Papst Franziskus
Papst Franziskus

16.01.2020

Publizist: Papst nimmt interne Opposition gelassen " Es gibt immer jemanden, der dagegen ist"

​Papst Franziskus sieht die interne Opposition konservativer Kreise im Vatikan offenbar nicht als gravierendes Problem. Dies geht aus einem Text des Ex-Chefredakteurs der Tageszeitung "La Repubblica", Eugenio Scalfari, hervor. 

Scalfari besucht Papst Franziskus immer wieder zu langen Gesprächen im Vatikan und berichtet darüber aus seiner persönlichen Erinnerung. Nach einem am Donnerstag publizierten Bericht Scalfaris antwortete Franziskus auf die Frage nach seinem Empfinden angesichts einer Gruppe von Kritikern, in einer Organisation mit Hunderten Millionen Menschen weltweit gebe es immer jemanden, der dagegen sei.

 

 

Ähnlich hatte Franziskus bereits im September bei einer Pressekonferenz mit Blick auf den Unmut konservativer US-amerikanischer Kreise gesagt, Kritik gebe es "ein bisschen von überall her, auch in der Kurie". Grundsätzlich begrüße er Einwände; allerdings müsse Widerspruch offen und konstruktiv sein.

Solidaritätsadresse an Franziskus

Wie aus der Darstellung Scalfaris weiter hervorgeht, sandte Benedikt XVI. bereits am Montag, einen Tag nach Erscheinen eines Vorabdrucks aus einem als papstkritisch gedeuteten Buch von Kurienkardinal Robert Sarah, eine Solidaritätsadresse an Franziskus, in der er sich von Sarah distanzierte.

Der Band "Aus den Tiefen unserer Herzen" über Priestertum, Zölibat und "die Krise der katholischen Kirche" enthält auch einen Beitrag des emeritierten Papstes. Benedikt XVI. erklärte jedoch laut Scalfari in seiner Botschaft an Franziskus, er habe nie der Angabe seines Namens als Mitautor des Buches zugestimmt. Der Privatsekretär Benedikts XVI., Erzbischof Georg Gänswein, verbreitete auf Anfrage am Dienstag ein entsprechendes Dementi.

Die Glaubwürdigkeit der von Scalfari wiedergegebenen Papst-Äußerungen stand in den vergangenen Jahren wiederholt zur Debatte. Mehrfach hatte er Franziskus Aussagen zugeschrieben, die der katholischen Lehre widersprechen. Der inzwischen 95-jährige Scalfari stützt sich bei seiner Arbeit weder auf Tonaufzeichnungen noch auf Notizen, sondern rekonstruiert die Gespräche aus seiner persönlichen Erinnerung.

(KNA)

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