Vorfreude in Bangkok auf den Papst - hier noch als Pappaufsteller.
Vorfreude in Bangkok auf den Papst - hier noch als Pappaufsteller.

18.11.2019

Pfarrer in Bangkok über den anstehenden Papstbesuch "Ein guter Zeitpunkt, dass der Papst jetzt kommt"

Der Papst besucht in dieser Woche Thailand. Dort leben die Christen als Minderheit – meist in sehr konservativen Strukturen. Was der Besuch für die Gläubigen vor Ort bedeutet, erklärt der Pfarrer der Deutschen Gemeinde St. Marien in Bangkok.

DOMRADIO.DE: Der Papst kommt nach Bangkok. Inwiefern ist das denn Thema bei Ihnen im Land oder in der Gemeinde?

Jörg Dunsbach (Pfarrer der Deutschen Gemeinde St. Marien in Bangkok): In der Gemeinde ist es auf jeden Fall ein Thema. Wir sind hauptsächlich deutschsprachige Katholiken, aus Österreich, der Schweiz und aus der Bundesrepublik, plus andere, die sich dem deutschen Sprachraum zugehörig fühlen. Also alle, die sich hier für unsere Gemeinde interessieren, sind auch interessiert an dem Papstbesuch. Und wir sind eine ziemlich große Gruppe, auch ökumenisch sehr stark durchmischt, die beim Papstbesuch den Gottesdienst mitfeiern wird. Da sind wir jetzt hundert. Das sind ziemlich viele. Ansonsten ist das in Thailand oder in Bangkok weniger ein Thema. Wer den Papst kennt, der freut sich natürlich. Für die anderen ist das eher unbekannt.

DOMRADIO.DE: Der Papst bekommt für seinen Besuch unter anderem auch Messgewänder mit traditionell thailändischer Symbolik. Wie unterscheidet sich denn das katholische Leben in Bangkok von dem bei uns?

Dunsbach: Die katholische Thai-Kirche ist sehr konservativer. Die thailändische Kirche zeigt sich hier als Minderheit, und da hat sie zwei Möglichkeiten, hier zu überleben. Entweder passt man sich einfach den Gepflogenheiten an und versucht sich irgendwie durchzuwurschteln. Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass man sein eigenes Profil verliert.

Die Thai-Kirche hat sich hier für einen anderen Weg entschieden. Sie schärft als Minderheit so stark ihr Profil, dass sie auch inner-katholisch ein sehr traditionsbewusstes Bild abgibt - nicht traditionalistisch, aber sie forciert und setzt schon sehr stark Regeln um. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass jemand, der kein Christ oder Katholik ist und entsprechend in den Kirchen auffällt, dann, wie das ganz früher war, nach dem Teil des Wortgottesdienstes die Kirche verlassen muss. Das habe ich hier selber schon erlebt. Das heißt, das Bild, das die thailändische Kirche abgibt, ist sehr stark auf Rom zentriert und sehr konservativ.

DOMRADIO.DE: Das Land hat eine turbulente Zeit hinter sich nach dem Militärputsch 2014. Jetzt im Frühjahr gab es die ersten richtigen Wahlen. In was für ein Land kommt da der Heilige Vater?

Dunsbach: Es ist ein guter Zeitpunkt, dass der Papst jetzt kommt. Die Unruhen haben das Land stark gebeutelt. Zum Teil waren sie sehr blutig und führten zur Lähmung der gesamten Stadt und endeten dann im Militärputsch. Dann ist auch noch der König gestorben. Bis der neue König inthronisiert war und dann die Wahlen stattfanden, das war schon eine ziemlich lange Zeit der Konsolidierung. Insofern ist das Land jetzt zumindest ruhig und bereit, auch so einen großen Gast zu empfangen.

Die politischen Schwierigkeiten, auch Menschenrechtsfragen und all die Dinge, die in Thailand auch noch auf der Agenda stehen und gelöst werden müssen, können jetzt nach und nach angegangen werden. Ich wünsche wirklich allen Beteiligten, dass sie in einem gerechten, menschenwürdigen, nachhaltigen und zukunftsorientierten Nachdenken dazu führen, die Probleme hier in Thailand nicht nur zu benennen, sondern auch Lösungen zu finden und diese dann umzusetzen. Dazu kann der Papstbesuch tatsächlich beitragen.

DOMRADIO.DE: Inwiefern?

Dunsbach: Papst Franziskus wird sicherlich wie auch vor zwei Jahren in Myanmar die Probleme nicht direkt benennen, weil dadurch die Verantwortlichen in der Öffentlichkeit hier das Gesicht verlieren würden. Das Gesicht zu verlieren, ist in Asien ein absolutes No-Go. Deshalb wird der Papst von anderen Dingen sprechen, die zukunftsweisend und nachhaltig sind. Er wird davon sprechen, dass es gut ist, dass Menschen sich miteinander versöhnen. Er wird darüber sprechen, dass es gut ist, Wege zu finden, wo Menschen einen gerechten Lohn finden. Er wird darüber sprechen, dass Menschen, die auf der Flucht sind, auch menschenwürdig behandelt werden müssen und anerkannt werden müssen. Diese Botschaft wird er verbreiten. Damit spricht er die Probleme nicht direkt an. Aber er liefert schon Lösungen. Und mit dieser Vorgehensweise können alle gut leben.

DOMRADIO.DE: Die Katholiken sind eine kleine Minderheit von 0,5 Prozent. Sie haben aber trotzdem eine lange Tradition, 350 Jahre. Das feiert auch dieser Papstbesuch. Was erhoffen sich die Katholiken denn vom Papst?

Dunsbach: Die Katholiken hier im Land, insbesondere die Thailänder, werden sich sehr darüber freuen, dass der Papst zu ihnen kommt. Das ist zunächst einmal das erfüllte Versprechen, das Franziskus zu Beginn seiner Amtszeit gegeben hat, dass er nämlich als Missionar die Kirchen Asiens noch einmal besonders stärken und in den Blick nehmen will. Das ist zum Teil dadurch geschehen, dass mehrere Kardinalsernennungen im pazifisch-asiatischen Raum erfolgt sind.

Das ist auch dadurch noch einmal Realität geworden, dass er auch hier schon mehrfach in Asien zu Besuch war. Ich erinnere mich sehr gut an den Besuch in Myanmar. Das, was er dort gesagt hat, ging mir selber unter die Haut, weil ich die Situation der Kirche dort vor Ort auch als Minderheitskirche kenne. Die wesentliche Aussage des Papstes beim Gottesdienst war: "Habt keine Angst, ihr seid eine kleine Gemeinde, aber in euch ist Christus lebendig." Das hat den Menschen dort die Tränen in die Augen getrieben, und mich hat es auch sehr stark berührt. Und das hat allen, die sich zur Kirche zugehörig fühlen, viel Mut gemacht und viel Kraft gegeben. Nochmal dahin zurückzukehren, wo sie herkamen, das wird auch hier in Thailand so sein. Denn auch hier leben die Christen als Minderheit in einem asiatisch geprägten Land mit einem großen buddhistischen, hinduistischen Hintergrund. Sie müssen als Minderheit wirklich mit ihrem Glauben leben und mit Freude den Glauben verkünden und versuchen, im eigenen Leben umzusetzen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch. 

(DR)

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