Papst Franziskus besucht Virginia Raggi, Bürgermeisterin von Rom
Papst Franziskus besucht Virginia Raggi, Bürgermeisterin von Rom
Papst Franziskus (r) wird von Virginia Raggi, Bürgermeisterin von Rom, während seines Besuchs im Rathaus begrüßt
Papst Franziskus (r) wird von Virginia Raggi, Bürgermeisterin von Rom, während seines Besuchs im Rathaus begrüßt
 Papst Franziskus, hier bei einem Treffen mit Virginia Raggi im Januar 2016 (Archivbild)
Papst Franziskus empfängt Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi

26.03.2019

Papst Franziskus besucht erstmals die römische Stadtregierung Raggi bekommt geistlichen Beistand

Als innig kann man das Verhältnis zwischen Roms Bürgermeisterin und dem Papst nicht beschreiben. Sechs Jahre dauerte es, bis Franziskus Virginia Raggis Amtssitz besucht. Inzwischen haben beide Grund, einander zu schonen.

Zu stärken kam der Papst, nicht zu strafen. Am Dienstag besuchte Franziskus, Bischof von Rom, erstmals seit seiner Wahl vor sechs Jahren das Rathaus auf dem Kapitol. Bürgermeisterin Virginia Raggi mochte ihn mit gemischten Gefühlen empfangen, als er unter Fanfarenstößen am Senatorenpalast anlangte.

Ihr Kontakt war bislang nicht sehr intensiv, und bei früheren öffentlichen Anlässen nahm sich Franziskus gelegentlich die Freiheit, auf den Verfall der Stadt hinzuweisen. Ein wunder Punkt.

Virginia, die Reine

An Rom sind etliche Bürgermeister gescheitert; Raggi hat vielleicht den Vorrang, zu den naivsten zu gehören. Viele wählten sie 2016 gerade deshalb, weil sie, damals 37 Jahre alt, nicht zur politischen Kaste gehörte und als Seiteneinsteigerin frischen Wind versprach. Virginia, die Reine.

Knapp drei Jahre später können sich Freunde und Gegner Raggis auf ein Prädikat für ihre Amtsführung einigen: glücklos. Die Bürgermeisterin wird für alles haftbar gemacht, was in Rom, der "Hauptstadt der Welt", holpert und zum Himmel stinkt: Schlaglochpisten, Müllchaos, marode Busse, die Feuer fangen. Derzeit sind drei Metro-Stationen geschlossen, weil die Rolltreppen nicht funktionieren.

Auch Raggis Personal sorgte für Peinlichkeit. Mehrere Stadträte musste sie auswechseln, teils nach Korruptionsvorwürfen. Der jüngste Schlag war vor einer Woche die Festnahme ihres Parteikollegen Marcello De Vito. Als Präsident des Stadtparlaments soll er, der als Saubermann galt, Schmiergelder von Bauunternehmen angenommen haben.

Papst spricht über Aufnahmebereitschaft

Es wäre ein gefundenes Fressen für die Medien, wenn Franziskus im Stadtparlament Korruption geißelte. Er tut es nicht. Der rote Faden seiner Rede in der Aula Giulio Cesare ist Aufnahmebereitschaft. Auch kein unheikles Thema, denkt man an die Räumungen von Roma-Camps oder an den Wasserwerfereinsatz 2017 gegen eritreische Flüchtlinge, die man zuvor auf die Straße gesetzt hatte.

Aber mit dem Thema Aufnahmebereitschaft kann Raggi mitgehen. Rom sei eine "offene Stadt, eine Stadt des Multilateralismus und des Multikulturalismus", betont sie. Man wolle "die Beziehungen zwischen den beiden Ufern des Mittelmeers, zwischen unserem Europa und den jungen Staaten des afrikanischen Kontinents fruchtbar stärken".

Im gleichen Duktus ermutigt der Papst zu Offenheit gegenüber Einwanderern und zur Sorge für Randgruppen. In Rom suchten etliche auf der Flucht vor Kriegen und Elend ein sicheres und würdevolles Leben. Die Stadt solle sich "dieser epochalen Herausforderung in der Spur ihrer noblen Tradition stellen". Rom müsse "eine Stadt der Brücken, niemals der Mauern" sein.

Die Stadträte mahnt er, "Ängste zu überwinden, die mögliche Initiativen und gangbare Wege zu blockieren drohen", und Probleme "mit Ernst und mit weniger Angst, mit größerer Würde und Respekt für jeden" anzugehen. Franziskus beeilt sich dabei, die Mithilfe der Kirche anzubieten.

Mitunter gespanntes Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt

Er weiß um das sensible, mitunter gespannte Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt, die doch, wie er sagt, in Rom zum Dialog verpflichtet sind. Ebenfalls spricht Raggi nicht zufällig von den "beiden Ufern" des Tiber, zwischen denen es das Gespräch zu halten gilt - hüben und drüben, Rom und Vatikan.

Raggi wollte wohl einfach, dass es ein harmonisches Ereignis wird, wenn der Papst sie an ihrem Amtssitz besucht. So liest sie aus ihrem Skript stur die Floskel von "diesem strahlenden Tag" ab, obwohl es draußen nieselt und vor den Großbildschirmen auf dem Kapitolsplatz nur ein paar Dutzend Schaulustige unter Regenschirmen warten.

Franziskus zeigt sich seinerseits milde: Rom ist eine Art Freilichtmuseum mit drei Millionen Einwohnern. Es zu verwalten, braucht "kreativen Mut", aber auch zureichende Rechtsmittel und Finanzen, so der Papst. Das hört der Rat der hoch verschuldeten Stadt gern.

Bevor Raggi sich mit Franziskus zum privaten Gespräch bei Matetee in ihrem Büro zurückzog, führte sie ihn auf den rückwärtigen Balkon über dem Forum Romanum. Beim Blick auf die benachbarte Basilika San Giuseppe, deren Dach vergangenen Sommer eingebrochen war, konnte sich der Papst daran erinnert fühlen, dass auch in seiner Kirche nicht alles zum besten steht.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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