Papst Franziskus im Flugzeug
Papst Franziskus im Flugzeug

27.08.2018

Papst erneuert Appell zu Missbrauchsaufarbeitung "Wer etwas mitbekommt, soll es melden"

Im Einsatz gegen Missbrauch hat Papst Franziskus die Gläubigen erneut aufgefordert, ihren Teil zur Bekämpfung beizutragen. "Wenn jemand etwas sieht oder hört, muss er sofort etwas sagen", betonte er auf dem Rückflug nach seinem Irland-Besuch.

Papst Franziskus äußerte sich nach seiner zweitägigen Visite beim Weltfamilientreffen in Dublin auf dem Rückflug nach Rom vor Journalisten. Derjenige solle sich aber an jemanden wenden, der kompetent sei, entsprechende Untersuchungen anzustellen, also an staatliche Behörden oder kirchlicherseits an einen Bischof.

"Das ist es, was das Volk Gottes tun kann", so Franziskus. Gefragt worden war er nach einer Bemerkung in seinem "Brief an das Volk Gottes" vom vergangenen Montag. Darin hatte er nicht nur Kleriker, sondern alle Katholiken weltweit gegen Missbrauch in die Pflicht genommen.

Priester startete Petition gegen Lyoner Kardinal

Daraufhin hatte ein französischer Priester eine Online-Petition für einen Rücktritt des Lyoner Kardinals Philippe Barbarin gestartet. Die Initiative ist von einem an Barbarin gerichteten Schreiben begleitet und hatte innerhalb weniger Tage einige Zehntausend Unterzeichner gefunden. Barbarin wird Nichtanzeige sexueller Übergriffe vorgeworfen. Er wurde 2017 vor Gericht angehört; die Hauptverhandlung ist nach mehreren Verschiebungen nun für Oktober anberaumt.

Der Papst betonte indes, solche Maßnahmen müssten stets von dem Grundsatz getragen sein, dass ein Verdächtiger solange als unschuldig zu gelten hat, bis eine etwaige Schuld erwiesen ist. Im spanischen Granada, so der Papst, seien verdächtigte Geistliche in einem Fall durch Berichterstattung vorverurteilt worden und hätten erhebliche Anfeindungen erlitten. Das staatliche Gericht habe nach langen Verhandlungen aber geurteilt, dass die Priester unschuldig seien; stattdessen sei ein Mann als Denunziant verurteilt worden.

Papst lobt irische Kirche für Missbrauchs-Aufarbeitung

Zuvor hatte Papst Franziskus in Dublin den Umgang der irischen Bischöfe mit dem Missbrauchsskandal gelobt. Die "Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit", mit der sich die Kirche diesem schmerzhaften Kapitel stelle wolle, könnten "ein Vorbild und einen Aufruf für die gesamte Gesellschaft" sein, sagte der Papst bei einer nichtöffentlichen Begegnung mit den Bischöfen zum Abschluss seines zweitägigen Irlandbesuchs am Sonntag in Dublin.

Die Reise war von einer Debatte um Missbrauch und Vertuschung in katholischen Einrichtungen begleitet. Bei einer großen Messe unmittelbar vor dem Bischofstreffen hatte Franziskus umfassend um Vergebung für sexuellen Missbrauch, Misshandlungen und Zwangsadoptionen gebetet und dabei auch das Schweigen von Amtsträgern eingeschlossen.

Jetzt attestierte er den Bischöfen laut dem vom Vatikan verbreiteten Redemanuskript, sie seien in den vergangenen Jahren "entschieden vorgegangen", um "Wege der Reinigung und Versöhnung mit den Opfern einzuschlagen" und mit der katholischen Kinderschutzbehörde NBSC Regeln für die Prävention aufzustellen. Zugleich betonte er, die Kirche müsse mit Ehrlichkeit und Mut frühere Fehler beim Schutz von Kindern und schutzbedürftigen Erwachsenen anerkennen und wiedergutmachen.

Gelegenheit zu einer inneren Erneuerung der Kirche

Die Erschütterungen der vergangenen Jahre hätten den traditionell starken Glauben der Iren auf die Probe gestellt, sagte Franziskus.

Dies sei auch Gelegenheit zu einer inneren Erneuerung der Kirche. Die Bischöfe sollten "neue Wege für diese neuen Zeiten erkennen und beschreiten", so der Papst. Gleichzeitig erinnerte er an die nötige Unterstützung für Priester. Deren "Kummer und Entmutigung aufgrund der jüngsten Skandale" würden oftmals nicht beachtet.

(KNA)

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