Papst Franziskus in einer französischen Tageszeitung
Papst Franziskus in einer französischen Tageszeitung
Papst Franziskus, hier während der Generalaudienz
Papst Franziskus spricht während seiner wöchentlichen Generalaudienz in der Halle Paul VI. im Vatikan

22.10.2020

Internationale Reaktionen auf Papstäußerungen zu Homosexualität "Historischer Schritt" oder "päpstlicher Ausfall"?

Die ganze Welt scheint über die Forderung von Papst Franziskus zu diskutieren, homosexuellen Partnerschaften mehr Rechtssicherheit zu bieten. Will der Papst die "Ehe für alle" oder wird er nur falsch verstanden? Die internationalen Medien sind da zwiegespalten.

Während sich die US-amerikanische Bischofskonferenz schon häufig und deutlich gegen jede Form der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ausgesprochen hat, gibt es auch viele prominente Vertreter des liberalen Katholizismus. Einer der bekanntesten Namen ist hier der Jesuit James Martin, der sich seit langem für die Rechte von Schwulen und Lesben in der Kirche einsetzt. In einer Reihe von Tweets hat er die Papst-Aussagen als "historisch" und als einen "Wandel" für die Kirche bezeichnet. Auch wenn Franziskus das Thema Homosexualität schon öfter angesprochen habe, würde er nun homosexuelle Partnerschaften unterstützen, nicht nur tolerieren und tue dies als Papst und öffentlich. Besonderen Fokus legt der Redakteur des "America Magazine" auf die internationalen Auswirkungen: In Ländern wie Polen, wo einige Bischöfe "Anti LGBT" eingestellt seien, oder Uganda, wo sich die Kirche hinter Gesetze stelle, die Homosexualität kriminalisierten, seien die Papstworte ein "Big Deal". Ein großer Schritt.

Polen nicht ungespalten

Dabei wäre es zu kurz gegriffen, auch in Ländern wie Polen alle Reaktionen nur als einförmig kritisch zu sehen. Das polnische Online-Portal Onet hat die Reaktionen im eigenen Land gesammelt: "Dies ist kein guter Weg, um über solche grundlegenden Veränderungen zu informieren, aber man kann sagen, dass es typisch für dieses Pontifikat ist", bewertet der Kolumnist Tomasz Terlikowski die Papstworte ein wenig skeptisch. "Wenn der Papst wirklich eine solche grundlegende Veränderung einführen will, sollte er nicht auf andere Weise als durch einen Dokumentarfilm darüber informieren?"

Als Zuspruch werten liberale polnische Stimmen die Papst-Aussagen, wie zum Beispiel der Parlamentsabgeordnete Michał Szczerba in einem Tweet: "Es muss ein Schock für diejenigen sein, die den Kampf gegen LGBT-Menschen zu einer Grundidee in der polnischen Politik gemacht haben". Wojciech Karpieszuk, Redakteur der Zeitung "Gazeta Wyborcza" fügt hinzu: "Papst Franziskus befürwortet gleichgeschlechtliche Paare. Präsident Duda, hören Sie? Polnische Bischöfe, hören Sie?"

Differenzierte Kritik aus den USA

Als eine der ersten Publikationen hat die "Washington Post" über die Papst-Aussagen berichtet und sieht sie seit langem mal wieder als ein positives Zeichen eines Pontifikates, "das im Großen und Ganzen weniger revolutionär ist, als sich Reformer erhofften und Konservative befürchtet hatten." Die Zeitung gibt zu bedenken, dass die Unterstützung der US-Katholiken für gleichgeschlechtliche Partnerschaften in den letzten Jahren stetig gewachsen sei. Momentan liege diese bei 61 Prozent, wenn sie vor zehn Jahren noch bei 42 Prozent war.

Unter den amerikanischen Bischöfen sieht das aber sicher anders aus, dort gibt es weniger Zustimmung. So wird Thomas Tobin zitiert, Bischof von Providence, Rhode Island: "Die Aussagen des Papstes liegen klar im Widerspruch mit der etablierten Lehre der Kirche." Natürlich müssen die Rechte von Schwulen und Lesben gewährt werden, "eine zivilrechtliche Partnerschaft, die die Ehe imitieren will, ist aber nicht zulässig."

"Päpstliche Ausfälle"

Noch deutlicher wird ein Blogeintrag auf der offiziellen Internetseite der Erzdiözese New York, dort überschreibt Ed Mechmann, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Bistum, seinen Text mit "Wie geht man mit päpstlichen Fehlern um?" Und erläutert, dass es ein weitverbreiteter Irrglaube sei, Katholiken müssten alles unterstützen, was der Papst sage. "Niemand ist fehlerfrei. Aber es bringt uns auch nichts, solche Ausfälle zu ignorieren, wenn sie unterlaufen oder sie wegzuerklären, als würden sie keine Rolle spielen." Anscheinend ist der Text aber im Bistum auch nicht nur auf Gegenliebe gestoßen, da kurz nach der Veröffentlichung bereits unter der Überschrift in einer Notiz betont wird, dass die Meinung des Autors nicht der Meinung der Erzdiözese New York entspreche.

Ein wenig nüchterner geht es die italienische Zeitschrift "La Civitta Cattolica" an, Chefredakteur Antonio Sparado resumiert: "Eigentlich gibt es nichts neues" und betont nochmals, dass der Papst sich zum Thema Homosexualität schon häufiger geäußert habe und auch die zivilrechtliche Partnerschaft schon angesprochen habe. So zitiert den Journalist das Staatsfernsehen Rai

"Das kann die Kirche nicht unterstützen"

Erläuterungen gibt es im gleichen Text vom Bischof von Chieti, Bruno Forte. Der Bischof hat in wichtiger Funktion die Familiensynode 2015 begleitet, die sich auch mit dem Thema Homosexualität befasst hat, und bringt hier das postsynodale Schreiben "Amoris laetita" (2016) ins Gespräch, in dem der Papst klar jede Form der gleichgeschlechtlichen Ehe ausgeschlossen habe. Die Kirche sei zwar "auf der Suche nach einer möglichen Anerkennung der Rechte. (…) Diese Perspektive, die vom deutschen Episkopat - das die Anerkennung des Segens homosexueller Paare sehen möchte - und von mehreren religiösen Gemeinden, einschließlich der amerikanischen Jesuiten, vertreten wird, kann die Kirche nicht unterstützen."

Eine sehr differenzierte Zusammenfassung findet sich in der Irischen Presse, im Kommentar von Michael Kelly vom "Irish Catholic": "Der Papst verteidigt die traditionelle Ehe und setzt sich gleichzeitig für die rechte gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ein. Dieser Standpunkt ist nuanciert, aber in einer Welt, die von Schlagzeilen und Einzeilern geprägt ist, wird das wahrscheinlich nicht ankommen. Die säkulare Kultur wird es als ein Bröckeln des kirchlichen Mauerwerks verstehen, während die Kritiker des Papstes seine Worte als ein weiteres Anzeichen sehen, dass Franziskus bereit ist, bei der Wahrheit Kompromisse einzugehen. Der Papst wird mal wieder missverstanden von denen, die seine Worte nur ideologisch interpretieren.“

Renardo Schlegelmilch
(DR)

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