Buddhistische Mönche
Buddhistische Mönche

19.11.2019

Buddhismus im abergläubischen Thailand Synkretismus, kleines b und großes B

Der Besuch von Papst Franziskus im mehrheitlich buddhistischen Thailand wird auch vom interreligiösen Dialog geprägt sein. Eine reine Form des Buddhismus findet sich im abergläubischen Thailand aber kaum.

Thailand ist ein buddhistisches Land. Weiß man doch. Aber ein Spaziergang durch die Gassen Bangkoks rund um die königliche Tempelanlage Grand Palace und Besuche der Läden mit religiösen Accessoires in den Tempeln ist für viele westliche Besucher dann doch verwirrend. Neben Buddha-Statuen und lebensecht wirkenden Figuren berühmter, wundertätiger Mönche bevölkert in grell-kitschigen Farben von Ganescha bis Kali das gesamte hinduistische Götterpanoptikum die Regale.

Auf einem Markt für Amulette nahe dem Königspalast verkauft Khun Mek mit Tigerfell bezogene Stifte, Amulette mit toten Bienen und gruseligem Getier wie einem vertrockneten Minibabyschwein oder Schlangenhaut; und Shivalingas: stilisierte Phallen aus Metall oder Holz als Symbol des Hindu-Gottes Shiva.

All diese Dinge versprechen Glück, Wohlstand, langes Leben oder Schutz vor bösen Geistern; "man muss nur daran glauben", erklärt Khun Mek. Dann gibt der 27-Jährige einen erleuchtenden Einblick in den synkretistischen Buddhismus Thailands: "Alle Talismane und Amulette wurden natürlich von buddhistischen Mönchen gesegnet."

Synkretismus

Synkretismus bezeichnet laut Lexikon die Synthese von Ideen oder Philosophien zu einem neuen System oder Weltbild. Übertragen auf Thailand heißt das: Der Buddhismus ist eine fröhliche Mischung mit Hinduismus als Vorläuferreligion im heutigen Thailand und Animismus.

Eine Gruppe buddhistischer Mönche kauft auf dem Devotionalienmarkt im Wat (Tempel) Saket säckeweise Amulette ein, um sie in ihren Klöstern für einen satten Aufpreis weiterzuverkaufen. Sie feilschen mit den Händlern um den besten Preis. Ebenfalls sehr lukrativ für die Mönche: Wahrsagen. Thais sind zutiefst abergläubisch. Ohne die frommen Männer zu befragen, wird in Thailand kein Lotterielos gekauft, keine Investition getätigt, keine Ehe eingegangen.

Aberglaube ist dabei kein exklusiver Wesenszug der Buddhisten, sondern unter den Anhängern aller Religionen in Thailand lebendig.

"Viele Katholiken werden in diesem Tagen nur Lotterielose kaufen, in denen die Zahlen und Ziffern auf dem Nummernschild des Papstmobils oder die Daten des Papstbesuchs vorkommen", sagt der Arzt Kumnuan Ungchusak der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

"Wer oder was ist ein Papst?"

Während sich Thailands rund 350.000 Katholiken auf Papst Franziskus freuen, ist den meisten buddhistischen Thais der Besuch des Kirchenoberhaupts bestenfalls egal. Auf die Frage an den Mönch Luang Pi Sitti Chai im Saket-Tempel, was er vom Papst erwarte, antwortet der 32-Jährige mit einer Gegenfrage: "Wer oder was ist ein Papst?"

Immer wieder geraten buddhistische Mönche in Thailand durch Skandale in die Schlagzeilen: Korruption, Hedonismus, Sexaffären, Geldwäsche oder Geschäftemacherei. Mano Mettanando Laohavanich, ehemaliger Mönch und Dozent an der Thammasat-Universität in Bangkok, klagt: "Würde Buddha noch leben, würde er solche Mönche verurteilen."

Für den in Bangkok lebenden buddhistischen Philosophen und Sozialkritiker Sulak Sivaraksa gibt es einen thailändischen Buddhismus mit einem großem B und einem kleinen b: "Der mit dem kleinen b folgt den Lehren Buddhas der Gewaltlosigkeit und Bescheidenheit. Buddhismus mit einem großen B ist dem Kapitalismus und dem Nationalismus verbunden. Wenn Buddhismus, wie hier in Thailand, institutionalisiert wird, dann ist schnell die Verbindung zu Staat, Macht und Nationalismus hergestellt."

Khun Amorn ist der Spiel- und Trunksucht verfallen, also Lastern, die einem Buddhisten mit kleinem b ein Graus sind. Alle paar Monate aber rasiert sich der 52-jährige den Kopf kahl, schlüpft in eine safrangelbe Robe und zieht sich für eine Weile in ein Kloster zurück. Der Tempelaufenthalt dient nicht etwa der inneren Einkehr, wie Amorn grinsend erklärt: "Im Tempel lassen mich meine Gläubiger in Ruhe."

Michael Lenz
(KNA)

Adventskalender

Messenger-Gemeinde

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 12.12.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Kleine Gemeinde Sankt Ingbert empfängt Bundespräsident Steinmeier
  • Kölner Erzbischof besucht die Philippinen
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…