Familie spielt ein Gesellschaftsspiel
Familie spielt ein Gesellschaftsspiel

31.07.2018

Das Gebetsanliegen des Papstes für den August Familien als Gewächshäuser der Zukunft

Der Papst betet im August für die "Wertschätzung der Familien: Alle ökonomischen und politischen Entscheidungen mögen in großer Wertschätzung der Familie getroffen werden."

Der August ist in ganz Europa der wichtigste Ferienmonat. Familien haben Zeit füreinander wie selten sonst. Das ist eine große Chance, aber auch ein Risiko. Alte und neue Konflikte können bei so engem Zusammenleben aufbrechen. Eine Testzeit also, in der Papst Franziskus uns bittet, die Familien ins Gebet zu nehmen.

Die Familienlandschaft ist bunter geworden. Schon längst leben nicht nur zwei bis drei Kinder bei ihren leiblichen Eltern: "Patchwork"-Familien entstehen durch neue Partnerschaften der Eltern, Alleinerziehende mit und ohne stützende Großeltern, nicht blutsverwandte Pflegefamilien und sogar gleichgeschlechtliche "Eltern". Allen gemeinsam ist die auf längere Dauer angelegte Gemeinschaft von Erwachsenen und Kindern.

Veränderungen bei den Generationen

Es ist noch keine hundert Jahre her, da gehörten zur Familie selbstverständlich mindestens drei Generationen unter einem Dach, oft genug auch unverheiratete Hausangestellte und Mitarbeiter im "Familienbetrieb". Die heute übliche Zweigenerationenfamilie mit einem oder wenigen weiteren Kindern war damals eher die Ausnahme.

Franziskus bittet nun für die real existierenden Familien unserer Zeit - so unterschiedlich sie auch sein mögen - um Wertschätzung. Diese ist ihm offenbar das Wichtigste. Alles was zu tun oder zu lassen ist, muss hier den Grund haben.

Wohlergehen und Zukunft

Was macht Familien aber so wertvoll? Sie können in der oft anonymen Gesellschaft Halt und Geborgenheit bieten, gegenseitige Unterstützung - vor allem in der ersten und der letzten Lebensphase. Familien sind Gewächshäuser der Zukunft. Ohne Kinder wäre die Gesellschaft schnell am Ende. Das vierte Gebot legt uns den Zusammenhang ans Herz:

Wohlergehen und Zukunft setzt die Wertschätzung der Kinder für Vater und Mutter voraus - und sicher auch umgekehrt. Wenn der Generationenvertrag nicht ernst genommen wird, gerät leicht alles ins Wanken, was unser Miteinander stabilisieren soll.

Familie vs. Heim und Tagespflege

Obwohl Jesus offensichtlich jene "Familie" vorzieht, die sein "Vater" mit allen Menschen aufbauen will, dürfen wir die natürlichen Familien als Aufbauzellen der Menschheit von morgen sehen - ja, sogar als vorläufige Bilder für das Geheimnis Gottes, das zutiefst Gemeinschaft ist.

Immer wieder gab und gibt es aber Versuche, den Eltern die Kinder zu entziehen. In der DDR wurde der Nachwuchs schon möglichst früh ins politische System eingeordnet. Aber waren nicht auch kirchliche Internate - insbesondere die geistlichen "Knabenseminare" - oft der Versuch, Kinder kirchlich zu rekrutieren, notfalls gegen ihre Herkunftsfamilie?

"Wertschätzung der Familie", das kann nur heißen: Wertschätzung der Vielfalt und eine individuelle Entfaltung junger Persönlichkeiten. Kein noch so gutes Heim kann ein (gutes) Zuhause ersetzen. Selbstverständlich brauchen Familien mehr denn je frei gewählte Unterstützung: Kindertagesstätten, Tagespflegestellen, Familienzentren, Ehe- und Erziehungsberatung. Unsere Kirchen haben hier ein riesiges Aufgabenfeld und viele Chancen, das christliche Menschenbild vorzustellen. In der Nachfolge früherer Großfamilien können überschaubare  Kirchengemeinden, Familienkreise und generationsübergreifende Vereine wie die Kolpingsfamilien tragfähige Beziehungsnetze sein.

Blutsverwandtschaft stärker als Wahlverwandtschaft?

Natürlich sind auch Freundschaften wichtig, aber selbst sehr enge Verbindungen können manchmal zerbrechen. Blutsverwandtschaft ist letztlich doch stärker als Wahlverwandtschaft; da rauft man sich nach Zerwürfnissen eher wieder zusammen. "Wertschätzung der Familie" - dieses Schlagwort steht wohl in fast jedem Parteiprogramm. Und kaum ein Land kommt ohne Familienministerium aus. In seinem aktuellen Gebetsanliegen sieht Papst Franziskus trotzdem Gegenkräfte, die aus "ökonomischen und politischen" Gründen andere Prioritäten setzen und damit Familien bedrohen.

Unser Beten muss deshalb auch zu vorbildlichem Handeln führen. Bei jeder Entscheidung, die wir beeinflussen können, sollten wir die Frage einwerfen: Was ist hier und jetzt familienfreundlicher: Wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht, um den Wohnungsbau, um Freizeit- und Ferienangebote oder um...? Wer in seinem Herzen Familien ehrlich wertschätzt, wird auch bei Konflikten bereit sein, einen guten Kompromiss zu finden - weit über die Urlaubszeit hinaus.

Gerhard Dane
(KNA)

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