Papst Franziskus gedenkt in einer Zeremonie der Kriegsopfer in Mossul
Papst Franziskus gedenkt in einer Zeremonie der Kriegsopfer in Mossul
Papst Franziskus spricht zu den Menschen in der Kirche der Unbefleckten Empfängnis in Karakosch
Papst Franziskus spricht zu den Menschen in der Kirche der Unbefleckten Empfängnis in Karakosch
Papst Franziskus in Karakosch
Papst Franziskus in Karakosch

07.03.2021

Papst verurteilt in Mossul Hass im Namen der Religion Terrorismus und Tod haben "niemals das letzte Wort"

Papst Franziskus hat im Irak die Opfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" geehrt und Gewalt im Namen der Religion angeprangert. ​In der einstigen Terroristen-Hochburg Mossul betete das Kirchenoberhaupt an diesem Sonntag.

Der Papst betete für all jene, die von den selbsternannten Gotteskriegern während ihrer blutigen Herrschaft im Nordirak ermordet, versklavt und vertrieben wurden. Im christlich geprägten Karakosch ermutigte er die christliche Minderheit im Irak, dem Land nicht den Rücken zu kehren und ihr geistliches Erbe zu bewahren.

Der Papst war am Morgen in Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, von Präsident Nechirvan Barsani und Regierungschef Masrur Barsani begrüßt worden. Anschließend flog er per Hubschrauber weiter nach Mossul, wo der IS 2014 ein "Kalifat" ausgerufen hatte. 2016 wurde die Stadt unter großen Zerstörungen befreit. Die Terrormiliz gilt im Irak seit 2017 als militärisch besiegt.

Auf dem Platz Hosh al-Bieaa, Schauplatz der Zerstörung mehrerer christlicher Kirchen, berichteten Zeitzeugen über Verfolgung und Vertreibung während der Herrschaft der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Der Papst zeigte sich bestürzt angesichts der "grauenvollen Erfahrungen". Ein "unermesslicher Schaden" sei angerichtet worden. Moslems, Christen, Jesiden - alle zählten zu den Opfern. "Heute bekräftigen wir nichtsdestotrotz erneut unsere Überzeugung, dass die Geschwisterlichkeit stärker ist als der Brudermord", so Franziskus.

Besonderes Gedenkgebet

Im Anschluss sprach der 84-Jährige ein eigens für diesen Anlass verfasstes Gedenkgebet. Anklagende Worte gegen bestimmte Tätergruppen verwandte er nicht. Stattdessen betonte er mehrfach die Unzulässigkeit von Gewalt und Hass im Namen der Religion: "Wenn Gott der Gott des Lebens ist - und das ist er -, dann ist es uns nicht erlaubt, die Brüder und Schwestern in seinem Namen zu töten." Der Papst erbat "für uns alle, dass wir über die religiösen Bekenntnisse hinweg in Harmonie und Frieden leben können".

Bei der Fahrt durch das überwiegend christliche Karakosch jubelten Tausende Menschen dem stark gesicherten Konvoi des katholischen Kirchenoberhaupts zu. Die Ankunft verzögerte sich wegen des Gedränges deutlich - auch weil Franziskus zwischendurch anhalten ließ, um Gläubige persönlich zu grüßen.

In Karakosch waren im Sommer 2014 Zehntausende vor allem syrisch-katholische Einwohner vor den Eroberungszügen des IS geflohen. Viele kehrten nach der Befreiung 2016 wieder zurück. Allerdings setzte zuletzt wegen fehlender Perspektiven erneut eine Abwanderung ein. Die Kirche der Unbefleckten Empfängnis ist das größte christliche Gotteshaus des Irak. Es wurde von den Islamisten verwüstet, ist aber inzwischen weitgehend wiederhergestellt.

Am Eingang der Kirche wurde der Papst vom Patriarchen der syrisch-katholischen Kirche von Antiochien begrüßt. Ignatius Youssef III. Younan dankte für den "historischen Besuch, der uns über unsere Qualen hinwegtröstet, uns ermutigt, in unserem Land verwurzelt zu bleiben".

Appell zum Neubeginn

"Unser Treffen hier zeigt, dass der Terrorismus und der Tod niemals das letzte Wort haben", sagte Franziskus bei seiner Ansprache in dem Gotteshaus. "Eure Anwesenheit hier macht deutlich, dass die Schönheit nicht einfarbig ist, sondern in der Vielfalt und in den Unterschieden aufleuchtet", so der Papst an die Christen Karakoschs. Mehrere Gemeindemitglieder berichteten ihm von den Gräueln des Krieges. Er sehe mit Traurigkeit die Zeichen der zerstörerischen Kraft von Gewalt und Hass, sagte er.

"Jetzt ist die Zeit, aufzubauen und wieder neu zu beginnen", so sein Appell. Es brauche die Fähigkeit zu vergeben und zugleich den Mut zu kämpfen. Das sei schwer, aber Gott könne den Frieden bringen: "Wir vertrauen auf ihn, und gemeinsam mit allen Menschen guten Willens sagen wir Nein zum Terrorismus und zur Instrumentalisierung der Religion."

Am Sonntagnachmittag wird Franziskus zu einer Messe mit bis zu 10.000 Gläubigen im Stadion von Erbil erwartet. Der Gottesdienst markiert den Höhepunkt seiner viertägigen Irak-Visite, die am Freitag begann.

Christoph Schmidt und Alexander Pitz
(KNA)

Die neue App von DOMRADIO.DE

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Tageskalender

Radioprogramm

 23.04.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Profanierte Kirche von Deutschem Alpenverein genutzt
  • Frühjahrsvollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken startet
  • Tag des Heiligen Georgs – Schutzpatron der Pfadfinder
  • Welttag des Buches und des Urheberrechts und Tag des deutschen Bieres
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Himmelklar Podcast

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Die ganze Bibel im Ohr! Jetzt spenden!