An der innerkoreanischen Grenze
An der innerkoreanischen Grenze
Johannes Klausa
Johannes Klausa
Muttergottes-Statue an der innerkoreanischen Grenze
Muttergottes-Statue an der innerkoreanischen Grenze
Papst Franziskus bei seinem Besuch in Südkorea im Jahr 2014
Papst Franziskus bei seinem Besuch in Südkorea im Jahr 2014

18.10.2018

Gipfel mit Papst Franziskus und Kim Jong-un? "Nicht jeder in Korea würde jubeln"

Wenn sich der südkoreanische Präsident Moon Jae-in und Papst Franziskus an diesem Donnerstag im Vatikan treffen, dann erhält der Papst wohl auch eine Einladung des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-un. Doch nicht jeder jubelt deshalb.

Im Oktober 2017 twitterte US-Präsident Donald Trump: "Zu dem Raketenmann nett zu sein, hat 25 Jahre lang nichts gebracht – warum sollte es jetzt was bringen?” Wenige Monate zuvor hatte er den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un "kleiner Raketenmann” genannt und ihm mit "Feuer und Zorn, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat” gedroht.

Friedens- und Charme-Offensive Nordkoreas

Ein Jahr später herrscht auf der koreanischen Halbinsel ein anderer Ton. Die beiden Staatschefs aus Nordkorea und Südkorea haben sich seit der Friedens- und Charme-Offensive während der Olympischen Winterspiele dreimal getroffen, um den Weg für Gipfeltreffen, Familienzusammenführungen und einen umfassenden politischen und kulturellen Austausch zu ebnen.

Zudem gab es ein Gipfeltreffen von Kim und Donald Trump, der den einstigen "Raketenmann" jetzt öffentlich als "sehr talentiert” und einen "cleveren Kerl” bezeichnet, und ihn nach den Wahlen erneut treffen möchte.

Die jüngste Entwicklung: Kim Jong-un würde einen Besuch des Heiligen Vaters in Pjöngjang "begeistert begrüßen. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in besucht Papst Franziskus in Rom und hat eine Einladung für ihn in der Aktentasche.

Diese Entwicklungen sind aufregend, aber nicht jeder in Korea sieht darin einen Grund für begeisterten Applaus. Obwohl die Mehrheit der Koreaner, insbesondere die jüngere Generation, über diese Aussicht begeistert zu sein scheint, sind auch Stimmen zu hören, die einen Besuch des Heiligen Vaters im Norden nicht begrüßen. Manch einer glaubt nicht so recht an die Bereitschaft des "Jungen Marschalls", mit der Politik seines Vaters und Großvaters zu brechen.

Zweifel an Motiven

Sie bezweifeln, dass er sein nukleares Waffenarsenal aufgeben und sein Land wirklich zu Frieden und Versöhnung führen will. Ein Besuch des Papstes in Pjöngjang, so meinen sie, sähe so aus, als vergebe die katholische Kirche die Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Christenverfolgungen noch bevor die Täter vor Gericht gestellt worden sind.

Dass in der Vergangenheit unter der brutalen Kim-Diktatur zahlreiche Verbrechen begangen worden sind, steht außer Frage. Nach Meinung der Kritiker sollte die katholische Kirche ein Anwalt der Opfer sein und die Taten des Regimes anprangern, statt Kim dabei zu helfen, sein negatives Image aufzupolieren und ihm als Trittbrett für den Schritt auf die Weltbühne und in die Präsidentenpaläste der internationalen Gemeinschaft zu dienen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Pjöngjang sich um einen Papstbesuch bemüht. In der Phase der Annäherung und der sogenannten "Sonnenschein-Politik” unter dem damaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung Anfang des neuen Jahrtausends war Papst Johannes Paul II. – vergeblich – zu einem Besuch der "Demokratischen Republik Korea" eingeladen worden.

Sollte sich Papst Franziskus für eine Reise nach Pjöngjang entscheiden, so wäre dies kein naiver Entschluss. Er könnte Zugeständnisse verlangen, wie beispielsweise die Einwilligung in eine permanente Präsenz von Priestern in Nordkorea.

Schwierige Vorbereitungen

Wenn er die Einladung annehmen sollte, so würde dies nicht ohne eine Reihe vorheriger inoffizieller Kontakte und Verhandlungen geschehen. Zu der Delegation, die Kim Jong-un persönlich getroffen hat, gehören neben dem Vorsitzenden der koreanischen Bischofskonferenz auch andere religiöse Führer. Erzbischof Hyginus Kim Hee-jong (Erzbistum Gwangju/Südkorea) war bereits vor einigen Jahren mit einer Delegation südkoreanischer Bischöfe und Priester in Pjöngjang. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in, selbst ein gläubiger Katholik, hat ihn zu seinem "Sondergesandten beim Heiligen Stuhl” ernannt.

Andrew Kardinal Yeom Soo-jung, Erzbischof von Seoul, Präsident von KIRCHE IN NOT/ACN Korea und Apostolischer Administrator von Pjöngjang, hat kürzlich gesagt, er "warte auf den Tag”, an dem er Missionare, Priester, Mönche und Nonnen nach Nordkorea schicken könne, um dort mit ihnen gemeinsam die Sakramente zu feiern. "Ich weiß, dass Papst Franziskus sich große Sorgen um den Frieden auf der koreanischen Halbinsel macht und wiederholt für uns gebetet hat", so der Kardinal. Deshalb wünsche er sich, dass all diese Anstrengungen zu einem Frieden auf der koreanischen Halbinsel führen werde.

Katholiken sollten, unabhängig von ihren politischen Ansichten, immer darauf vertrauen, dass auch Gott aufmerksam über diese Entwicklungen wacht. Lasst uns dafür beten, dass die bilateralen Gespräche zwischen Kim Jong-un und Papst Franziskus – sollte er denn die historische Reise nach Pjöngjang unternehmen – zu einem trilateralen Gipfel unter der Führung des Heiligen Geistes werden. Und dass der Heilige Geist Korea auf den Weg zu Frieden und Stabilität führen möge.

Johannes Klausa, Direktor von KIRCHE IN NOT/ACN Korea
(KiN)

Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube

DOMRADIO.DE überträgt live gestreamte Gottesdienste wie wochentägliche Frühmessen sowie die Sonntags- und Feiertagsmessen ab sofort auch auf Facebook und Youtube.

DURCH-ATMEN - Der neue Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 30.03.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Bonner Stadtdechant Picken über Corona
  • Gewinner in der Krise
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Was passiert, wenn Corona Syrien erreicht?
  • Wie gehen katholischen Bildungswerke mit Krise um?
  • Palmbrezeln für Palmsonntag backen
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Was passiert, wenn Corona Syrien erreicht?
  • Wie gehen katholischen Bildungswerke mit Krise um?
  • Palmbrezeln für Palmsonntag backen
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

18:30 - 19:30 Uhr

Gottesdienst

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Passionsspiele 2020

Berichte, Bilder, Interviews und Videos aus Oberammergau.

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…