Papst Franziskus feiert die Messe in Antananarivo
Papst Franziskus feiert die Messe in Antananarivo
Papst Franziskus auf Mauritius
Papst Franziskus auf Mauritius
Papst Franziskus feiert die Messe in Antananarivo in Madagaskar
Papst Franziskus feiert die Messe in Antananarivo in Madagaskar
Menschen in Regenkleidung warten auf Papst Franziskus
Menschen in Regenkleidung warten auf Papst Franziskus

10.09.2019

Afrika feiert Franziskus als "Pilger des Friedens" Der Papst geht, die Hoffnung bleibt

"Der Besuch von Franziskus in Mosambik wird noch viele Jahre in Erinnerung bleiben", meint eine Radiomoderatorin in Maputo - und spricht damit wohl vielen aus dem Herzen. Was aber bleibt von einer Woche Papst in Afrika?

Ein tropischer Bergwald, davor die kalkweiße Muttergottes: Am Heiligtum Marie Reine de la Paix auf Mauritius stehen die Gläubigen dicht an dicht. Sie hocken auf Dächern und in Baumkronen, um einen Blick auf den Papst zu erhaschen. Auf Madagaskar schlafen sie bei zwölf Grad im Freien, übernachten in Zelten, um bloß rechtzeitig zur Papstmesse zu kommen. Die Bilder gingen in den vergangenen Tagen um die Welt - und wurden zum Sinnbild für die Hoffnung, die Papst Franziskus nach Südostafrika brachte.

Papst hat "den Nagel auf den Kopf getroffen"

"Die Mosambikaner sind zufrieden mit dem Besuch und vor allem mit der Botschaft, die uns der Papst hinterlassen hat", sagt Nelson Moda, Mitarbeiter der Gemeinschaft Sant'Egidio in Mosambik, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Mit seiner Aufforderung an unsere Politiker, den Frieden zu respektieren, hat er den Nagel auf den Kopf getroffen."

In dem Land herrschte von 1977 bis 1992 Bürgerkrieg. Nach Jahren der Unsicherheit unterzeichneten Regierung und Opposition im August erneut ein Friedensabkommen; im Oktober soll gewählt werden. Daneben lobt Moda die Botschaften des Papstes an Mosambiks Jugend und die Kirche. Vielen habe er Hoffnung gegeben, etwa beim Besuch des HIV/Aids-Projekts DREAM in Maputo.

Besuch wird lange in Erinnerung bleiben

"Der Besuch von Papst Franziskus in Mosambik wird noch viele Jahre in Erinnerung bleiben", meint auch Sheila Pires, Radiomoderatorin in Südafrika und gebürtige Mosambikanerin. Er habe "nicht davor zurückgeschreckt, die Wahrheit zu sagen", als er die hohe Armutsrate trotz Mosambiks Kulturen- und Umweltreichtums anprangerte. "Damit hat er definitiv einen Samen ausgesät. Wir hoffen zudem, dass seine Treffen mit Politikern den Weg zu freien und fairen Wahlen ebnen, bevor die Mosambikaner nächsten Monat an die Urne gehen."

Auch auf Madagaskar wandte sich Franziskus an die Politiker, und zwar mit einer Kampfansage an Korruption, Spekulation und Umweltzerstörung. "Wir sahen, wie die Gesichter aufleuchteten", berichtete ein Pilger von der Nachbarinsel La Reunion dem Portal Clicanoo. Mit "ergreifenden Worten" habe der Papst zu einer Nation gesprochen, die viele angesichts von Armut und politischen Krisen bereits aufgegeben hatten.

Auch Ketakandriana Rafitoson, Direktorin von Transparency International auf Madagaskar, zeigt sich beeindruckt von den "starken Aussagen" des Papstes. Nicht nur habe er die Machthaber daran erinnert, dass sie eigentlich den Schwächsten der Gesellschaft dienen und Korruption widerstehen sollten. Er habe auch den Geist seiner Enzyklika "Laudato si" wiederbelebt, um etwa die Entwaldung auf der Tropeninsel anzuprangern. "Seine Botschaft war nicht neu. Doch die Tatsache, dass einer der einflussreichsten Anführer dieser Welt im Namen des madagassischen Volkes sprach, macht einen gewaltigen Unterschied."

Religionen näher zusammengerückt

Franziskus' Afrika-Reise ließ auch die Religionen näher zusammenrücken. In Mosambik sprach er bei einem interreligiösen Treffen unter anderen mit jungen Muslimen und Hindus. Auf Madagaskar halfen 200 Muslime bei den Vorbereitungen mit. Elysha Netsarh, Vertreterin der kleinen jüdischen Gemeinde der Insel, sprach von "gegenseitiger Toleranz". Jeder sei dem katholischen Groß-Event "mit Respekt" begegnet.

Ähnliches gilt auch für das letzte Reiseziel, Mauritius. Das Tropenparadies gilt als kultureller Schmelztiegel, wo sich französische, chinesische, indische und kreolische Einflüsse vermischen. Politisch zählt Mauritius zu Afrika; entwicklungspolitisch freilich hat es dank geringer Armut und einer stabilen Demokratie den meisten Staaten des Kontinents etwas voraus.

Doch die Inselromantik bröckelt: Viele Jugendliche sind arbeitslos und zuletzt mehrten sich populistische Stimmen. Die Messe von Papst Franziskus mit 100.000 Teilnehmern, bei der er eine Lanze für die Jugend und für kulturelle Vielfalt brach, gab vielen Mauritiern neuen Mut. "Wir sind ein kleines Land, ein Punkt im Indischen Ozean", sagte eine Bewohnerin einer lokalen Zeitung; "doch er hat sich für uns entschieden."

Markus Schönherr
(KNA)

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