Papst mit chilenischen Bischöfen
Papst mit chilenischen Bischöfen

13.05.2018

Bischof Ackermann lobt Papst Franziskus für Schuldeingeständnis Zeichen von Größe

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat Papst Franziskus dafür gelobt, dass er Fehler im Umgang mit dem chilenischen Missbrauchsskandal eingeräumt hat. 

Dieses Schuldeingeständnis sei für das als unfehlbar angesehene Kirchenoberhaupt "gewaltig", sagte Bischof Ackermann, der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz am Samstag beim Katholikentag in Münster. Franziskus hatte nach seiner Chile-Reise im Januar Anschuldigungen von Missbrauchsopfern gegenüber einem Bischof, Mitwisser von Missbrauch durch einen Geistlichen zu sein, noch als "Verleumdung" bezeichnet. Auf Basis einer von ihm in Auftrag gegebenen Ermittlung räumte er später eine falsche Beurteilung ein und traf sich mit chilenischen Missbrauchsopfern. Für Dienstag kommender Woche bestellte er die chilenischen Bischöfe in den Vatikan ein.

Nach Ackermanns Worten müssen ernsthafte Hinweise auf Missbrauch geprüft werden. "Wir dürfen nicht leichtgläubig sein", sagte der Bischof. Dies gelte "bis in die höchste Spitze" der Kirche. Laut Ackermann ist die Bereitschaft zur Aufarbeitung in der Weltkirche unterschiedlich. Dies hänge auch von der Gesellschaft ab, von der eine Ortskirche umgeben sei. Er rief dazu auf, ihm Geistliche aus Deutschland zu melden, wenn sie sexueller Gewalt in Missionsländern verdächtigt werden.

Vorbeugung dauerhaft verankern

Der Münsteraner Erziehungswissenschaftler Martin Wazlawik rief die Kirche auf, Vorbeugung dauerhaft zu verankern. Insbesondere müssten die Erkenntnisse aus dem 2010 aufgedeckten Missbrauchsskandal der deutschen katholischen Kirche an die jüngere Generation weitergegeben werden, sagte der Experte für sexuelle Gewalt und Prävention.

Martin Helmer von der "Zartbitter"-Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Münster betonte, dass von Geistliche missbrauchte Opfer ihre spirituellen Wurzeln und das Vertrauen in Kirche und Gott verloren hätten. Betroffenen empfahl er, sich als erste Anlaufstelle eine Beratungsstelle außerhalb der Kirche zu suchen; das sei ein "viel sicherer Boden". Als "riesengroßes Tabu" nannte Helmer sexuelle Gewalt von Frauen. Es gebe auch weibliche Mitwisserinnen, Mittäterinnen und Täterinnen. Auch Mütter könnten Täter sein, so der Berater.

(KNA)

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