Frauen mit mexikanischen Fahnen auf dem Petersplatz (Archiv)
Frauen mit mexikanischen Fahnen auf dem Petersplatz (Archiv)
Eine katalanische (l) und eine spanische Fahne
Eine katalanische (l) und eine spanische Fahne

06.10.2021

Papst-Entschuldigung bei Mexikanern sorgt für Unmut in Spanien Unterschiedliche Reaktionen

Mit einem erneuten Schuldeingeständnis für Fehler der Kirche in der Kolonialzeit hat Papst Franziskus die mexikanische Regierung besänftigt. Dafür hat das katholische Kirchenoberhaupt aber nun Spanien gegen sich aufgebracht.

Eine öffentliche Entschuldigung sollte es geben, unbedingt - vom Papst und von der spanischen Krone. So jedenfalls hatte es sich der linksgerichtete mexikanische Präsident Andres Manuel Lopez Obrador vorgestellt. Anlass für seine Forderung: das Gedenkjahr 2021, in dem Mexiko auf den Beginn der spanischen Kolonisation (1521) und den erfolgreichen Unabhängigkeitskrieg (1821) zurückblickt.

Die "abscheulichen Gräueltaten" der Vergangenheit verlangten nach einem "Akt der Demut und gleichzeitig der Größe", so die Argumentation von Lopez Obrador. Seit Anfang 2019 ließ er nichts unversucht, um sein Ansinnen durchzusetzen. 2021 könne ein Jahr der "historischen Aussöhnung" werden, schrieb er in Briefen an König Felipe VI. und Franziskus. Die Verbrechen der Konquistadoren an den indigenen Völkern - nicht selten begangen im Namen der Kirche - machten dies notwendig. Um der schriftlichen Aufforderung Nachdruck zu verleihen, schickte das Staatsoberhaupt seine wichtigste Vertraute in den Vatikan: Ehefrau Beatriz Gutierrez Müller, die Primera Dama Mexikos.

Hartnäckigkeit zahlt sich nur bedingt aus

Am Ende zahlte sich die Hartnäckigkeit nur bedingt aus. Nach langem Zögern verschickte der Papst jüngst ein vielbeachtetes Schreiben an die Mexikanische Bischofskonferenz. Darin übernahm er Verantwortung für "sehr schmerzhafte Fehler" aus der Kolonialzeit. Ein Rückblick auf diese Epoche müsse deshalb von einem "Prozess der Reinigung des Gedächtnisses" begleitet werden. Es sei angebracht, um Vergebung für "persönliche und soziale Sünden" zu bitten.

In Spanien kamen die Worte gar nicht gut an. Die Zeitung "El Mundo" titelte: "Der Papst lässt sich auf das Spiel von Lopez Obrador" ein. Dabei betreibe dieser politisch motivierten Geschichtsrevisionismus.

Die ebenso einflussreiche wie telegene Madrider Regionalpräsidentin Isabel Diaz Ayuso reagierte ebenfalls irritiert und bezeichnete die päpstlichen Einlassungen als "überraschend". Schließlich habe Spanien Amerika nicht nur den Katholizismus, sondern Sprache, Zivilisation und Freiheit gebracht.

Die konservative Politikerin ging noch einen Schritt weiter und kritisierte einen "Indigenismus" in Lateinamerika, der sich zusehends zu einem "neuen Kommunismus" entwickle. Dass der Papst sich daran beteilige, beobachte sie mit Befremden. Auch die sozialistische Regierung Spaniens wies Forderungen Mexikos nach einer Entschuldigung "mit aller Entschiedenheit" zurück. Was seinerzeit geschehen sei, könne nicht nach modernen Maßstäben beurteilt werden, hieß es in einer Antwort.

Tatsächlich ist der heutige Blick auf die Geschehnisse von damals in vielerlei Hinsicht ambivalent. Die Konquistadoren krempelten die Verhältnisse radikal um, etablierten ihre eigene Kultur, Sprache und Religion. 1521 eroberten sie die auf dem Gebiet des heutigen Mexiko liegende Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan. Aus Sicht der Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt, Claudia Sheinbaum, "der Startschuss für ein Zeitalter der Epidemien, des Missbrauchs und für 300 Jahre Kolonialherrschaft".

So einfach sollte man es sich nicht machen. Die spanischen Glücksritter, befehligt von einem gewissen Hernan Cortes, verfolgten eine klar umrissene Mission: möglichst viel Gold zusammenraffen und die "wilden Indios" zum katholischen Glauben führen. Dass es dabei zu zahllosen Verbrechen kam, ist unstrittig. Aber der Sieg wäre niemals möglich gewesen ohne die tatkräftige Mithilfe verbündeter indigener Stämme.

Die von den Azteken unterjochten Völker litten unter einem ausbeuterischen Tributsystem. Aufstände ließ König Montezuma II. blutig niederschlagen. Die berüchtigten Menschenopfer bei religiösen Zeremonien in Tenochtitlan, da sind sich Forscher weitgehend einig, hat es wirklich gegeben. Die steil ansteigenden Pyramidenstufen des Templo Mayor sollen vom getrockneten Blut der Opfer schwarz verfärbt gewesen sein. Nicht wenige Ureinwohner sahen daher in den Spaniern eher Befreier als Eroberer.

Franziskus bekommt einiges zu spüren

Doch für derlei Differenzierung ist in der aktuellen Auseinandersetzung meist kein Platz. Das bekommt Franziskus nun zu spüren. Zwar ist es ihm gelungen, die mexikanische Regierung zu besänftigen, dafür hat er die Spanier gegen sich aufgebracht. Das erscheint vor allem deshalb absurd, weil er nichts anderes getan hat als seine Vorgänger.

Bereits Johannes Paul II. bat die Völker Amerikas bei einem Besuch in Santo Domingo am 12. Oktober um Vergebung für erlittenes Unrecht.

Benedikt XVI. sprach 2007 von "Schatten" der Evangelisierung. Die dürften aber nicht daran hindern, "voll Dankbarkeit das wunderbare Werk wahrzunehmen, das im Lauf dieser Jahrhunderte von der göttlichen Gnade unter diesen Völkern vollbracht wurde". Trotz all solcher Stimmen lässt die vom mexikanischen Präsidenten angestrebte "historische Aussöhnung" leider weiter auf sich warten.

Alexander Pitz
(KNA)

Mit Willibert auf Sizilien

Eindrücke von der DOMRADIO.DE-Reise

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Tageskalender

Radioprogramm

 24.10.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Missio-Präsident Bingener zum Weltmissionssonntag
  • 111 Orte im und am Kölner Dom
  • Regensburger Domspatzen in Altenberg
07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • "Franziskus HILF!" - Eine Aufforderung zum Umdenken in der Kirche
  • Rückblick auf die Frankfurter Buchmesse
  • Eröffnung der Weltsynode im Erzbistum Köln
10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • "Franziskus HILF!" - Eine Aufforderung zum Umdenken in der Kirche
  • Rückblick auf die Frankfurter Buchmesse
  • Eröffnung der Weltsynode im Erzbistum Köln
12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

16:00 - 18:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

16:00 - 18:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Himmelklar Podcast

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…