Bevölkerung allgemein erörtert. Ob es dabei auch um das Handelsembargo der Vereinigten Staaten gegen Kuba ging, konnte Lombardi nicht sagen. Vor Journalisten in Havanna verwies er aber auf die bisherige Position des Vatikan, dass eine solche Blockade nicht zu "konkreten positiven Ergebnissen" führe und die Not der Bevölkerung vergrößere.

Der Vatikansprecher sagte weiter, Benedikt XVI. habe Castro um die Wiedereinführung des Karfreitags als gesetzlichen Feiertag gebeten. Der Präsident habe darauf jedoch nicht unmittelbar geantwortet. Bei dem Besuch des Vorgängers von Benedikt XVI., Johannes Paul II., hatte der damalige Präsident Fidel Castro eine entsprechende Bitte um die Wiedereinführung eines Weihnachtsfeiertages gewährt.

Vor seinem Höflichkeitsbesuch bei Staatspräsident Castra hatte der Papst Santiago de Cuba im Osten der Insel besucht und zum Aufbau einer erneuerten und offenen Gesellschaft auf Kuba aufgerufen. Bei seiner ersten Messe in dem kommunistischen Land appellierte er an die Katholiken, sich "mit den Waffen des Friedens, der Vergebung und des Verständnisses" am politischen Leben zu beteiligen.

Papst ruft Kubaner zum Einsatz für Gerechtigkeit auf
Am kubanischen Nationalheiligtum, der "Barmherzigen Jungfrau von Cobre" sagte Benedikt XVI., er bete für alle leidenden, für die ihrer Freiheit beraubten und von ihren Familien getrennten Kubaner, die schwere Zeiten durchmachten. Trotz aller Prüfungen sollten sich die Bürger für Gerechtigkeit einsetzen.

Die Lateinamerikareise von Papst Benedikt XVI. endet am Mittwochvormittag mit einer großen Messe auf dem Platz der Revolution. domradio.de überträgt die Feier live ab 15.50 Uhr. Anschließend kehrt der Papst nach Rom zurück.

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