Stilles Gebet in einer Kirche
Stilles Gebet in einer Kirche
Menschenleerer Petersplatz
Menschenleerer Petersplatz
Urbi et Orbi von Papst Franziskus
Urbi et Orbi von Papst Franziskus

10.04.2020

Der stille Karfreitag in Zeiten der Corona-Pandemie So still wie nie?

Am Karfreitag gedenken Christen des Leidens und Sterbens Jesu. Passt da nicht die durch die Corona-Pandemie vielerorts entstandene Stille gut zum Tag? Der Jesuitenpater und Psychiater Eckhard Frick hat die Antwort.

DOMRADIO.DE: Ausgestorbene Städte, verwaiste Straßen, menschenleere Kirchen: Passen die nicht eigentlich ganz gut zum Karfreitag?

Eckhard Frick (Jesuitenpater, Psychoanalytiker und Psychiater): In gewisser Weise schon. Das alte deutsche Wort "Kar" in Karfreitag heißt ja "kümmern", "Kummer haben" oder "sich kümmern um". Jesus ist derjenige, der bekümmert ist und der sich um diese Welt kümmert. Es ist der Tag der Erlösung, ein stiller Tag. Und vielleicht führt uns die durch Corona erzwungene Einschränkung noch mehr zum Zentrum dieses Tages.

DOMRADIO.DE: Stille hat ja ganz viele Facetten. Sie kann wohltuend sein. Sie kann aber auch zur Toten-, zur Grabesstille werden. Ist das die Stille des Karfreitags? Die Totenstille?

Frick: Mit dem Begriff "Totenstille" verbinden wir vielleicht etwas Starres, Angehaltenes oder Eingefrorenes. Trauer ist an sich etwas anderes. Trauer als ein lebendiger Prozess des Abschiednehmens, der zwar wehtut und schmerzhaft ist, der aber auch neues Leben bringt. Insofern ist es nicht eine Totenstill im Sinne eines Stillstandes, sondern es ist das tiefe Erlebnis einer Passion, einer Leidenschaft. Und das ist ja die Leidenschaft für die Menschen und die Leidenschaft für das Leben.

DOMRADIO.DE: Jesus muss sterben, um von den Toten auferstehen zu können. Er muss da durch. Denken wir vielleicht normalerweise zu schnell, weil wir wissen, dass am Ende an Ostern doch alles gut ausgeht? Zeigt uns der Karfreitag in diesem Jahr vielleicht stärker als sonst die abgrundtiefe Todesangst? In einem Moment großer Ungewissheit, wo wir ja nicht wissen, ob die Corona-Krise am Ende doch noch irgendwie glimpflich ausgeht.

Frick: Ja, das stimmt. Wir haben möglicherweise, vor allem vielleicht wir Katholiken, die Tendenz den Karfreitag einzuklammern und gewissermaßen schon nach Ostern hin zu schielen. Und es stimmt, dass der Karfreitag nicht zu überspringen ist. Er gehört dazu.

Eigentlich wurzelt der christliche Glauben in diesen Jesus, der verloren geht, der stirbt, der nicht mehr so da ist, wie er vorher durch Galiläa gegangen ist. Und aus dieser Trauer heraus über den abwesenden Jesus entsteht auch der Glaube der Kirche. Auch diese Präsenz des Auferstandenen geht über die Trauer und über den Abschied vom Jesus, so wie ihn die Jünger und Jüngerinnen gekannt haben, hinaus.

DOMRADIO.DE: Das waren ja wirklich herzzerreißende Bilder: Papst Franziskus, ganz allein vor einem regennassen und wie leergefegten Petersplatz, der außer der Reihe den Segen "Urbi et Orbi" spricht. Heute wird er den Kreuzweg an den Stufen des Petersplatzes auch ziemlich alleine gehen. In welcher Rolle sehen Sie die Kirche im Moment in dieser Krise?

Frick: Ich höre immer wieder, dass die Menschen beeindruckt sind, wie Papst Franziskus mit der gegenwärtigen Krise umgeht. Und dazu gehören auch diese genannten liturgischen Momente. Er ist da ein sehr stilsicherer Mann und das heißt, er lässt sich leiten von der Art und Weise, wie er das mit Leib und Seele erlebt.

Wir sagen herzzerreißend, ja! Wir können aber vielleicht auch sagen, die Leere des Petersdoms und des Petersplatzes uns auch darauf hinweist, dass all das nicht selbstverständlich ist, was wir kennen. Dass wir dankbar sein dürfen auch für diese Präsenz, die der Papst mit dem Segen und viele Seelsorgenden, die sich kreativ überlegen, was sie für ihre Gemeinden tun können, ermöglichen.

DOMRADIO.DE: Wie ist das bei Ihnen persönlich? Was gibt Ihnen Trost an diesem doch so anderen Karfreitag?

Frick: Ich versuche, mit der Situation in Einklang zu gehen, so wie sie ist. Ich wäre sonst mit einer großen Gruppe in einem Haus zusammen gewesen und wir hätten Kar- und Ostertage und die Liturgie selbstverständlich in einer ganz schönen, vorbereiteten Art und Weise gefeiert. Jetzt ist das alles nicht. Das heißt, ich nehme das als eine Anregung, in die Exerzitien, in die geistlichen Übungen zu gehen und so dem Herrn nah zu sein.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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