Papst Franziskus: Ziel "null Hunger" bleibt große Herausforderung
Papst Franziskus am 24. Mai 2019 im Vatikan.

29.06.2019

Ein Überblick über den Brief des Papstes "Einen gemeinsamen Weg beschreiten"

An alle deutschen Katholiken wendet sich Papst Franziskus mit einem am Samstag veröffentlichten Brief. Thema ist vor allem der der "Synodale Weg" in Deutschland. Bei der Debatte der Ortskirche dürfe die Weltkirche nicht vergessen werden.

Papst Franziskus hat sich persönlich in die Reformdebatte der katholischen Kirche in Deutschland eingeschaltet. In einem am Samstag veröffentlichten Brief lobt er das Engagement und die Reformanstrengungen der deutschen Katholiken. Zugleich mahnt Franziskus die Einheit mit der Weltkirche an. Leitkriterium der Erneuerung müsse die Evangelisierung sein.

In dem 28-seitigen Schreiben "an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" macht der Papst Mut zum geplanten synodalen Prozess. Die Katholiken dürften sich durch den zunehmenden Verfall des Glaubens auch in traditionell katholischen Gebieten nicht entmutigen lassen.

"Keine Anpassung an den Zeitgeist"

Franziskus warnt jedoch davor, die Kirche als Organisation zu verstehen, die man allein über Strukturdebatten, eine bessere Verwaltung und einen perfekten Apparat verändern könnte. In dem in Bonn und Rom veröffentlichten Schreiben äußert sich das Kirchenoberhaupt nicht zu konkreten Streitfragen, etwa der Priesterweihe für verheiratete Männer.

Nicht eine Anpassung an den Zeitgeist, Umfragen und Medien dürften den Reformprozess bestimmen, betont Franziskus. Auch sei der Versuch nicht zielführend, zu alten Gewohnheiten zurückzufinden, die in anderen Zeiten einen Sinn ergeben hätten. Notwendig sei, "einen gemeinsamen Weg unter der Führung des Heiligen Geistes" zu beschreiten. "Evangelisieren bildet die eigentliche und wesentliche Sendung der Kirche", fügt der Papst hinzu. Sie führe dazu, die Freude am Christsein zurückzugewinnen.

Franziskus mahnt vor Verlust der weltkirchlichen Perspektive

Der Papst ermuntert die Katholiken zu großer Offenheit gegenüber Nichtglaubenden und Menschen an den Rändern der Gesellschaft. Sie sollten "sich öffnen und hinausgehen, um unseren Brüdern und Schwestern zu begegnen, besonders jenen, die an den Schwellen unserer Kirchentüren, auf den Straßen, in den Gefängnissen, in den Krankenhäusern, auf den Plätzen und in den Städten zu finden sind".

Mit Blick auf das Verhältnis der Kirche in Deutschland zur Gesamtkirche und den von den deutschen Bischöfen eingeleiteten "verbindlichen synodalen Weg" unterstreicht der Papst, Teilkirchen und Weltkirche lebten voneinander und seien aufeinander angewiesen.

Das bedeute nicht, dass man nicht voranschreiten, ändern oder debattieren könnte. Wichtig sei aber die Perspektive, Teil eines Ganzen zu sein und die Einheit zu wahren. Die Ortskirchen seien vielfältig und hätten eigene Traditionen und Probleme. Der Blick aufs Ganze könne aber verhindern, dass man sich in begrenzten Fragestellungen verirre und den Weitblick verliere.

Bischöfe hatten synodalen Weg beschlossen 

Nach intensivem Ringen hatten die deutschen Bischöfe im März einen "verbindlichen synodalen Weg" beschlossen; sie reagieren damit unter anderem auf den Missbrauchsskandal und den massiven Vertrauensverlust. Bei dem Prozess unter Beteiligung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und externer Experten soll es um Themen wie Macht, Sexualmoral und die Lebensform der Priester gehen. Ein Forum zur Rolle der Frauen in der Kirche ist im Gespräch.

Anfang Juli soll das weitere Vorgehen festgelegt werden. Eine erste große Runde soll Mitte September tagen.

(KNA)

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