Vor der Papstreise nach Mexiko wächst die Spannung
Papst Franziskus geht im September wieder auf Reisen

26.08.2019

Der Papst reist im September in den Südosten Afrikas Arme Menschen und reiches Land

Fast wie das Hüpfspiel "Himmel und Hölle": Franziskus besucht das Urlaubsparadies Mauritius nach der Vanille-Insel Madagaskar und dem bitterarmen Mosambik. Entwicklung, Schöpfung, Frieden - die Themenpalette ist breit.

Mosambik hat einen Schlussstrich unter ein langes und blutiges Kapitel gezogen: Am 1. August unterzeichneten die Regierung in Maputo und die bewaffnete Opposition ein Friedensabkommen. Rund 5.200 RENAMO-Milizen sollen ihre Waffen abgeben, bevor Papst Franziskus im September das Land besucht und am 15. Oktober Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden.

Für Präsident Filipe Nyusi sind der Friedensschluss und der Papst als Gast Glanzlichter zum Ende seiner ersten Amtszeit. Franziskus seinerseits dürfte die Einigung von Maputo auch als Frucht kirchlicher Friedensdiplomatie verbuchen. Als nach 15 Jahren Bürgerkrieg mit fast einer Million Toten die Regierungspartei FRELIMO und die Rebellen der RENAMO mit dem "Frieden von Rom" 1992 Waffenstillstand schlossen, war dies maßgeblich ein Verdienst der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio.

Mosambik, Madagaskar und Mauritius sind die Ziele von Franziskus auf seiner dritten Afrikareise vom 4. bis 10. September. Was die drei Länder verbindet, ist vor allem die geografische Lage im Südosten des Kontinents. Ansonsten trennen sie Welten: Mauritius, von Maputo so weit weg wie Garmisch von der Nordgrenze des Niger, politisch stabil und mit einem Ruf als Steueroase und Taucherparadies, ist fast so etwas wie eine Insel des Wohlstands; Mosambik dagegen belegt auf dem globalen Entwicklungsindex den zehntletzten Platz.

Es ist gerade dieser Staat, der als einer der ärmsten in Afrika bei der Papstreise im Brennpunkt stehen wird. Anfang März überzog der Zyklon Idai Mosambik mit Verwüstung. Rund 600 Menschen starben, viele blieben vermisst, Hunderttausende wurden obdachlos. Das Unglück warf das Land in seiner Wirtschafts- und Finanzkrise noch einmal weiter zurück.

Drückten erst der Verfall der Kohlepreise die Handelsbilanz und das Klimaphänomen El Nino die Erträge in der Landwirtschaft, so belastete ein milliardenschwerer Kreditskandal 2016 das Vertrauen der Geber.

Hoffnungen knüpfen sich an Gasvorkommen im Norden, aber seit Ende 2017 schüren dort Attacken von mutmaßlich islamistischen Milizen Unsicherheit.

Chinesische Infrastrukturprojekte

Unterdessen setzt China, das nicht zuletzt ein Auge auf die Rohstoffvorkommen Mosambiks hat, große Infrastrukturprojekte um - Aushängschild ist die im November 2018 eröffnete Hängebrücke über den Golf von Maputo, das längste Bauwerk dieser Art in Afrika. Die Kosten von schätzungsweise 726 Millionen US-Dollar entsprechen gut einem Fünftel des Staatshaushaltes.

Gesellschaftlich stellen die Gesundheitsfürsorge und vor allem Aids Herausforderungen dar. Auf dem Feld der Bildung gibt es zwar Fortschritte - die Analphabetenrate sinkt -, aber insbesondere die Förderung von Mädchen und Berufsperspektiven für die vielen in Frustration und Armut gefangenen Jugendlichen bleiben dringende Aufgaben.

Die katholische Kirche hatte in den ersten Jahren der mosambikanischen Unabhängigkeit einen schweren Stand: Ihr haftete der Geruch der ehemaligen Kolonialmacht Portugal an, und die damals marxistische FRELIMO war auf Religion generell nicht gut zu sprechen.

Mittlerweile sind die Enteignungen teilweise rückgängig gemacht. Der Episkopat gilt als geeint und politisch neutral.

Katholiken machen 28 Prozent der Bevölkerung aus; allerdings hat die Gesamtheit der anderen christlichen Gemeinschaften sie inzwischen überrundet. Eine lebhafte Konkurrenz besteht durch evangelikale Missionare aus Brasilien, die mit der portugiesischen Sprachverwandtschaft und wirtschaftlichen Heilsversprechen punkten.

Standardtermine und ein Farbtupfer

So etwa ist die Lage, wenn Franziskus am 4. September in Maputo landet. Gegenüber dem ersten Papstbesuch 1988 ist das Programm kürzer und enthält weniger Volkskontakte - so gesehen ging Johannes Paul II. stärker an die Peripherien, wenngleich mit anderen Botschaften.

Franziskus beschränkt sich auf Standardtermine: Treffen mit dem Präsidenten und Politikern, Klerus und pastoralen Mitarbeitern, eine Messe im Stadion Zimpeto. Farbtupfer setzen ein interreligiöses Jugendtreffen und Besuch in einem Straßenkinder-Projekt und einer Klinik.

Die Reiseankündigung zwei Wochen nach dem Zyklon Idai ließ erwarten, dass Franziskus auch die Katastrophenregion um Beira besuchen werde.

Nichts davon. Als ein Grund gilt, dass die Stadt auch ein halbes Jahr nach dem Sturm eine Papstvisite logistisch nicht verkraften würde.

Andererseits werden laut lokalen Kirchenstimmen kaum Gläubige aus Beira die 1.000 Kilometer nach Maputo pilgern können.

Am 6. September trifft Franziskus auf Madagaskar ein. Auch dort erwartet ihn ein Land mit gravierenden Armutsproblemen und einer Wirtschaftsentwicklung, die dem Bevölkerungswachstum hinterherhinkt.

Ein Hemmschuh ist die Infrastruktur: Trinkwasser ist da, aber in ländlichen Regionen fehlt die Technologie für die Versorgung. Die Überlandstraßen sind so schlecht, dass die Madagassen ein eigenes Auto konstruierten, den legendären Karenjy.

Als politischer Lichtblick galt im Januar die friedlich-demokratische Wahl von Andry Rajoelina zum Präsidenten. Zehn Jahre zuvor hatte der damals 34-Jährige versucht, den wirtschaftsliberalen Staatschef und Großunternehmer Marc Ravalomanana wegzuputschen. Damals hielten die Kirchen zum Amtsinhaber.

Natur als kostbare Ressource

Reforminitiativen der neuen Regierung zielen auf den Ausbau des Straßen- und Stromnetzes, auf die Landwirtschaft, in der acht von zehn Madagassen tätig sind, aber auch auf den Bergbau als Devisenbringer und auf Tourismus: Die biologische Artenvielfalt und eine attraktive Küstenlinie bilden eine kostbare Ressource; ob aber das Land zu einer nachhaltigen Entwicklung fähig wird, beobachten ausländische Experten mit Sorge.

Franziskus wird in Madagaskar einem abendlichen Großtreffen im Stil der Weltjugendtage vorstehen und am folgenden Morgen auf dem gleichen Gelände die Sonntagsmesse feiern; lokale Medien sprechen von mehreren Hunderttausend Teilnehmern. Weiter besucht der Papst das Wohn- und Beschäftigungsprojekt Akamasoa für ehemalige Bewohner von Mülldeponien. Initiator ist der Priester Pedro Opeka, der wie Franziskus aus Buenos Aires stammt.

Den Schluss markiert ein Tagesausflug auf die 1.000 Kilometer östlich gelegene Insel Mauritius. Dort feiert Franziskus eine Messe beim Heiligtum Marie Reine de la Paix über dem Hafen der Hauptstadt Port Louis. Ferner will er an der Gedenkstätte des französischen Ordensgeistlichen Jacques Desire Laval (1803-1864) beten, der als Missionar der Insel gilt.

Drei Länder, fünf Programmtage, 14 Ansprachen. Viele Themen liegen auf dem Tisch: Frieden, Armut, soziale Ungleichheit, Seelsorge in schlecht zugänglichen Regionen und nachhaltige und gerechte Wirtschaftsentwicklung; die Folgen des Klimawandels und die Bewahrung der Schöpfung, gute Regierung und Zusammenleben in ethnischer und religiöser Vielfalt. Vier Wochen vor der Amazonas-Synode mit ähnlichen Fragen wird interessant zu sehen sein, welche Akzente Franziskus setzt.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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