Papst Franziskus
Papst Franziskus
Gustavo Gutierrez
Gustavo Gutierrez bei der Pressekonferenz im Vatikan

08.06.2018

Papst würdigt Befreiungstheologen Gutierrez "Ich danke dir"

Papst Franziskus hat den peruanischen Befreiungstheologen Gustavo Gutierrez zu dessen 90. Geburtstag an diesem Freitag gewürdigt. In einem Glückwunschschreiben bedankt sich das Kirchenoberhaupt bei Gutierrez für dessen Arbeit.

"Sei Dir sicher, dass ich in diesem bedeutenden Moment Deines Lebens für Dich bete", so Franziskus. Weiter schrieb der Papst: "Ich danke Dir für all das, was Du durch Deinen theologischen Dienst und Deine Liebe zu den Armen und Ausgegrenzten für die Kirche und die Menschheit getan hast."

Nach Ansicht von Kardinal Gerhard Ludwig Müller spielt die Befreiungstheologie weiter eine wichtige Rolle, insbesondere in Lateinamerika. Bei der Amazonassynode 2019 etwa werde man nicht an ihren Themen vorbeigehen können, „weil ja trotz mancher Verbesserungen die Situation für Millionen Menschen keineswegs befriedigend ist“, sagte der frühere Präfekt der Römischen Glaubenskongregation im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zum 90. Geburtstag des peruanischen Theologen Gustavo Gutierrez am 8. Juni.

Dieser war mit seinem Buch „Theologie der Befreiung“ Mitbegründer und Namensgeber der Befreiungstheologie. In manchen Ländern gebe es einen Rückfall in rechte oder linke Diktaturen, dazu kämen problematische Folgen der Globalisierung, so Müller: „Hier muss die Kirche ihre kritische Stimme erheben gegen Ausbeutung, Unterdrückung und alle Angriffe auf die Menschenwürde.“ Sie müsse auch „immer wieder daran erinnern, dass Politik dazu da ist, das Gemeinwohl einer Gesellschaft zu garantieren“.

Auch Papst geprägt von Befreiungstheologie

Auch Papst Franziskus sei von seiner lateinamerikanischen Herkunft geprägt, zu der sicher auch Gedanken der Befreiungstheologie gehörten, so der Kardinal weiter: „Ich denke etwa an die Impulse, die Armen nicht zu vergessen und in der Verkündigung neben der spirituellen Seite auch die gesellschaftliche Dimension im Auge zu behalten.“

Eher skeptisch antwortete Müller auf die Frage nach theologischen Veränderungen im Rahmen der Amazonassynode. Wegen des Priestermangels in vielen Regionen Lateinamerikas wird unter anderem über die Priesterweihe für bewährte Männer („viri probati“) diskutiert. Der Zölibat sei „mit dem Priestertum spirituell tief verknüpft“, so Müller: „Das Zweite Vatikanische Konzil sagt aber, er ist dogmatisch nicht unbedingt damit verbunden.“

So gebe es auch in der katholischen Ostkirche verheiratete Priester und evangelische oder anglikanische Geistliche, die katholisch werden, ergänzte der Kardinal: „Insofern haben wir auch im westlichen Ritus einige verheiratete Priester. Aber man muss unterscheiden und aufpassen, dass man nicht einfach rein pragmatisch argumentiert.“ Das Ganze müsse theologisch begründet sein, so Müller weiter: „Und verheiratete Priester bringen ja auch neue Probleme mit und sind keinesfalls eine Garantie dafür, dass wir den großen Herausforderungen der Entchristlichung besser begegnen können.“

(KNA)

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