Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Guido Steinberg
Guido Steinberg

03.02.2019

Islamwissenschaftler Steinberg über ein unterschätztes Land Was will Abu Dhabi vom Papst?

Der mächtigste Mann der katholischen Kirche trifft am Montag den vielleicht mächtigsten Mann der arabischen Welt. Das könne einiges verändern, sagt der Islamwissenschaftler Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik im Interview.

DOMRADIO.DE:  Herr Steinberg, Sie beschäftigen sich als Wissenschaftler mit der Region und insbesondere auch mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Fliegt Franziskus in ein Land, das in der Region eher Stabilität bringt oder Unruhe stiftet?

Dr. Guido Steinberg (Islamwissenschaftler bei der Stiftung Wissenschaft und Politik): Das kommt darauf an, wie man politisch zu den Emiraten steht. Die Emirate selbst und ihre Unterstützer sagen, dass sie Stabilität bringen. Das ist im eigenen Land auch tatsächlich so. Sie haben dafür gesorgt, dass in Ägypten das Militär unter Präsident Abd al-Fattah al Sisi 2003 an die Macht kam und auch dort für Stabilität gesorgt hat. Die Kritiker der Emirate verweisen darauf, dass die Emirate Kriege führen: wie vor allem im Jemen und eine brutale Kampagne gegen das Nachbaremirat Katar, das sie durch eine Land-, Luft- und Seeblockade von der Außenwelt fast abgeschnitten haben.

DOMRADIO.DE: Am Montagmorgen ist Papst Franziskus  im Präsidentenpalast zu Besuch bei Kronprinz Muhammad bin Zayid. Wem sitzt der Papst dort gegenüber?

Steinberg: Dem starken Mann der Emirate und einem der mächtigsten Männer der arabischen Welt. Im Moment ist es tatsächlich so, dass die Emirate eine Art Führungsmacht sind. Weil Ägypten so schwach ist und weil Syrien und der Irak ausgefallen sind, sind es vor allem zwei Länder, die in der arabischen Welt Politik machen: Das ist einmal Saudi Arabien und das sind die Emirate. Und für die Emirate ist der Kronprinz von Abu Dhabi derjenige, der tatsächlich bestimmt, wo es in der Sicherheits- und in der Außenpolitik langgeht. Außerdem ist er so eine Art Mentor für den Kronprinzen des Nachbarlandes Saudi Arabien. Das macht ihn im Moment so einflussreich. Vielleicht ist er zurzeit sogar der mächtigste Mann der arabischen Welt.

DOMRADIO.DE:  Warum hat Kronprinz Muhammad bin Zayid denn Papst Franziskus eingeladen?

Steinberg: Ich denke, dass es da vor allem um internationale Aufmerksamkeit geht. Die Emirate sind mächtig, sie führen die Außenpolitik in Ägypten, Libyen, im Jemen. Aber kaum jemand nimmt das wahr. Der Besuch des Papstes wird daran durchaus etwas ändern. Zumindest werden die Katholiken – aber auch viele andere Christen weltweit – auf diesen Besuch schauen. Das ist für die Emirate eine gute Möglichkeit, sich und die eigene Linie darzustellen, die sich deutlich von der des Nachbarlandes Saudi Arabien unterscheidet.

DOMRADIO.DE:  Wie sieht diese Linie denn aus: Was möchte Muhammad bin Zayid beweisen?

Steinberg: Abu Dhabi versucht eine Art Modell der Emirate zu exportieren. Dieses Modell ist in den letzten Jahren sehr viel autoritärer geworden. Er [Anm.d.Red: Kronprinz Muhammad bin Zayid] hat sich vor allem einen Namen gemacht als entschlossener Bekämpfer der islamistischen Muslimbruderschaft. Die Emirate sind also vor allem ein Staat, der fast säkular ist und damit ein autoritär-säkulares Modell bietet. Währenddessen bietet das Nachbarland Saudi Arabien ja ein autoritär-islamisches Modell an. Und dafür macht er Werbung; nicht nur in der Region, sondern auch in der Weltöffentlichkeit.

DOMRADIO.DE: Cirka 96% Muslime leben in dem Land – so zumindest die Zahl des Auswärtigen Amtes. Die Christen sind also deutlich in der Minderheit. Wie steht es denn um die Religionsfreiheit in den Vereinigten Arabischen Emiraten?

Steinberg: Ganz gut, vor allem im regionalen Vergleich, denn wir dürfen nicht vergessen, dass die Emirate genau zwischen Iran und Saudi Arabien liegen – also zwischen zwei Staaten, in denen es Religionsfreiheit überhaupt nicht gibt. In den Emiraten können die Christen ihre Religion aber frei leben. Es gibt sogar eine Synagoge und es gibt viele Kirchen. Möglicherweise stimmt auch die Zahl des Auswärtigen Amtes nicht; ganz einfach, weil unter den Gastarbeitern im Land mehrere Hunderttausend Christen sind, vor allem aus Südostasien und Südasien und aus der Westlichen Welt. Wir könnten da also durchaus mit bis zu zehn Prozent Christen zu tun haben. Denen geht es ganz gut und vor allem viel besser als in allen Nachbarländern.

DOMRADIO.DE: Für diese Gastarbeiter hat der Besuch des Papstes dann auch eine besondere Bedeutung, oder?

Steinberg: Ja, vor allem für die tieffrommen Filipinos. Das ist in den Golfstaaten immer wieder ein Thema. Vor allem in den Nachbarstaaten feiern die Asiaten ihre Gottesdienste oft heimlich, werden dafür hart bestraft: mit Abschiebungen und Gefängnisstrafen. All das müssen sie in den Emiraten nicht befürchten. Deswegen ist das aus unserer Sicht ein so viel besseres Land zum Leben.

(DR)

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