Archivbild: Papst Franziskus hält sich den Kopf.
Archivbild: Papst Franziskus hält sich den Kopf.
Bischöfe aus Florida, Georgia, North Carolina und South Carolina während ihres Ad-limina-Besuchs bei Papst Franziskus
Bischöfe aus Florida, Georgia, North Carolina und South Carolina während ihres Ad-limina-Besuchs bei Papst Franziskus

24.02.2020

Streit über anonyme Gerüchte nach US-Bischofsbesuch im Vatikan Kann der Papst mit seinen Bischöfen noch offen sprechen?

Hat sich Papst Franziskus vor US-Bischöfen negativ über den Jesuiten und Schwulen-Lobbyisten James Martin geäußert? Kirchenvertreter hatten das Gerücht anonym gestreut. Nun widersprechen zwei Teilnehmer - mit Klarnamen.

Es ist eins von diesen Kirchenwörtern: Etwa alle fünf bis sieben Jahre reisen die Bischöfe nationaler Bischofskonferenzen zu sogenannten Ad-limina-Besuchen in den Vatikan. Das lateinische "ad limina apostolorum" bedeutet "zu den Schwellen der Apostelgräber", also von Petrus und Paulus. Das klare Ziel hinter der komplizierten Formel ist, dem Papst und der römischen Kirchenleitung über die Situation in den jeweiligen Heimatländern zu berichten.

Weniger Spenden aus der USA an den Vatikan

Nun hat die katholische Kirche in den USA aber knapp 470 Bischöfe; die US-Bischofskonferenz ist damit die drittgrößte weltweit, nach Italien und Brasilien. In den vergangenen rund drei Monaten empfing Papst Franziskus die US-Bischöfe also in insgesamt 15 Tranchen. Mitunter dauern die Begegnungen zwei Stunden und mehr.

Und es gab ja auch eine Menge zu besprechen. In den vergangenen Jahren hat es mehrfach Spannungen zwischen Franziskus, Kurienvertretern und US-Bischöfen gegeben. Sie betrafen etwa den Umgang mit der Missbrauchskrise, die politische Ausrichtung von Franziskus sowie Kritik an vatikanischem Finanzgebaren. All diese Probleme führten dem Vernehmen nach auch zu weniger Spenden aus den Vereinigten Staaten an den Vatikan.

Kirchliche Reizthemen und "Statements" von Franziskus

Die 13. Besucher-Tranche vom 10. Februar mit den Bischöfen aus New Mexico, Arizona, Colorado, Utah und Wyoming sorgt nun im Nachhinein für spürbare Missklänge. Es geht, wie so oft, um ein kirchliches Reizthema. Am Donnerstag, also zehn Tage später, veröffentlichte das katholische US-Portal CNA mehrere anonyme Aussagen von Teilnehmern, nach denen sich der Papst hinter verschlossenen Türen erbost über den US-Jesuiten James Martin geäußert habe. Martin macht sich publizistisch und als Seelsorger für Schwule und Lesben in der Kirche stark - und war Ende September von seinem Ordensbruder Franziskus im Vatikan empfangen worden.

Kurz zuvor hatte der konservative frühere Erzbischof von Philadelphia, Charles Chaput, Martin in einer Kolumne scharf attackiert und ihm abgesprochen, mit Vollmacht der Kirche zu agieren. Kurz darauf das Treffen Martins mit dem Papst. Das Jesuiten-Magazin "America" schrieb, allein die Tatsache der Begegnung sei "ein Statement" von Franziskus gewesen.

Nun aber soll dieser vor den US-Bischöfen schlecht über Martin gesprochen haben. Eine der anonymen Quellen wird von CNA mit den Worten zitiert: "Die Stimmung des Heiligen Vaters war sehr klar. Er war höchst verärgert über das ganze Thema von Pater Dr. Martin und wie ihre Begegnung benutzt wurde. Er war sehr expressiv, sowohl seine Worte als auch sein Gesicht. Seine Wut war sehr deutlich, er fühlte sich ausgenutzt."

Instrumentalisierung des Treffens

Seltsam: Erzbischof John Wester von Sante Fe im Bundesstaat New Mexico hat nichts dergleichen wahrgenommen. Er veröffentlichte am Wochenende über das Portal "National Catholic Reporter" seine Sicht auf die knapp dreistündigen Gespräche mit Franziskus. Es sei nicht seine Aufgabe, in dieser Angelegenheit für den Papst zu sprechen, schreibt Wester einleitend. Er wolle aber darstellen, dass seine Erinnerung eine sehr andere gewesen sei.

Der Erzbischof führt aus, Martins Engagement sei nur ein kleines Randthema gewesen - und weder dort noch an anderer Stelle habe der Papst verärgert gewirkt oder sich geäußert. Das Thema Martin habe auch nicht Franziskus selbst angesprochen. Die Formulierung "wie die Begegnung [vom 30. September] benutzt wurde" nennt Wester "irreführend". Der Papst habe vielmehr den Eindruck vermittelt, dass manche Bischöfe offenbar versucht hätten, das Treffen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Auch andere anonym zitierte Bemerkungen seien nach seiner Erinnerung so nicht gefallen.

Am Samstagabend (Ortszeit) erhielt der Erzbischof von Sante Fe Unterstützung von Steven Biegler, Bischof von Cheyenne/Wyoming. Westers Ausführungen seien sehr präzise und zutreffend und das Treffen mit dem Papst "ein herzliches, offenes und ermutigendes Gespräch" gewesen.

Ad-limina-Besuche, sofern sie konfrontativ verliefen, fielen bislang unter das Siegel vertraulich. Doch angesichts wachsender Polarisierungen in Gesellschaft und Kirche scheint sich auch hier das Prinzip des Durchstechens Bahn zu brechen. Kann der Papst so mit seinen Bischöfen künftig noch offen sprechen? Der italienische Jesuit und Publizist Antonio Spadaro jedenfalls warnte am Sonntag via Twitter: "Im kirchlichen Journalismus gibt es keinen Platz für die Verwendung nicht überprüfter Behauptungen durch anonyme Quellen, um Menschen ihren guten Ruf abzuschneiden."

Alexander Brüggemann
(KNA)

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