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Papst Franziskus

31.03.2020

Das Gebetsanliegen des Papstes für den April Die Fesseln der Sucht lösen

Der Papst betet im April dafür, "dass jene, die unter Suchterkrankungen leiden, Hilfe und Beistand bekommen". Bei den Kranken will er sein - wie einst Jesus, so nun auch der Papst. Ob sein weißes Gewand an den weißen Kittel eines Arztes erinnern kann?

Jedenfalls lädt er uns in diesem Monat ein, im Gebet mitzukommen - in Suchtkliniken, Beratungsstellen und Wartezimmer. Manch einer mag da einwenden: Ist eine Sucht denn wirklich nur eine Krankheit? Sind Süchtige nicht auch selbst schuld an ihrem Zustand? Denn wie fängt Sucht an? Durch Vererbung, oder eher durch das negative Vorbild anderer, mit Sucht behafteter Menschen? Wurde nicht in vielen Fällen irgendwann leichtfertig eine vernünftige Grenze überschritten, und dann kam das Abrutschen und kein Halten mehr!?

Antoine de Saint-Exupery beschreibt im "Kleinen Prinz" das Hamsterrad, in dem sich Süchtige gefangen fühlen: "'Warum trinkst du? - ...Um zu vergessen', antwortete der Säufer. - 'Um was zu vergessen?' - '...dass ich mich schäme' - '...Weshalb schämst du dich?", fragte der kleine Prinz, der den Wunsch hatte, ihm zu helfen. - '...weil ich saufe'", endete der Säufer und verschloss sich endgültig in sein Schweigen."

Ob Alkoholiker, Spieler oder Drogenabhängiger: Wer sich mit seiner Sucht abgefunden hat, ist kaum zu heilen. Chancen hat nur, wer am eigenen Zustand wirklich leidet und etwas ändern möchte. Deshalb fragt Jesus Heilung Suchende zuerst oft: "Was willst du?" Oder: "Willst du gesund werden?" Dieser Arzt, den wir den "Heiland" nennen und der "Dämonen" ausgetrieben hat, zählte auf die innere Bereitschaft des Kranken, sich verwandeln zu lassen und die Krankheit hinter sich zu lassen.

Es ist ein harter Kampf auf Leben und Tod

Wenn Papst Franziskus jetzt in seiner Bitte von "Hilfe und Beistand" schreibt, muss ich an Marga denken. Sie stellte ihren Mann nach langen Kämpfen vor die Entscheidung: "Ich oder die Flasche!" Und sie musste ertragen, dass er sich erst einmal von ihr trennte und buchstäblich in der Gosse landete. Da wachte er auf und fand schließlich zu ihr zurück, trocken. Die Bindung an einen verlässlich Liebenden kann die Fesseln der Sucht sprengen. Es ist ein harter Kampf auf Leben und Tod, den kaum einer allein schafft.

Ein dankbares Gebet sollte deshalb auch all jenen gelten, die in Suchtberatungsstellen, Kliniken, Reha-Einrichtungen und Notschlafstellen viele Misserfolge und Rückschläge erleben und aushalten. Hilfreich sind da sicherlich auch Warnhinweise mit abschreckenden Fotos auf Zigarettenschachteln oder eine Gesetzgebung, die Werbung für Suchtmittel wenigstens eindämmt.

Auf welche tiefere Sehn-Sucht weist das ungesunde Verhalten hin?

Dabei sollten wir uns vor vorschnellem Urteil gegenüber Suchtkranken hüten. "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!", sagt Jesus, der uns alle in die richtige Richtung bringen will (Mt 7,1). Denn selbst wenn wir uns selbst nicht für suchtkrank halten, werden wir vielleicht auch in uns gefährliche Ansätze entdecken, die es zu beobachten gilt und gegen die auch wir "Hilfe und Beistand" brauchen.

Wir werden in unserem Beten vielleicht neu spüren, dass eine entschiedene Bindung an die bedingungslose Liebe, die wir "Gott" nennen, die beste Prävention gegen alles Suchtverhalten ist. Sie kann uns stabilisieren gegen maßloses Begehren und die ständigen Wünsche nach "Genuss sofort". Und vielleicht kann im Gebet die tiefere Frage aufkommen: Was sucht Sucht eigentlich? Auf welche tiefere Sehn-Sucht weist das ungesunde Verhalten hin?

"Allein Gott genügt" - diese schlichte wie tiefgründige Erfahrung fand man nach ihrem Tod auf einem kleinen Zettel im Gebetbuch der späteren ersten Kirchenlehrerin Theresa von Avila. Vielleicht ist dieser Satz manchem eine Stütze in der Versuchung. Viele wird auch stärken, was wir gerade jetzt im April an Ostern weltweit feiern: dass Leiden ins Leben führen kann, Verzichten ins Glück und dass sogar einem totalen Scheitern "Auferstehung" folgen kann.

Beratung zu Suchtproblemen finden Sie auf der Seite der Caritas im Erzbistum Köln.

Gerhard Dane
(KNA)

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