Kolumbiens Präsident Ivan Duque und Ehefrau Maria Juliana Ruiz bei Papst Franziskus
Kolumbiens Präsident Ivan Duque und Ehefrau Maria Juliana Ruiz bei Papst Franziskus

22.10.2018

Duque wirbt in Europa um Unterstützung Kolumbiens neuer Präsident beim Papst

Zahlreiche Flüchtlinge, ein wackliger Friedensprozess mit der Guerilla und niedrige Kaffeepreise: Kolumbien steckt in einer Krise. Am Montag hat Präsident Duque wohl auch deswegen den Papst im Vatikan besucht. 

Kolumbiens Präsident Ivan Duque Marquez ist im Vatikan von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen worden. Anschließend traf er mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und mit dem für Außenbeziehungen zuständigen Untersekretär Antoine Camilleri zusammen.

Themen der Unterredungen waren nach vatikanischen Angaben der Friedensprozess unter kirchlicher Beteiligung sowie Lebensschutz, Korruption und Drogenhandel. Weiter ging es demnach um Rechtsstaatlichkeit und Fragen des Umweltschutzes.

Erster Vatikanbesuch von Duque

Es war der erste Vatikanbesuch des seit August amtierenden konservativen Präsidenten. An der Visite nahmen auch seine Ehefrau, die drei Kinder sowie weitere Familienangehörige teil. Duque schenkte dem Papst eine handgefertigte Hängematte. "Wir wissen, dass Sie wenig Zeit zum Ausruhen haben", sagte der Präsident. "Ich werde da meine Siesta drin machen", erwiderte der Papst.

Franziskus revanchierte sich mit dem Medaillon eines Ölzweigs in einem geteilten Felsen. Das Motiv stehe für die Aufgabe des Staatspräsidenten, die 50 Jahre dauernde Spaltung durch den Bürgerkrieg in Kolumbien zu beenden, sagte der Papst. Duque solle sich "auf das konzentrieren, was eint, und nicht auf das, was trennt", so Franziskus.

Duque auf EU-Reise

Nach dem Besuch im Vatikan wollte Duque auch mit Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella und mit Ministerpräsident Giuseppe Conte zusammentreffen. Am Dienstag reist er weiter nach Brüssel. Dort stehen Unterredungen mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und mit der International Crisis Group auf dem Programm, ferner mit den Spitzen des Europarats und der EU-Kommission, Donald Tusk und Jean-Claude Juncker.

Probleme im Gepäck

Die Liste der Probleme, die Ivan Duque in Europa dabei hat, ist lang. Er empfinde eine tiefe Freude, mit dem Heiligen Vater über Kolumbien und Lateinamerika zu sprechen sowie über die Themen, die den Papst bewegen, erklärte Duque am Wochenende.

Kein anderes südamerikanisches Land wird vom Massenexodus aus Venezuela so herausgefordert wie Kolumbien. Mehr als eine Million Venezolaner verließen ihre Heimat in den vergangenen zwei Jahren, um sich im Nachbarland niederzulassen: Sie flohen vor der brutalen Repressionsmaschinerie der sozialistischen Regierung von Präsident Nicolas Maduro, einer Hyperinflation und einer katastrophalen Versorgungslage.

Franziskus soll helfen

Kolumbien wird mit der Krise weitgehend alleine gelassen. Zwar kämpft das UN-Flüchtlingswerk an allen Fronten – sprach zuletzt von einer Krise nie dagelegenen Ausmaßes – doch der Rest der Welt schaut weg, wenn es um finanzielle, logistische oder zumindest moralische Unterstützung geht.

Von Franziskus erhoffte sich Duque offenbar Rückendeckung für die Gespräche in Brüssel, unter anderem mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini, die im Laufe dieser Woche folgen werden. Es wird nicht nur um Unterstützung für die Aufnahme, Verpflegung und Integration der Venezolaner gehen, sondern auch um ein wirksames Vorgehen gegen das diktatorische Regime in Caracas. Solange Maduro an der Macht bleibe, werde es keinerlei Verbesserung der Lage geben, erklärte jüngst die venezolanische Oppositionspolitikerin Maria Corina Machado.

Umgeben von Feinden

In wenigen Monaten könnte die internationale Lage sich zudem völlig verändern: Wenn Rechtspopulist Jair Bolsonaro die Wahlen in Brasilien am kommenden Sonntag gewinnt, dann weiß Venezuela gleich zwei erklärte Gegner neben sich, im Westen und im Süden. Da sowohl Duque als auch Bolsonaro als militärfreundlich gelten und Sympathien für US-Präsident Donald Trump hegen, könnte dann eine "militärische Intervention" wieder intensiver diskutiert werden. Auch deshalb wird das geplante Treffen Duques mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg besondere Aufmerksamkeit erfahren. Kolumbien ist erst seit wenigen Monaten "globaler Partner" der Nato.

Die Lage in Venezuela ist aber nicht das einzige Thema, das den Start von Duques Präsidentschaft belastet. Jüngst bekräftigte er bei einem ersten Besuch einer sogenannten Übergangszone der entwaffneten FARC-Guerilla, dass er an den Absprachen des Friedensvertrages festhalten wolle, den sein Vorgänger Juan Manuel Santos mit den Rebellen ausgehandelt hatte. Doch den Worten müssen Taten folgen: Die Integration der ehemaligen Guerilleros in den Arbeitsmarkt verläuft schleppend. Die UN warnt vor einem Scheitern des Prozesses, nicht wenige Rebellen haben inzwischen mit den Füßen abgestimmt und sind in die Berge zurückgekehrt.

Frieden in Kolumbien?

Die Friedensverhandlungen mit der verbliebenen marxistischen ELN-Guerilla sind nach jüngsten Geiselnahmen der Rebellen und Kämpfen mit der Armee erst einmal auf Eis gelegt. Duque verfolgt eine deutlich härtere Strategie als sein Vorgänger. Von der ELN verlangt er eine sofortige Einstellung jeglicher kriminellen Aktivitäten. Die Rebellen fordern dagegen einen bilateralen Waffenstillstand.

Wie es mit diesen Gesprächen weitergeht, ist derzeit völlig offen. In einer gemeinsamen Botschaft wandten sich am Wochenende rund 750 Organisationen aus der kolumbianischen Zivilgesellschaft an den Papst, damit dieser im Gespräch mit Duque auf eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen dränge.

Und auch wirtschaftlich läuft es alles andere als rund. Die niedrigen Kaffeepreise auf dem Weltmarkt schlagen in Kolumbien voll durch. Mit dem Verfall der Abnahmepreise stieg zuletzt auch die Kokain-Produktion. Es fällt nicht schwer, einen direkten Zusammenhang zu erkennen: Für die Koka-Produktion wird mehr bezahlt. Viel Gesprächsbedarf in diesen Tagen – auch zwischen dem Vatikan und Brüssel.

Tobias Käufer
(KNA)

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