Papst Franziskus besteigt ein Flugzeug (Archiv)
Papst Franziskus besteigt ein Flugzeug (Archiv)
Stefan von Kempis
Stefan von Kempis

14.07.2021

Vatikanexperte sieht keine Chance für Papstreise nach Nordkorea "Halte ich für völlig ausgeschlossen"

Slowakei, Budapest, Glasgow: Der Papst will nach der Pandemie endlich wieder auf Reisen gehen, auch wenn es ihn mehr und mehr belastet. Ein möglicher Papstbesuch in Nordkorea sei aber sehr unwahrscheinlich, sagt Vatikan-Kenner Stefan von Kempis.

DOMRADIO.DE: Auf dem Rückflug aus dem Irak hatte Franziskus im Frühjahr zugegeben, dass er das Reisen langsam doch ein bisschen beschwerlich findet. Jetzt die OP. Wie schätzen Sie das ein? Wird Franziskus bald wieder auf große Fahrt gehen können oder eher nicht?

Stefan von Kempis (Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Vatican News): Ich vermute schon, dass er bald auf große Fahrt geht. Die Lust wieder rauszukommen nach diesem Coronamonaten und -jahren ist einfach zu groß bei diesem schwer zu bändigenden Papst. Man sieht so eine gewisse Ungeduld, die kennzeichnend für ihn ist. Der Mann will wieder auf Reisen.

DOMRADIO.DE: Noch bevor er ins Krankenhaus gegangen ist, hat der Papst konkrete Reisevorhaben bekannt gegeben. So will er im September zum Beispiel nach Budapest in Ungarn und in die Slowakei fahren. Das klingt doch eigentlich machbar, oder?

von Kempis: Das ist auch keine besonders schwierige Reise. Der Irak war schon dadurch exzeptionell, dass da das Programm vollgestopft wurde und der Papst irgendwann kapituliert hat. Natürlich wollte jede der vielen christlichen Kirchen und Gemeinschaften, die im Irak in verschiedenen Landesteilen präsent sind, dass der Papst noch ihre von ISIS zerstörte Kirche sieht oder in ihre Gemeinde kommt und den Altar segnet. Das wurde einfach zu viel. Das hatte eine Dimension wie die Reisen von Johannes Paul II. in seiner besten Zeit.

Ich glaube, der Vatikan hat daraus gelernt, auch aus diesem Seufzer des Papstes, wie müde er sei, dass man die Programme einfach wieder ein bisschen abspeckt. Das wird man schon in Ungarn und der Slowakei im September dann merken. Und dann ist das auch machbar für einen 84-jährigen.

DOMRADIO.DE: Und dann war die Rede von einer Papstreise zum Klimagipfel nach Glasgow Anfang November. Das wäre doch sicherlich ein Wunschziel, schließlich liegt ihm die Bewahrung der Schöpfung ja sehr am Herzen.

von Kempis: Es ist noch keine Reise, die der Vatikan bestätigen oder auch nur kommentieren würde. Aber die schottischen Bischöfe sprechen davon, der Papst wolle unbedingt zu diesem Klimagipfel. Und tatsächlich hatte er ja auch schon seine Umwelt- und Schöpfungs Enzyklika "Laudato si" 2015 auf den Klimagipfel von Paris geradezu hingeschrieben. Aauch hinter den Kulissen machte er Druck auf Zweifler, als es um die Abstimmung ging, wie man weiß, zum Beispiel den venezolanischen Staatschef Maduro. Den hat er angeblich per Telefon dazu bewegt, diesem Klimaplan relativ ehrgeizig zuzustimmen. Das ist ein Thema, das ihn sehr bewegt.

Es wäre also vorstellbar, so eine Reise nach Glasgow. Erst recht, wenn, wie das die schottischen Bischöfe darstellen, wirklich nur diese Klimakonferenz besucht wird und nicht gleich noch eine Reise des Papstes über die britischen Inseln drangeklebt wird. Aber wie gesagt, das ist keinesfalls vom Vatikan bestätigt. Der Vatikan kommentiert keine Reisewünsche oder -pläne, die noch nicht offiziell bestätigt sind.

DOMRADIO.DE: Eine kleine Sensation wäre ja, wenn Franziskus tatsächlich nach Nordkorea reisen würde. Dass er das gerne würde, hat der Vatikan bestätigt. Kim Jong Un müsste ihn allerdings erst noch einladen. Wie wahrscheinlich ist das Ihrer Meinung nach?

von Kempis: Meiner Meinung nach ist das total unrealistisch. Aber schon dadurch ein Politikum, dass man davon spricht. Damit ist das Ziel schon fast erreicht. Aus meiner Sicht auch ganz ohne die Reise, die mir völlig unmöglich scheint. Es gibt keine diplomatischen Beziehungen zwischen dem Vatikan und Nordkorea, wie auch mit Peking nicht. Es gibt keine besuchbare katholische Ortskirche oder Hierarchie in Nordkorea. Es stehen große Fragezeichen dahinter, ob es überhaupt eine römisch-katholische Kirche und Katholiken in Nordkorea gibt oder ob das nicht irgendwelche seltsamen Marionetten des Regimes sind.

Es gibt keine nordkoreanische Bischofskonferenz, die den Papst nach Nordkorea einladen könnte. Und normalerweise lädt nicht nur die Regierung, sondern auch die jeweilige Bischofskonferenz einen Papst ein. Und Nordkorea bringt ansonsten noch so ein Bündel an Incognita und Problemen mit sich, dass ich das für völlig ausgeschlossen halte. Es hat durch die Spekulation, dass der Papst einen südkoreanischen Kardinal nach oben an die Liturgiekongregation holt, ein bisschen Drive bekommen. Damit ist das Thema Korea jetzt wieder ein bisschen mehr im Vatikanfokus, aber ich glaube, dabei kann man es auch bewenden lassen.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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