01.01.2019

Das Gebetsanliegen des Papstes für den Februar "Mit offenen Armen"

Der Papst betet im Februar "für Opfer des Menschenhandels: dass alle, die dem Menschenhandel und der Zwangsprostitution zum Opfer gefallen sind, mit offenen Armen in unserer Gesellschaft aufgenommen werden".

Papst Franziskus ist einfach unerbittlich! Immer wieder konfrontiert er uns mit unangenehmen Tatsachen, die wir gerne verdrängen: etwa Menschenhandel. "Ja, gibt es das denn überhaupt noch?", mag da mancher fragen. Und: "Sklavenhandel, das war doch früher mal!"

Leider nicht nur. Menschliche Raffgier führt auch heute noch und immer wieder dazu, Mitmenschen wie Ware zu behandeln, mit der man gute Geschäfte machen kann. Und wir sind manchmal sogar dabei, wenn wir zum Beispiel gedankenlos "Schnäppchen machen" - mit Kleidung aus Billigläden, hergestellt von Frauen oder sogar Kindern in Asien, die unter unmenschlichen Bedingungen, sklavenähnlich in endlosen Schichten für unseren Geiz schuften müssen.

Papst lenkt Aufmerksamkeit auf die Opfer 

Und wie viele Mädchen aus Osteuropa wurden in unsere Städte gelockt mit dem Versprechen eines besseren Lebens! Sie fanden sich in Bordellen wieder, zu schamloser Benutzung gegen Gebühren, die auch noch andere kassieren. Flucht kann da lebensgefährlich werden.

So dringend hier mit Blick auf die Täter Polizei und Rechtsprechung international gefordert sind: Der Papst lenkt unsere Aufmerksamkeit im Februar auf die Opfer! Die Missbrauchsskandale in unserer Kirche, die durch Täterschutz noch ausgeweitet wurden, haben ihm offenbar den Blick verschärft.

Bei der Aufarbeitung dieser entsetzlichen Realitäten wird weltweit immer deutlicher, dass die Opfer oft ihr Leben lang weiterleiden, weil die Täter nicht wirklich zur Rechenschaft gezogen und sie mit ihren tiefen Wunden nicht ausreichend wahrgenommen werden. Dabei sollten Christen - gerade jene in verantwortlichen Positionen - doch den vor Augen haben, der, als Opfer festgenagelt, unsere Blindheit heilen will.

Menschen die Freiheit lassen 

Wenn uns der Papst diesen Monat bittet, für die Opfer zu beten, kann das einmal mehr auch ein Gebet für uns selbst werden: Die Weitung unseres Blicks kann innere Weitung bewirken. Franziskus zieht dafür das bewegende Bild der offenen Arme heran.

Was sich im Denken ändert, soll leibhaftig sichtbar werden. Offene Arme - das Gegenteil von Besitzergreifung! Offene Arme verhaften nicht, sie lassen Freiheit. Wer so denkt, wird sich auch selbstkritisch fragen: Versuche ich nicht auch zuweilen, Mitmenschen für meine Zwecke rücksichtslos zu benutzen?

"Offene Arme" wünscht Papst Franziskus "unserer Gesellschaft" und eben nicht eine "Willkommenskultur", die sich auf vermeintlich nützliche neue Nachbarn beschränkt. Wenn wir uns dem "Heiland" verpflichtet fühlen, genügen Kost und Logis noch nicht. Frauen, die in ihrer Heimat oder auf der Flucht vergewaltigt oder Opfer von Zwangsprostitution wurden, und Männer, die morden mussten, suchen bei uns Heimat und Heilung.

Für Gesellschaft mit offenen Armen 

Offene Arme sollte es auch in unserer Kirche geben. Die Kolonnaden auf dem Petersplatz in Rom sollen doch wohl allen, die da ankommen, melden: Hier findet ihr große und weite Arme, stabil und schön. Leider empfinden manche sie eher als riesige Zange, die vereinnahmen und zwingen will.

Als Franziskus am 25. Dezember zur "Weihnachtsbotschaft" und zum Segen "Urbi et orbi" auf der Loggia des Petersdomes der "Stadt und dem Erdkreis" begegnete, wirkte er sehr müde. Ja, der stete Wunsch für eine "geschwisterliche" Welt, die keinen Menschen ausgrenzt, kann erschöpfen.

Aber der Papst lebt uns vor, dass wir trotzdem nicht schweigen dürfen. Wir sollten auch 2019 in Wort und Tat zu einer Gesellschaft mit offenen Armen beitragen, so gut wir können.

Von Gerhard Dane.

(KNA)

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