Schlammlawine nach einem Dammbruch in Brasilien
Schlammlawine nach einem Dammbruch in Brasilien
Papst Franziskus
Papst Franziskus

25.01.2020

Papst erinnert an Bergbaukatastrophe von Brumadinho "Gemeinsames Haus reparieren"

​Ein Jahr nach dem Dammbruch von Brumadinho in Brasilien hat Papst Franziskus an die rund 270 Todesopfer erinnert und Konsequenzen im Bergbau verlangt. Er beklagte auch die Verschmutzung des gesamten Flusssytems.

Franziskus bete für die unter der Schlammlawine Begrabenen, sagte er in einer am Samstag verbreiteten Videobotschaft. Zugleich beklagte er die Verschmutzung des gesamten Flusssystems. Er bitte Gott um Hilfe, "unser gemeinsames Haus zu reparieren und zu schützen", sagte der Papst.

Beträchtliche ökologische Schäden

Am 25. Januar 2019 war der Damm eines Absetzbeckens bei einem Minenbetrieb im Bundesstaat Minas Gerais gebrochen. Die Schlammlawine verwüstete die Region um die Kleinstadt Brumadinho. Neben den direkten Folgen für die Betroffenen richtete das Unglück beträchtliche ökologische Schäden an. Bereits im November 2015 hatte sich ein ähnlicher Dammbruch bei einem Eisenerzbergwerk in der Region ereignet. Damals kamen 19 Menschen ums Leben.

Die Ermittlungen hätten ergeben, dass Vale und TÜV Süd eng zusammenarbeiteten, um die inakzeptable Sicherheitslage mehrerer Dämme vor den Behörden, der Gesellschaft, den Aktionären und den Investoren zu verbergen, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. TÜV Süd habe Vale dabei geholfen, sein Image als sicheres Bergbauunternehmen zu pflegen, um seine Reputation und seinen Marktwert nicht zu gefährden.

TÜV war Risiko bekannt

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft wurde das Sicherheitszertifikat ausgestellt, obwohl dem TÜV der schlechte Zustand der Anlage und das Risiko bewusst waren. Ein verantwortlicher Prüfer hatte in Vernehmungen erklärt, sich von Vertretern des Minenbetreibers Vale unter Druck gesetzt gefühlt zu haben.

Die Anwälte von drei angeklagten Mitarbeitern von TÜV Süd wiesen die Vorwürfe zurück. Die Anklage enthalte grobe Fehler und interpretiere die Beweise völlig falsch, zitierte die Zeitung «Folha de S. Paulo» aus einem Schreiben der Verteidiger. Vor allem der Mordvorwurf sei überzogen und widerspreche den einfachsten Regeln des Strafrechts.

Protestmarsch nach Brumadinho

Die Behörden in Brasilien standen auch mit Blick auf den ersten Jahrestag des Unglücks an diesem Samstag unter großem Druck, tätig zu werden. Mitglieder des "Movimento dos Atingidos por Barragens" (MAB, Bewegung der von Staudamm Betroffenen) sind derzeit auf einem 300 Kilometer langen Protestmarsch von Belo Horizonte, der Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais, nach Brumadinho, wo es zu dem Dammbruch gekommen war. Sie protestieren gegen Langsamkeit der Justiz und Verantwortungslosigkeit von Vale.

Am Samstag wollen sie in Brumadinho ankommen. Für diesen Tag haben verschiedene Organisationen weitere Aktionen geplant. "Das wird ein Moment des Kampfes sein", sagte Rodrigo Vieira, Koordinator der Caritas in Minas Gerais, der Deutschen Presse-Agentur. "Es muss Gerechtigkeit geben."

(KNA, dpa)

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