27.08.2020

Franziskus und Draghi vertreten ähnliche Ziele in Corona-Krise Der Papst und der Banker

Der ehemalige EZB-Chef Mario Draghi und Papst Franziskus ziehen erstaunlich ähnliche Lehren aus der Pandemie. Die Parallelen kommen nicht von ungefähr, wie ein genauerer Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt.

Der eine war oberster Währungshüter Europas, der andere ist Oberhaupt der katholischen Weltkirche. Trotz dieser unterschiedlichen Professionen ziehen sie erstaunlich gleichlautende Schlüsse aus der Corona-Krise. Papst Franziskus und der frühere Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hielten in diesen Tagen viel beachtete Reden zu den Pandemie-Folgen.

Dabei wurde deutlich: Der Mann des Geldes und der Mann der Glaubens vertreten ähnliche Ziele. Beide wollen mehr für die Jugend, die Armen, die Benachteiligten tun. Im Gegenzug sollen Reiche stärker zur Verantwortung gezogen werden. Vor allem in italienischen Medien sorgten die Parallelen zwischen Ökonomie und Theologie, zwischen Finanzwelt und Religion, für einiges Aufsehen. Die Tageszeitung "La Repubblica" titelte: "Die sozialen Lektionen von Franziskus und Draghi".

Draghi spricht bei "Meeting Rimini"

Den Aufschlag machte vor rund einer Woche der Ex-EZB-Chef. Beim prominent besetzten Katholikentreffen in Rimini an der Adriaküste lieferte er den wohl wichtigsten Beitrag der Konferenz. Zentrales Thema der 41. Auflage des "Meeting Rimini" waren die Herausforderungen und Chancen der Corona-Krise. Der 72-Jährige forderte in seiner Rede, die jungen Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen zu stellen.

"Für die Jugend muss mehr getan werden", sagte der Wirtschaftswissenschaftler. Die aktuellen Hilfszahlungen aus europäischen Ländern, darunter nicht zuletzt Deutschland, dienten "dem Überleben, dem Neustart". Aber wenn dieses Geld ausgehe, drohten massive Probleme. "Die durch die Pandemie entstandenen Schulden sind beispiellos und müssen vor allem von den Jungen zurückgezahlt werden", betonte Draghi. "Es ist unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie über alle notwendigen Instrumente verfügen, um dies zu tun." Denn einen jungen Menschen seiner Zukunft zu berauben, sei "eine der schwerwiegendsten Formen" der Ungerechtigkeit.

Der Finanzexperte warnte überdies vor einer lähmenden Unsicherheit: "Sie lähmt unser Handeln und unsere Entscheidungen." Die Phase des Wiederaufbaus nach der Pandemie müsse zwar von "Flexibilität und Pragmatismus" geprägt sein. Allerdings dürfe man ethische Prinzipien nicht außer Acht lassen. Sonst gewinne die Unsicherheit die Oberhand in der Gesellschaft.

Draghi plädierte für die Rückkehr zu einem Wachstum, "das die Umwelt respektiert und den Menschen nicht erniedrigt". Dies sei zu einem "absoluten Imperativ" geworden. Nur eine Wirtschaftspolitik, die Einkommenssicherheit auch für die Ärmsten schaffe, könne den dringend benötigten sozialen Zusammenhalt stärken, lautete sein Fazit.

Papst verfolgt ähnlichen Ansatz

Ein Ansatz, der nahezu deckungsgleich ist mit den Thesen des Papstes. Der referierte - nur einen Tag später - im Apostolischen Palast über seine Vorstellungen zu einer Welt nach Covid-19. Franziskus bekräftigte seine Forderungen nach der Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze, Gemeinwohlorientierung und ökologischer Nachhaltigkeit.

Die Antwort auf die Pandemie müsse "doppelter Art" sein, so das Kirchenoberhaupt. Einerseits gelte es, ein Heilmittel für das Coronavirus zu finden. "Und dann müssen wir noch ein anderes großes Virus heilen: das der sozialen Ungerechtigkeit, der Chancen-Ungleichheit, der Marginalisierung und des mangelnden Schutzes der Schwächsten." Darum seien ethische Kriterien beim Wiederaufbau der Wirtschaft unabdingbar. Es wäre ein "Skandal", wenn die größtenteils öffentlichen Hilfen Unternehmen zugute kämen, die nichts zum Gemeinwohl beitrügen. Eine Forderung, die Draghi tags zuvor fast mit denselben Worten erhoben hatte.

Beide, der Papst und der Banker, sehen in der Krise nicht zuletzt auch die Chance, etwas Neues zu schaffen. So viel Gemeinsamkeit kommt nicht von ungefähr. Draghi macht aus seiner Verbundenheit zum Papst und zur katholischen Kirche keinen Hehl. Bereits 2013 traf der damals noch amtierende EZB-Chef in Privataudienz mit Franziskus zusammen.

Was damals beredet wurde, ist nicht bekannt. Doch das Gespräch, so viel steht fest, muss den Währungsexperten nachhaltig beeindruckt haben. Der Kontakt blieb bestehen. Im vergangenen Juli berief Franziskus den Italiener schließlich in die Päpstliche Akademie für Sozialwissenschaften. Dieser gegenseitige Austausch erweist sich nun als fruchtbar.

Alexander Pitz
(KNA)

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