19.11.2011

Schreiben an die Bischöfe Papst ruft Kirche in Afrika zum Eintreten für Versöhnung auf

Papst Benedikt XVI. hat die katholische Kirche in Afrika zum entschiedenen Eintreten für Gerechtigkeit und Frieden aufgerufen. Angesichts von Bürgerkriegen, krassen sozialen Gegensätzen und Umweltzerstörungen müsse sich die Kirche für eine dauerhafte Versöhnung auf allen Gebieten einsetzen, heißt es in einem Schreiben des Papstes an die Bischöfe Afrikas.

Der Kontinent erlebe gegenwärtig wie die übrige Welt einen "Kulturschock", der die tausendjährigen Fundamente des gesellschaftlichen Lebens erschüttere. Diese "anthropologische Krise" erschwere die Begegnung mit der Moderne.

Das Dokument mit dem lateinischen Titel "Africae munus" (Das Engagement Afrikas), das Benedikt XVI. am Samstag in Ouidah im westafrikanischen Benin unterzeichnete, legt die Leitlinien für das kirchliche Wirken in Afrika fest. Der Papst äußert sich darin unter anderem auch zu Aids, zur Diskriminierung von Frauen sowie zum interreligiösen Dialog. An diesem Sonntag überreicht der Papst in Cotonou das Abschlussdokument der Afrikasynode 2009 den afrikanischen Bischöfe.

Benedikt XVI. fordert in dem Schreiben eine offene und ehrliche Vergangenheitsbewältigung in den von Bürgerkrieg und Völkermord zerrütteten Ländern des Kontinents. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die Opfer hätten ein Recht auf Wahrheit und Gerechtigkeit, schreibt Benedikt XVI., ohne einzelne Länder namentlich zu nennen.

Benedikt XVI. bekräftigt auch die offizielle Position der katholischen Kirche zum Thema Aids. Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit seien vor allem eheliche Treue, sexuelle Enthaltsamkeit und eine Ablehnung sexueller Freizügigkeit wirksame Mittel, heißt es in dem Papier.

Benedikt XVI. ruft zudem zu einem verstärkten Schutz des ungeborenen Lebens sowie der Familie auf. Die ablehnende Haltung der Kirche gegenüber Abtreibungen dulde "keine Zweideutigkeiten". Die Bischöfe müssten deutlicher auf die "fragwürdigen Aspekte gewisser Dokumente internationaler Einrichtungen" zu diesem Thema hinweisen.

Besorgt äußert sich das Oberhaupt der katholischen Kirche auch über eine fortwährende Diskriminierung von Frauen in Afrika. Im Namen überkommener Traditionen würden Frauen oft gedemütigt und erniedrigt. Ihre Würde und ihre Rechte würden "weiterhin weder voll anerkannt noch geschätzt". Der Papst ruft die Kirche auf, für die Rechte der Frauen einzutreten.

Der Papst ermutigt die Kirche auf dem Kontinent ferner, den Dialog mit dem Islam und den einheimischen Religionen zu vertiefen. Die Kirche müsse mit den Muslimen ein "geduldiges" Gespräch über die rechtliche und praktische Anerkennung der Religionsfreiheit führen.

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