Papst Franziskus bei einer "fliegenden Pressekonferenz"
Papst Franziskus bei einer "fliegenden Pressekonferenz"

24.06.2018

Neue Papstworte zur Kommuniondebatte und ihre Bedeutung Nicht "ex cathedra", sondern aus dem Flieger

Was bedeutet eine spontane Antwort eines Papstes auf eine Journalistenfrage in einer Pressekonferenz für die kirchliche Lehre? Die Frage stellt sich derzeit mit Blick auf die Debatte um die Kommunionhandreichung der deutschen Bischöfe.

Die Debatte um die Handreichung der deutschen katholischen Bischöfe zur Kommunion für nicht katholische Ehepartner hat einen neuen Aufreger: die Antwort von Franziskus auf eine entsprechende Journalistenfrage, gestellt beim Rückflug vom Papstbesuch des Weltkirchenrates (ÖRK) in Genf am Donnerstag.

Nicht "ex cathedra"

Unabhängig vom Inhalt ist unklar: Welchen Stellenwert haben die Aussagen eines Papstes bei einer "Fliegenden Pressekonferenz"? - Was der Papst dort sagt, ist natürlich nicht irrelevant. Es ist aber auch nicht "ex cathedra" gesprochen - wie manche zu meinen scheinen. Am Ende eines langen, eng getakteten Tages mit vielen Begegnungen antwortet Franziskus im Flieger auf Journalistenfragen, die in mehr oder weniger engem Zusammenhang mit der Reise stehen. Der Papst kennt die Fragen vorher nicht. Er antwortet spontan.

Nach dieser Reise "in Richtung Einheit" der Kirchen, wie Franziskus selbst sagte, lag es nahe, nach den Wirren um die geplante Handreichung der deutschen Bischöfe zu fragen. Der Brief der Glaubenskongregation von Ende Mai wirke doch wie eine Notbremse. Wer denn jetzt am Zuge sei, der Vatikan oder die deutschen Bischöfe, war die Frage.

In seiner Antwort bezieht sich der Papst auf das Kirchenrecht und verweist auf den Unterschied zwischen der Ortskirche mit dem einzelnen Bischof, der dort zu entscheiden hat, und der "lokalen Kirche"; gemeint ist in diesem Fall die Bischofskonferenz. Dabei machen zwei Dinge seine Antwort schwierig.

Zum einen formuliert Franziskus an einer Stelle missverständlich: "Etwas, das von einer Bischofskonferenz genehmigt wurde, wird sofort allgemein [ital. "universale]", sagt Franziskus. Implizit gemeint ist wohl auch "weltkirchlich relevant". Denn der Beschluss einer größeren Bischofskonferenz hat weltkirchlich eine andere Wirkung als die eines einzelnen Bischofs.

Die zweite Schwierigkeit: Im von Franziskus angeführten Kirchenrecht heißt es in dem relevanten Kanon 844 § 4: "... wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs bzw. der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage dazu drängt, spenden katholische Spender diese Sakramente erlaubt auch den übrigen nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen ...". Die Sache ist eindeutig: Auch eine Bischofskonferenz kann laut Kirchenrecht solche Fragen regeln.

Spontane Antwort

Wie gesagt: Franziskus antwortete spontan. Dabei versuchte er sichtlich, seine Informationen zu einer der vielen Debatten, mit denen er befasst ist, aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren. Eine solche Antwort auf dem Heimflug ist keine von Fachstellen vorbereitete formale päpstliche Stellungnahme. Franziskus wollte etwas erklären. Unter anderem wollte er den mancherorts geäußerten Verdacht entkräften, die angeblich so liberalen deutschen Bischöfe wollten die katholische Kommunion quasi für alle freigeben. Deshalb sein Urteil, der Text der Handreichung sei "restriktiv".

Das Anliegen der deutschen Bischöfe und ihre Arbeit an sich würdigt Franziskus - "ben fatto - gut gemacht", sagte er zweimal. Die Einlassung der Glaubenskongregation sei "kein Bremsen" gewesen. "Es ging darum, die Sache auf den richtigen Weg zu bringen." Am Ende werde es "ein orientierendes Dokument werden".

Es ist Franziskus' Art, durch seine vielfachen Einlassungen Debatten anzuregen und im Fluss zu halten. Er will die Verkündigung des Evangeliums und den gelebten Glauben voranbringen und dabei viele Gläubige mit einbeziehen.

Offizielle Reden des Papstes sind gewissenhaft von Experten vorbereitet; und je offizieller und diplomatisch heikler der Anlass ist, desto genauer hält er sich ans Manuskript. Im persönlichen Gespräch aber oder bei Pressekonferenzen sind seine Antworten nicht mehrfach gegengelesen - und sie sind nicht immer in allen Punkten "wasserdicht". Hinzu kommen im Nachhinein die eine oder andere Ungenauigkeit oder einseitige Auswahl in der Wiedergabe des spontan Gesagten in den Medien.

So geben die vielen päpstlichen Interviews immer wieder wichtige Impulse - als verbindliche Basis für kirchenrechtliche Grundsatzentscheidungen oder theologisch-dogmatische Definitionen taugen sie eher nicht.

Roland Juchem
(KNA)

Mit Willibert auf Sizilien

Eindrücke von der DOMRADIO.DE-Reise

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Tageskalender

Radioprogramm

 16.10.2021
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Sizilien: DOMRADIO.DE Pilgerreise
  • Neues Pilotprojekt: Muezzin-Ruf in Köln
  • Wie klappt Nachhaltigkeit?
11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Domradio-Rätsel aus Sizilien
11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Domradio-Rätsel aus Sizilien
16:00 - 19:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

16:00 - 19:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

Lichterfeier aus Taize

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Himmelklar Podcast

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…