"Runder Tisch" - Neue ökumenische Symbolik
"Runder Tisch" - Neue ökumenische Symbolik
Papst Franziskus begrüßt Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Patriarch von Konstantinopel und Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie
Papst Franziskus begrüßt Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Patriarch von Konstantinopel und Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie
Das katholische Kirchenoberhaupt will bei dem ökumenischen Treffen über die dramatische Situation im Mittleren Osten beraten
Das katholische Kirchenoberhaupt will bei dem ökumenischen Treffen über die dramatische Situation im Mittleren Osten beraten
Papst Franziskus betet vor dem Grab des St. Nicholas im Rahmen seiner Reise nach Bari.
Papst Franziskus betet vor dem Grab des St. Nicholas im Rahmen seiner Reise nach Bari.

08.07.2018

Neue ökumenische Symbolik beim Friedenstreffen in Bari Runder Tisch statt Kirchenbänke

Für den zweistündigen Dialog des Papstes und der Patriarchen wurden die Kirchenbänke aus dem Mittelschiff der Nikolausbasilika entfernt und durch einen "runden Tisch" mit 20 "gleichwertigen" Positionen ersetzt – "Bild einer der Welt zugewandten Synodalität".

Das Friedensgebet für den Nahen Osten, zu dem Papst Franziskus am Samstag die Patriarchen der östlichen Kirchen eingeladen hatte, war nicht nur durch beeindruckende Texte und Bilder gekennzeichnet. Es trug auch zu einer neuen ökumenischen Symbolik bei. Für den zweistündigen Dialog des Papstes und der Patriarchen bzw. deren Vertreter wurden die Kirchenbänke aus dem Mittelschiff der Nikolausbasilika ausgeräumt. An ihrer Stelle wurde ein großer "runder Tisch" aufgestellt, um den 20 Sitze positioniert waren; alle gleich. Keiner der Plätze war als der eines "Vorsitzenden" hervorgehoben, auch der des Papstes nicht.

Bild der zugewandten Synodalität

Hinter den Sitzen der Patriarchen war eine zweite Reihe für die Assistenten aufgestellt. Die gleichen Sessel sollten zum Ausdruck bringen, dass alle das gleiche Rederecht haben. Der italienische Pressedienst SIR interpretierte diese Regie als "Bild einer der Welt zugewandten Synodalität", wie sie vielleicht zum ersten Mal in der modernen Kirchengeschichte verwirklicht worden sei, um die Solidarität mit den verfolgten Christen und mit allen leidenden Menschen des Nahen Ostens zum Ausdruck zu bringen.

In der Krypta der Basilika, wo die Reliquien des Bischofs von Myra verehrt werden, ist die "einflammige Lampe" ein besonderes ökumenisches Symbol. Sie spielte auch am Samstag eine zentrale Rolle, als Papst Franziskus mit den Patriarchen in die Krypta hinabstieg.

Sie hat die Form eines Schiffs, das die Kirche symbolisiert. Auf den Schultern der Nikolausbüste befinden sich zwei Pokale, die die Kirchen des Ostens und des Westens repräsentieren und das Abschiedsgebet Jesu tragen, "dass alle eins seien". Die Pokale sind mit unterschiedlichen Ölen gefüllt, mit denen die Verschiedenheit der Traditionen und Riten in der einen Kirche zum Ausdruck kommt.

Verschlossene Türen

Wie bei einem Konklave waren die "verschlossenen Türen" in der Nikolausbasilika wörtlich zu nehmen. Alle mussten das Kirchenschiff verlassen. Außer den Patriarchen und ihren Assistenten waren nur die Übersetzer zugelassen; verhandelt wurde auf Italienisch, Arabisch, Griechisch, Englisch und Französisch. Für die vier römischen Kardinäle Pietro Parolin, Angelo Becciu, Leonardo Sandri und Kurt Koch gab es vier Sessel in einer Ecke. Das einleitende Kurzreferat zum Dialog des Papstes und der Patriarchen hielt der Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa.

Am "Runden Tisch" nahmen neben Papst Franziskus und Pizzaballa unter anderen teil: der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel; der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II.; der griechisch-orthodoxe Patriarch von Alexandrien Theodoros II.; Metropolit Hilarion Alfejew als Vertreter des russisch-orthodoxen Moskauer Patriarchen; der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Aphrem II.; der maronitische Patriarch Kardinal Bechara Boutros Rai; der chaldäische Patriarch Kardinal Louis Raphael Sako, der evangelisch-lutherische Bischof von Jerusalem Sani Ibrahim Azar und die Generalsekretärin des Nahost-Kirchenrates MECC, Souraya Bechealany.

Treffen entstanden aus Telefongespräch zwischen Papst Franzsikus und Patriarch Kyrill

Im Vorfeld von Bari hatte kursiert, dass das Friedensgebet eine Konsequenz des Telefongesprächs zwischen dem Papst und Patriarch Kyrill im April gewesen sei. Der Moskauer Patriarch hatte damals am Tag der westlichen Angriffe auf Einrichtungen der syrischen Armee spontan Franziskus, Bartholomaios und andere Patriarchen des östlichen Mittelmeerraums kontaktiert.

Der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Kurt Koch, stellte aber nun klar, dass Franziskus den "Tag des Gebets und der Reflexion für den Nahen Osten" bereits seit längerem geplant habe. Der Papst sei überzeugt gewesen, dass es nötig sei, gemeinsam mit den Patriarchen für den Frieden im Nahen Osten zu beten - und zwar öffentlich, um die Solidarität mit den Christen und darüber hinaus mit allen Leidenden der Region zum Ausdruck zu bringen.

Offen blieb, ob es in Bari auch zu bilateralen Gesprächen zwischen Bartholomaios I. und Metropolit Hilarion über die orthodoxe Kirche in der Ukraine gekommen ist. Für diesen Montag (9. Juli) jedenfalls wird in Moskau eine Delegation aus Konstantinopel erwartet.

Erich Leitenberger
(KNA)

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