Papst Franziskus spricht mit Beratergruppe
Papst Franziskus spricht mit Beratergruppe
Kardinal Reinhard Marx
Im Kardinalsrat: Kardinal Reinhard Marx
George Pell (4.v.l), bisheriger Finanzchef des Vatikans, verlässt das Gericht, den County Court of Victoria
Unter Druck: Kardinal George Pell
Kardinal Francisco Errazuriz Ossa
Kardinal Francisco Errazuriz Ossa
Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga
Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga

13.09.2018

Wie es um den Kardinalsrat des Papstes bestellt ist Völlig in Franziskus' Hand

Er hatte ihn als sein Beratergremium ins Leben gerufen, doch inzwischen bereitet der Kardinalsrat Papst Franziskus auch einige Sorgen. Präziser gesagt manche Mitglieder. Gibt es gegenwärtig noch eine konstruktive Zukunft für die Kommission?

DOMRADIO.DE: Was meinen Sie, was ist an den Meldungen dran, dass sich der Kardinalsrat umstrukturieren will?

Roland Juchem (Rom-Korrespondent der Katholischen Nachrichten-Agentur): Er selber wird sich sicher nicht umstrukturieren. Der Papst selber hat vor einigen Wochen schon gesagt, dass er durchaus daran denke, den Kardinalsrat noch mal personell umzubauen. Aber außer dem Hinweis von diesem Montag, wo der Kardinalsrat selber den Papst gebeten hat, er möge überlegen, ob er angesichts des fortgeschrittenen Alters einiger Mitglieder nicht auch personelle Veränderungen vornehmen wolle, liegt kein Indiz vor.

Das ist das Einzige, was wir bisher haben. Zum nächsten Treffen Mitte Dezember sind alle bisherigen neun Mitglieder so erneut eingeladen.

DOMRADIO.DE: Was würde denn eine Umstrukturierung bedeuten? Schließlich ist dieses Gremium von Papst Franziskus selbst einberufen worden.

Juchem: Er ist völlig frei, mit diesem Gremium zu machen, was er will. Er hat es aus freien Stücken einberufen. Die sollen ihn ja auch nur beraten. Dieser Kardinalsrat hat keinerlei Befugnisse gegenüber der Kurie und den Behörden des Vatikan. Von daher kann sich der Papst die Leute zusammensuchen, die ihn bei seinen Anliegen beraten und unterstützen.

DOMRADIO.DE: Der Kardinalsrat ist ja auch deswegen so unter Druck, da gleich gegen mehrere Mitglieder Vorwürfe erhoben werden. Kardinal Pell steht in Australien vor Gericht. Kardinal Errazuriz aus Chile wird ebenfalls Vertuschung bei Missbrauchsfällen vorgeworfen. Dem Koordinator des Rates, Kardinal Maradiaga, werden dubiose Finanzgeschäfte vorgeworfen. Ist so ein Gremium, das die Kurie und einiges mehr reformieren will, überhaupt noch handlungsfähig?

Juchem: Handlungsfähig sind sie insoweit, als die Leute, die da sitzen, den Papst kompetent und glaubwürdig beraten. Eine andere Frage ist die Wirkung nach außen. Mit welchen Leuten umgibt sich der Papst, um seine wichtigsten Projekte voranzutreiben?

In der Tat fragen sich viele, warum zum Beispiel Kardinal Pell immer noch genannt wird. Seit einem Vierteljahr ist auch Kardinal Errazuriz in der Kritik. Der Papst wollte vermutlich nicht einzelne vorab schon mal entlassen und ersetzen. Zumal es bei Kardinal Pell bedeutet hätte, dass er ihn vor einem Gerichtsurteil in Australien quasi auch für schuldig erklärt hätte.

Und wenn man dies jetzt nach fünf Jahren des Bestehens des Rates mit einigen Erneuerungen macht, ist es halt eine etwas elegantere Lösung. Aber wann das sein wird und ob und wie, das ist bisher noch unsicher.

DOMRADIO.DE: Kann dieser Rat nach fünf Jahren eigentlich noch eine positive Bilanz ziehen?

Juchem: Sie haben schon etliche Sachen angestoßen und etliche Elemente für die Kurienreform sind ja bereits umgesetzt worden. Eine neue Konstitution ist ebenfalls in der Mache. Der Text, der die Kurienreform zusammenfasst und die künftige Arbeitsweise der Kurie regeln soll, ist so gut wie fertig. Das wurde heute im Vatikan nochmal von der stellvertretenden Pressesprecherin erklärt. Es geht nur noch um ein paar stilistische Verbesserungen und es wird noch mal mit juristischen Augen drüber geschaut.

Es kann also sein, dass bis Ende des Jahres diese neue Konstitution vorgelegt wird. Damit hat der Kardinalsrat eine seiner wesentlichen Aufgaben erfüllt.

DOMRADIO.DE: Sprechen wir auch über den einzigen Deutschen im Kardinalsrat: Kardinal Marx. Er scheint ja in keinerlei Skandale verwickelt zu sein. Außerdem traut er sich, auch recht lautstark mal dem Papst seine Meinung zu sagen – zum Beispiel im Kommunionstreit. Könnte er vielleicht zum neuen Koordinator des Kardinalsrates ernannt werden?

Juchem: Das ist pure Spekulation. Das weiß ich wirklich nicht. Kardinal Marx und Papst Franziskus sind unterschiedliche Typen und haben unterschiedliche Mentalitäten, die sich aber, glaube ich, schon schätzen. Der Papst weiß, was er an Kardinal Marx hat und das, was ihn von dessen Vorschlägen überzeugt, wird er auch sicher weiterhin übernehmen.

Ich persönlich denke nicht unbedingt, dass Marx einer derjenigen ist, der bei einem personellen Wechsel mit dabei wäre. Zumal er ja auch noch andere Aufgaben im Vatikan weiter wahrnimmt.

DOMRADIO.DE: Aber die Chancen darauf, dass der Kardinalsrat eine dauerhafte Institution bleiben wird – auch nach Papst Franziskus – sehen Sie schon?

Juchem: Zunächst mal nicht. Es ist eine persönliche Initiative von Franziskus und er ist jederzeit frei, den aufzulösen beziehungsweise ihn beizubehalten – bis zu seinem Rücktritt oder Tod, wenn das irgendwann mal der Fall sein sollte. Ein möglicher Nachfolger irgendwann kann den übernehmen, muss das aber nicht. Der ist an gar nichts gehalten.

Wenn allerdings dieser Kardinalsrat eventuell in der neuen Konstitution institutionalisiert wird, dann sähe es etwas anders aus. Aber das wissen wir bisher nicht und das muss man abwarten.

Das Interview führte Beatrice Steinecke.

(DR)

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