Papst Franziskus mit syrischen Flüchtlingen
Archivbild: Papst Franziskus mit syrischen Flüchtlingen

30.06.2018

Papst macht Überraschungsbesuch bei Obdachlosen "Es war ein großes Fest"

Ganz überraschend hat Papst Franziskus Obdachlose und Geflüchtete beim Abendessen besucht. Er sprach mit ihnen unter anderem über die Flüchtlingspolitik der EU. Trotz ernster Themen herrschte eine lockere Atmosphäre.

Als Überraschungsgast bei einem Abendessen für Bedürftige ist am Freitagabend Papst Franziskus aufgetaucht. Er sagte nicht nur kurz Hallo, sondern blieb zwei Stunden und unterhielt sich mit vielen der etwa 280 Anwesenden, darunter auch Flüchtlinge aus Syrien, wie das vatikanische Nachrichtenportal "Vatican News" (Samstag) berichtet. Das Abendessen in der Angestellten-Mensa des Vatikan hatte der päpstliche Almosen-Verantwortliche Erzbischof Konrad Krajewski organisiert. Er feierte damit seine Erhebung zum Kardinal am Donnerstag.

„Europa am Rand des Selbstmords“

Franziskus habe bei dem Abendessen gesagt, Europa stehe "am Rand des Selbstmords, denn wenn es keine Einwanderer aufnehme und selbst so eine niedrige Geburtenrate habe, dann kümmere es sich nicht um die Zukunft des Kontinents. Auch in den USA beobachte er ähnliches", berichtete Carlo Santoro von der katholischen Basisgemeinschaft Sant'Egidio. Papst Franziskus betonte demnach auch erneut, Integration sei fundamental, Aufnehmen alleine reiche nicht.

Unverhofft gab es zudem ein Wiedersehen des Papstes mit einem Syrien-Flüchtling, den er 2016 nach seinem Besuch in einem Flüchtlingslager auf Lesbos im Papstflieger mit nach Rom genommen hatte. "Der konnte ihm erzählen, dass er jetzt integriert ist und eine Arbeit hat", so Santoro. Sant'Egidio kümmert sich in Rom nicht nur um die "Papstflüchtlinge" aus Lesbos, sondern auch um Geflüchtete, die über sogenannte humanitäre Korridore per Flugzeug nach Rom kommen.

Gespräche mit Ex-Häftlingen und Obdachlosen

Der Papst sprach auch mit ehemaligen Häftlingen sowie Obdachlosen, die gewöhnlich in der Nähe des Petersplatzes unter freiem Himmel übernachten. Franziskus äußerte sich dabei demnach besonders betroffen über die Lage der Kinder illegaler Flüchtlinge, die von den US-Behörden an der Grenze zu Mexiko ihren Müttern weggenommen werden. Jüngst hatten auch die katholischen Bischöfe in den USA bei ihrer Frühjahrstagung scharfe Kritik an der Zwangstrennung von Familien an der Südgrenze zu Mexiko geübt, die Präsident Donald Trump nach harschen Protesten inzwischen untersagt hat.

Trotz der ernsten Themen herrschte laut Santoro insgesamt eine gelöste Stimmung: "Da war auch ein Freund von uns mit einem ellenlangen Bart, der hat ein Selfie von sich mit Don Konrad (Krajewski) und dem Papst gemacht, und Don Konrad hat ihm ein rotes Käppchen aufgesetzt. Es war ein großes Fest!"

(KNA)

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