Blick in die Vatikanischen Gärten
Blick in die Vatikanischen Gärten
Papst Franziskus winkt
Papst Franziskus winkt

04.07.2018

Vatikan-Experte wünscht sich mehr Erholung für Franziskus Warum macht der Papst keinen Urlaub?

Es ist Sommer und damit Ferienzeit. Auch im Vatikan. Papst Franziskus hätte jetzt die Gelegenheit, sich zu erholen. Allein, er tut es nicht so wie sein Vorgänger. Über die Gründe weiß Vatikan-Experte Ulrich Nersinger Näheres.

DOMRADIO.DE: Seit den 70er-Jahren hat Papst Franziskus keinen Urlaub mehr gemacht. Warum eigentlich nicht?

Ulrich Nersinger (Vatikan-Experte): Ja, generell müsste man sagen, wenn wir vom "Sommerurlaub der Päpste" sprechen, darf man den Begriff Urlaub nicht mit dem gleichsetzen, was wir darunter verstehen.

Nicht nur Papst Franziskus, sondern auch seine Vorgänger haben eigentlich nie so richtig Urlaub gemacht. Sie sind in den heißen Monaten außerhalb Roms gefahren, in ein besseres Klima, denn die heißen Monate sind doch eine große Belastung. So haben sie sich im Palazzo Venezia oder Quirinalspalast niedergelassen, und in den Sommermonaten in Castel Gandolfo. Das waren mehr klimatische Gründe.

Sie haben an diesen Orten durchaus gearbeitet. Sie haben Audienzen gegeben, sie haben sogar Staatsbesuche empfangen. Wenn man in den Archiven des Vatikans nachschaut, findet man eine ganze Reihe von Dokumenten, die in Castel Gandolfo ausgestellt worden sind.

DOMRADIO.DE: Und Papst Franziskus will gar nicht nach Castel Gandolfo, oder?

Nersinger: Papst Franziskus hat keine große Beziehung zu Castel Gandolfo. Der Palast ist ihm wahrscheinlich zu groß und auch auch zu prächtig. Er hat von Anfang an gesagt: "Nein, da möchte er nicht hin." Es ist natürlich auch eine große Kostenfrage. Mit dem Papst zieht ja auch ein relativ großes Gefolge an Sicherheitspersonal um.

So hat Franziskus sich dafür entschieden, im Vatikan zu bleiben. Aber ich denke, das liegt auch an der Person des Papstes, der ja auch irgendwie so nicht richtig Urlaub machen kann.

DOMRADIO.DE: Also fährt der nie, nicht mal eine Woche, irgendwo hin und erholt sich so ein bisschen?

Nersinger: Ja, das wäre eigentlich wünschenswert, leider macht er das nicht. Wie gesagt, auch die anderen Päpste haben das nicht so ganz gekonnt, weil es natürlich immer Sachen gibt, die erledigt werden müssen. Die Weltkirche ruht ja nicht im Sommer.

DOMRADIO.DE: Wenn es so heiß ist in Rom und er da bleibt, arbeitet er da wenigstens ein bisschen weniger?

Nersinger: Ich denke, es ist eine große Hilfe, dass jetzt die Generalaudienzen und die Messe in Santa Marta mit den Gläubigen ausfallen. Das sind schon gewisse Erleichterungen für den Papst. Er hat dann natürlich mehr Zeit, sich ein wenig zu regenerieren. Aber ein gewisses Arbeitspensum bleibt immer.

DOMRADIO.DE: Es gibt ja eigentlich eine Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Die Arbeitnehmer sollen sich im Urlaub erholen. Was machen wir denn da mit dem Papst? Wer sagt denn: "Jetzt mach' mal Urlaub!" Wer greift ihm unter die Arme?

Nersinger: Ich würde mir wünschen, seine Mitarbeiter hätten den Mut, den Papst für eine kurze Zeit zu entführen, und wenn es nur in die Vatikanischen Gärten ist. Dort gibt es sehr viele schöne kleine Plätze, an denen man sich ja erholen kann – und sei es nur eine halbe Stunde. Ich wäre gut, wenn der Heilige Vater sich beispielsweise zum Johannes-Turm begibt, um sich auszuruhen. Vielleicht bei einem Glas Mate, dass er so liebt.

Jemand in seiner Umgebung muss einfach mal den Mut haben. Zwingen darf man einen Papst natürlich nicht – das wird auch bei Franziskus sehr schwer sein – aber man sollte versuchen, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Wenn man bedenkt, dass der Juli und der August für den Papst mit relativ großen Feiern verbunden sind – er reist erst nach Bari, dann nach Irland, was wahrscheinlich kein Zuckerschlecken für ihn wird –  da braucht er eine gewisse Erholung und Kraft, die man in den Vatikanischen Gärten schöpfen kann.

Die Vatikanischen Gärten bieten sich dafür an, dass man sich ein wenig erholt und ein wenig neue Kraft schöpft für die Dinge, die anstehen.

Das Gespräch führte Heike Sicconi.

(DR)

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