Eine Frau steht alleine an einem Absperrgitter auf dem Petersplatz in Rom
Eine Frau steht alleine an einem Absperrgitter auf dem Petersplatz in Rom
Tourist mit Mundschutz in der Kirche Sant'Andrea delle Fratte
Tourist mit Mundschutz in der Kirche Sant'Andrea delle Fratte

06.03.2020

Italiens Corona-Krise und ihre Folgen für Rom-Touristen Geschlossene Bars und ein nahezu leerer Petersdom

Auch wenn der Grund ernst ist, wäre ein Rom-Besuch selten günstiger als in diesen Tagen. Vorfrühlingswetter, keine Schlangen vor Museen, günstige Hotel-Preise. Die Corona-Krise hat Italiens Hauptstadt fest im Griff.

Am Donnerstagabend erreichte das Coronavirus auch den Vatikan. In der Ambulanz des Kleinstaates im Herzen Roms sei ein Patient positiv auf das Coronavirus getestet worden, teilte Vatikansprecher Matteo Bruni mit. Man habe die italienischen Behörden informiert und stehe weiter mit ihnen in Kontakt. Mittags dann auch der tägliche Papst-Tweet zum Thema: "Ich möchte erneut den am #Coronavirus Erkrankten und den medizinischen Fachkräften, die sie pflegen, meine Nähe ausdrücken." 

 

Kurz zuvor wurde bekannt, dass die Apostolische Bibliothek und die Archive wegen der Epidemie in der kommenden Woche geschlossen bleiben. Am Montag erst hatte man unter internationaler Beobachtung die Akten zu Pius XII. geöffnet.

Das öffentliche Leben in der Ewige Staat ist lahmgelegt. Bereits am Montag verschickte Italiens Fluggesellschaft Alitalia beinahe flehentlich klingende Werbemails: "Don't stop flying - Italy keeps moving and we keep flying". An Roms Flughäfen herrscht dennoch gähnende Leere.

Verkehrsprobleme wie von selbst aufgelöst

Wer trotzdem kommt, erlebt Erstaunliches. Seitdem am Donnerstag die Schulen landesweit geschlossen wurden und die Eltern ihre Sprösslinge zuhause betreuen müssen, haben die Staus in Rom deutlich abgenommen.

Am Trevi-Brunnen gibt es kein Gedränge mehr. Statt mehr als zwei Stunden müssen Besucher nur noch fünf bis zehn Minuten auf den Einlass in den Petersdom warten. Bessere Zeiten für Rom-Touristen gab es wohl selten.

In der altehrwürdigen Kirche verlieren sich Touristen und Pilger fast. Wie in allen Gotteshäusern Italiens sind auch hier die Weihwasserbecken geleert. "Binnen einer Woche sind die Besucherzahlen eingebrochen", sagt einer der Aufseher. "Um 80 bis 90 Prozent", schätzt er. Allein in dieser Woche hätten über 800 Gruppen abgesagt.

Petersdom noch offen

Auch die Vatikanischen Museen, neben dem Petersdom größter Touristenmagnet des Vatikan - und eine von dessen wichtigsten Finanzquellen - spüren den Besucherrückgang. Beziffern will man ihn nicht. Besondere Schutzmaßnahmen gibt es keine, die Verantwortlichen setzen darauf, dass Besucher die von Italiens Regierung erlassenen Maßnahmen einhalten: Mindestabstand von einem Meter, kein Händeschütteln oder Umarmen.

Während in der Stadt Vernissagen abgesagt werden - bis auf die der großen Raffael-Ausstellung im Quirinal -, bietet die Schatzkammer des Petersdoms freien Eintritt. "Die wirtschaftlichen Folgen werden viel schlimmer sein als die des Virus selbst", sagt der Mann an der Kasse des Souvenirshops und verdreht die Augen.

Einbußen für Tourismus

Bereits jetzt wird der wirtschaftliche Schaden für Handel und Tourismusgewerbe in Rom auf rund 800 Millionen Euro geschätzt. Hotels schließen ihre Bars abends, um Personalkosten zu sparen. Die sonst allgegenwärtigen Restaurant-Werber sowie Selfiestick- und Schalverkäufer rund um den Vatikan machen sich rar. An Taxi-Ständen stehen Wagen in Doppelreihe.

Den bisherigen Touristenschwund hält Carlo Cafarotti, Experte für Handel und Tourismus in Rom, für nicht so tragisch. Problematisch nannte er Absagen, die im März und April erfolgen, zitiert ihn die Zeitung "Il Tempo". Bisher relativ stabil seien die Zahlen deutscher Touristen, so Cafarotti.

Sorge um Karwoche und Ostertage

Unterdessen blicken Kirchenvertreter mit Sorgen auf die Karwoche und die Ostertage: Mit dem Palmsonntag beginnt am 5. April die Hochsaison der Rom-Pilger. Keiner mag sich derzeit ausmalen, was passiert, wenn der Ausnahmezustand im Land bis dahin anhält. Ruhe zu bewahren ist erste Bürgerpflicht. Staatspräsident Sergio Mattarella rief seine Landsleute per Fernsehansprache am Donnerstagabend auf, "Vertrauen zu haben und sorgfältig den Hinweisen der Regierung zu folgen".

Kein Friedensgruß, keine Mundkommunion

Das tun auch die Bischöfe des Landes: in der Messe einen Meter Abstand zum Banknachbarn, kein Friedensgruß, keine Mundkommunion. Die Päpstlichen Universitäten in Rom sind wie andere Einrichtungen vorübergehend geschlossen. Die Opus-Dei-Hochschule Santa Croce will ab Montag mittels Computer und Internet Fern-Unterricht anbieten. "Das scheint mir - bei allem - eine gute Nachricht", so ihr Sprecher, "und für eine päpstliche Universität ziemlich fortschrittlich".

Von Roland Juchem
(KNA)

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