Franziskus in Loppiano
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10.05.2018

Papst besucht in der Toskana zwei katholische Gemeinschaften Ein Lob für Freimut und Ausdauer, Demut und Risikobereitschaft

Der Besuch von Papst Franziskus bei zwei geistlichen Gemeinschaften in der Toskana ist ein klarer Wink an die katholischen Laien, ihren Missionsauftrag ernst zu nehmen.

Von der katholischen Fokolar-Bewegung mit ihren weltweit rund 108.000 Mitgliedern und zwei Millionen Unterstützern ist öfter zu hören. Aber Nomadelfia? Selbst in Italien sind der winzige Ort nahe der toskanischen Stadt Grosseto und die gleichnamige Gemeinschaft, die Papst Franziskus am Donnerstagmorgen zuerst besucht, wenig bekannt. Was gleich zu Beginn auffällt, als der hohe Gast die Aula der Kommunität betritt: Es sind keine Smartphones zu sehen, die sonst bei Papstbesuchen gerne gezückt werden.

Neben den knapp 300 Mitgliedern der Gemeinschaft, die hier wohnen, sind 3.000 weitere Gäste und Neugierige auf das Gelände gekommen. Nicht nur Örtlichkeit und Lebensweise erinnern an einen israelischen Kibbuz. Als Franziskus auf dem Grab des Gründers, des Priesters Zeno Saltini (1900-1981), einen Stein mit seinem Namen ablegt, legt er ihn zu Hunderten anderen. Die Geste erinnert an einen jüdischen Brauch.

Kommune nach urchristlichem Vorbild

Nomadelfia ist eine Art Kommune nach urchristlichem Vorbild. Sie besteht aus Gruppen mehrerer Familien, zu denen wiederum Ehepaare, deren leibliche sowie Pflegekinder gehören. Ein besonderes Merkmal sind unverheiratete Frauen und Männer, die als geistige "Mütter oder Väter aus Berufung" dazugehören. Seelsorglich wird die Gemeinschaft von zwei Priestern betreut. In seiner Rede lobt Franziskus die Gemeinschaft, weil sie mit relativ wenig Strukturen und Organisationsaufwand nach dem "Gesetz der Geschwisterlichkeit" lebe.

Die Beschreibung der ersten Christen in der Apostelgeschichte - "ein Herz und eine Seele ... sie hatten alles gemeinsam" - zitiert an diesem Tag nicht nur Franziskus. Vor allem lobt er das Engagement für vernachlässigte Kinder und alte Menschen, die weiter in den Großfamilien gepflegt werden. In dieser Hinsicht sei die Gemeinschaft prophetisch.

Eindruck einer heilen Welt

Auf den ersten Blick - auch als Mitglieder der Kommunität Szenen aus dem Leben der Gemeinschaft nachspielen - vermittelt Nomadelfia den Eindruck einer heilen Welt. Dabei begann das urchristliche Experiment mit einem aus der Haft entlassenen Jugendlichen, den der damals 31 Jahre alte Jungpriester Don Zeno, wie Saltini genannt wird, wie einen Sohn bei sich aufnahm. 1941 schloss sich ihm eine Studentin namens Irene an, die sich aus christlichem Engagement ebenfalls um vernachlässigte Kinder kümmern wollte.

Im Mai 1947 besetzten Don Zeno und weitere Mitstreiter das Gelände des früheren KZs und späteren Flüchtlingslagers Fossoli bei Carpi. Dort entstand nach seinen Vorstellungen die kibbuzartige Kommune. Weil die Regierung der bald hoch verschuldeten Initiative die Unterstützung entzog, musste sie einen neuen Standort suchen. Im August 1952 zog man auf das zur Verfügung gestellte Landgut in Nomadelfia bei Grosseto.

Tugenden und Empfehlungen

Nomadelfia und die 1943 von der damals 23-jährigen Italienerin Chiara Lubich (1920-2008) gegründete Fokolar-Bewegung sind Früchte der Nachkriegszeit. Antworten entschiedener Christen auf das Unheil von Diktatur und Krieg sowie Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Auch das erwähnt Papst Franziskus in seinen Ansprachen. Getragen werden beide Gemeinschaften nicht von Priestern, sondern von Laien. In Loppiano erinnert Franziskus die Fokolare, deren offizieller kirchlicher Name "Werk Mariens" lautet, eigens daran: "Vergesst nicht, dass Maria eine Laiin war!"

"Freimut und Ausdauer", "Einheit, nicht Einförmigkeit", "Offenheit, Dialog und Erinnerung", "Demut und Risikobereitschaft" sowie "kreative Treue zum Auftrag Jesu" - das sind die Tugenden und Empfehlungen, die der Papst beiden Gemeinschaften ans Herz legt - und nicht nur ihnen. Wie in seinem jüngsten Schreiben "Gaudete et exsultate" über Heiligkeit im Alltag befeuert Franziskus die Laien in ihrer Mission. Entklerikalisiert und entweltlicht schickt er sie in die Welt, wie sie ist. Und nicht nur an diesem Donnerstag fordert der Papst mehrfach: "Geht hinaus, macht weiter!"

 

Roland Juchem
(KNA)

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