Papst reist zu kirchlicher Mittelmeer-Konferenz nach Bari
Papst Franziskus verlässt Flugzeug
Blick auf Budapest
Blick auf Budapest
Blick auf die Martins-Kathedrale in Bratislava
Blick auf die Martins-Kathedrale in Bratislava

07.07.2021

Kopfzerbrechen um päpstliche Reisepläne Kurz in Ungarn und lange in der Slowakei

Am Sonntag teilte der Vatikan offiziell mit: Der Papst reist im September nach Budapest und in die Slowakei. Franziskus hatte dies schon im März angekündigt. Seither gab es Rätselraten und Verstimmung ob des Programms.

Im Nachhinein sucht Eduard Habsburg, Ungarns Botschafter beim Heiligen Stuhl, Enttäuschung und Empörung bei etlichen seiner Landsleute zu beruhigen: "Ungarn für ein paar Stunden, Slowakei einige Tage. Warum?", schrieb er am Montag auf Twitter. "@Pontifex macht genau das, wozu er eingeladen wurde: in Budapest zur Abschlussmesse des Internationalen Eucharistischen Kongresses, in der Slowakei eine ausführlichere Reise im Land".

Bereits unmittelbar nach seiner ersten Ankündigung einer solchen Reise im März auf dem Rückflug aus Bagdad hatte Franziskus für Rätselraten und Kritik gesorgt. Hinsichtlich der geplanten Aufenthaltsdauer in den benachbarten Ländern gab es ein starkes Missverhältnis, zumindest große Unterschiede. Danach sieht auch das vom Vatikan jetzt bekanntgegebene Programm aus: Sonntag, 12. September, nachmittags Messe in Budapest, danach Weiterreise nach Bratislava mit Besuchen in vier Städten bis zum 15. des Monats. Details sollen folgen.

Staatsekretäre wurden überrascht

Schon mit seiner Ankündigung auf dem Rückflug aus dem Irak, er wolle nach Budapest und Bratislava reisen, hatte Franziskus seinen Diplomaten im Staatssekretariat Kopfschmerzen bereitet. Wieder einmal wurden sie von einer päpstlichen Ansage aus dem heiteren Himmel einer "fliegenden Pressekonferenz" überrascht.

Im Herbst wolle er nach Budapest reisen und dort die Abschlussmesse des Eucharistischen Weltkongresses feiern. Es handele sich aber nicht um einen offiziellen "Besuch des Landes", fügte er hinzu.

Gleichzeitig stellte der Papst eine Visite in der benachbarten Slowakei in Aussicht. Budapest sei nur zwei Autostunden von Bratislava entfernt. "Warum nicht einen Besuch bei den Slowaken machen?", setzte Franziskus wie beiläufig hinzu.

Nicht nur Kirchenoberhaupt - auch Staatsoberhaupt

Auch wenn es sich beim Eucharistischen Kongress um eine rein innerkirchliche Veranstaltung handelt, schien Franziskus wieder einmal vergessen zu haben, dass ein Papst bei Auslandsreisen nicht nur als Kirchen-, sondern auch als Staatsoberhaupt unterwegs ist.

Wenige Stunden in Budapest, ohne in Ungarns Hauptstadt Regierungsvertreter zu treffen, versus mehrere Tage in Bratislava, um dort von politischen, kirchlichen und anderen gesellschaftlichen Vertretern empfangen zu werden? Dem Vernehmen nach waren nicht nur Diplomaten verschnupft, sondern auch viele ungarische Katholiken.

Allein die Tatsache, dass Franziskus und Ungarns Regierungschef Viktor Orban in einigen Punkten konträrer Auffassung sind, könnte ein solch unterschiedliches Besuchsprogramm an der Donau nicht rechtfertigen. Dass zwischen der Slowakei und Ungarn hier und da noch historisch bedingte Misstöne mitschwingen, machte die Sache nicht einfacher.

Zugespitzte Medienberichte und Spekulationen bereiteten Ungarns Bischöfen und diplomatischen Mitarbeitern zusätzliche Bauchschmerzen.

Vermutlich habe Franziskus bei seiner Ansage im März "nicht richtig nachgedacht", lautete eine Vermutung.

Zwar sprach der Pontifex damals ausdrücklich von einem religiösen Besuch und keinem Staatsbesuch. Auch gab es Reisen, bei denen er nicht formell mit Vertretern des Staates zusammentraf: etwa zum Europarat in Straßburg 2014, nach Lesbos und in dessen Flüchtlingslager 2016 oder zum Ökumenischen Rat der Kirchen nach Genf 2018. Diese Orte sind alle keine Hauptstädte. Bei seinen Kurztrips 2014 nach Tirana und 2015 nach Sarajevo gab es sehr wohl kurze Treffen mit Staatsoberhäuptern.

So versuch(t)en dem Vernehmen nach die Organisatoren der Reise den Papst davon zu überzeugen, zumindest etwas länger in Budapest zu bleiben und auch den Gläubigen dort mehr Zeit zu widmen. Dabei würde Franziskus nicht umhinkommen, wichtigen Vertretern von Politik, Gesellschaft und Religion zumindest die Hand zu geben - nicht nur Orban und Staatspräsident Janos Ader. Zudem könnte der Papst die Hand auch Budapests Bürgermeister Gergely Karacsony geben, immerhin Oppositionskandidat für die Parlamentswahlen 2022.

Rätselraten in Ungarn

Dass ein Papst auch die Vertreter anderer christlicher Kirchen sowie der Juden und Muslime treffen sollte, schien für Ungarns Bischöfe ebenfalls selbstverständlich zu sein. Anfang Juni nun gaben diese bekannt, Franziskus werde auch Orban treffen: vor der Abschlussmesse an einem "reservierten Ort". An dem Treffen sollten auch weitere Regierungsmitglieder teilnehmen.

"Wir bedauern, dass es in Bezug auf das Programm des Heiligen Vaters in Ungarn - das derzeit organisiert wird - eine Verbreitung von Fehlinformationen und falschen Interpretationen in lokalen und internationalen Medien gegeben hat", so die Bischofskonferenz. Dass sie mit diesem Detail an die Öffentlichkeit ging, bevor Reise und Programm offiziell vom Vatikan bekanntgegeben werden, zeigt, wie groß das Unbehagen war.

Dabei hat Franziskus nichts gegen Ungarn. Einige gängige ungarische Redewendungen könne der Papst akzentfrei aussprechen, weiß Habsburg zu berichten. In Buenos Aires hatte Jorge Bergoglio mehrfach mit ungarischen Ordensfrauen zu tun, die ihm das eine oder andere beibrachten.

Zunächst aber muss sich Franziskus von seiner Operation erholen und so weit genesen, dass er auf beiden Beinen stehen und laufen kann.

Wie fit er in gut zwei Monaten sein wird und welches Besuchsprogramm tatsächlich am Ende herauskommt, wird sich wohl erst im August zeigen.

Roland Juchem
(KNA)

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