Ahmad al-Tayyeb, Großscheich der al-Azhar-Universität, und Papst Franziskus
Ahmad al-Tayyeb, Großscheich der al-Azhar-Universität, und Papst Franziskus
Papst Franziskus spricht vor Religionsvertretern in Abu Dhabi
Papst Franziskus spricht vor Religionsvertretern in Abu Dhabi

05.02.2019

Was die Papstreise nach Abu Dhabi interreligiös bedeutet Gemeinsam in die Zukunft

Die historisch erste Reise eines Papstes auf die Arabische Halbinsel ist Geschichte. Zum Abschluss seiner Visite feierte Franziskus eine große Messe in Abu Dhabi. Was bleibt von den Tagen im Hinblick auf den interreligiösen Dialog hängen?

DOMRADIO.DE: Es geht um den Dialog zwischen Muslimen und Christen. Auf der interreligiösen Konferenz hat auch Papst Franziskus gesprochen. Wie ordnen Sie denn seine Ansprache ein?

Pfarrer Dr. Matthias Leineweber (Gemeinschaft Sant Egidio und Beobachter der Papstreise): Ich denke, es war eine wegweisende Ansprache und auch sehr wichtig in diesem Moment, in dem es so viele Konflikte und die Tendenz gibt, sich in die eigene Identität und religiöse oder politische Situationen zurückzuziehen. Der Papst ruft zum Dialog und zum Frieden als der einzigen Alternative zum Konflikt, zum Leid und Elend auf.

Ich denke, es ist wichtig, dass er das in einem islamischen Land, zum ersten Mal auf der Arabischen Halbinsel, auch mitten in einer Region, die so sehr von Konflikten gezeichnet ist, sagen konnte.

DOMRADIO.DE: Gemeinsam mit einem der wichtigsten muslimischen Gelehrten, dem Großimam, hat der Papst dann auch eine Erklärung unterzeichnet. Was hat es damit auf sich?

Leineweber: Ich denke, dass die beiden wichtigsten Oberhäupter im sunnitischen Islam und in der christlichen Welt zeigen wollten, dass der einzige Weg, um eine menschliche Zukunft zu gestalten, der Dialog ist. Dazu zählt auch die Vereinbarung von gemeinsamen Grundlagen für die Begegnung - trotz der Unterschiede der Religionen und Kulturen, die es natürlich gibt.

Aber die Zukunft kann man nur gemeinsam aufbauen. Dazu gibt es keine Alternative. Und das ist in dieser langen Erklärung sehr deutlich geworden.

DOMRADIO.DE: Der Papstbesuch stand ganz im Zeichen des interreligiösen Dialogs. Was kann denn dieser Besuch von Papst Franziskus auf der Arabischen Halbinsel bewegen?

Leineweber: Man kann nicht sofortige Ergebnisse erwarten. Denken Sie nur an die Ökumene unter den Christen. Das hat auch sehr lange gedauert. Aber es ist eine sehr schöne Frucht des interreligiösen Dialogs von Johannes Paul II., der 1986 mit dem Weltfriedenstreffen in Assisi begann.

Man kann sagen, dass jetzt zum ersten Mal muslimische Vertreter christliche Vertreter zu sich nach Hause eingeladen haben. Es ist eine lange Zeit vergangen. Aber dieses Treffen, dieser Austausch, der jedes Jahr stattfindet, den auch Sant Egidio immer wieder pflegt, führt doch zu Früchten. Es gibt keine Alternative zu diesem geduldigen Weg des Dialogs. Ansonsten gibt es nur den Konflikt und den Krieg. Und das ist keine Alternative.

DOMRADIO.DE: Aber eines muss man auch bei all diesen versöhnlichen Bildern sagen: Religionsfreiheit gibt es in den Emiraten und auch in vielen anderen muslimischen Staaten nicht. Kann und wird sich möglicherweise dann etwas ändern?

Leineweber: Wir müssen dafür arbeiten. Es hat auch in Europa nicht immer Religionsfreiheit gegeben. Die Demokratie, die wir jetzt haben, ist ein Ergebnis von einer anstrengenden Arbeit mit viel Leid und Schweiß. Diese Arbeiten müssen wir überall in der Welt auf uns nehmen, wenn wir das Ergebnis Religionsfreiheit haben wollen. Wenn wir nichts tun, wird es keine Religionsfreiheit geben.

Dass so ein wichtiger Vertreter wie Al-Tayyeb offen für Religionsfreiheit spricht, dass eine Messe wie heute Morgen in Abu Dhabi auf der Arabischen Halbinsel möglich ist, dass offen das Christentum dort bekannt wird, ist schon ein sehr, sehr großer Fortschritt. Daran müssen wir mit den Menschen guten Willens, die dazu bereit sind, weiter arbeiten.

DOMRADIO.DE: Das große Problem ist und bleibt, dass in Staaten mit muslimischer Staatsreligion die Religion für politische Zwecke instrumentalisiert wird. Wie kann man das überhaupt verhindern?

Leineweber: Das ist heute eine große Herausforderung, der sich alle Religionen stellen müssen. Da müssen die Religionen auch die eigenen Hausaufgaben machen. Sie müssen ihre Gläubigen dazu erziehen, dass sie für Dialog, für friedliches Zusammenleben stehen und nicht für politische Zwecke.

Ich glaube, dass dieses Treffen auch die Botschaft an die Politik sendet, die sich heute schwertut, friedlich zusammenzuleben und Frieden zu stärken, dass die Religionen bereit sind, ihren Auftrag zu erfüllen und für Frieden zu sorgen. Sie wollen sich nicht für die politischen Zwecke missbrauchen lassen, die es immer wieder gibt.

DOMRADIO.DE: Wie lautet Ihr Resümee der Papstreise auf die Arabische Halbinsel? Was wird in den Köpfen bleiben?

Leineweber: Ich glaube, das Zeichen dieses Papstes mit Al-Tayyeb Hand in Hand zu gehen, wird bleiben. Man muss sagen, es gab zum ersten Mal auch nicht-monotheistische Vertreter bei der Konferenz, zudem auch jüdische Vertreter. Dieses Zeichen, dass die Religionen doch zusammenkommen und dass man miteinander reden kann, was ja heute nicht so selbstverständlich ist, das bleibt und es ermutigt, weitere Schritte zu gehen - auch in Situationen, wo es noch nicht so einfach ist.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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